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TV-Kritik Tatort: Amour fou Deshalb lohnte sich der Tatort am Pfingstmontag

Knirschende Handlung, ein bisschen Romantik und eine Pointe am Ende: Im Berliner Tatort "Amour fou" dreht es sich um Homophobie, Liebe und Eherettungsaktionen.

Tatort: Amour fou
Nina Rubin (Meret Becker) und ihr Mann Viktor (Aleksandar Tesla) bei abendlichem Ritual im Bad. Foto: rbb/Andrea Hansen

Der Wonnemonat ist vorbei, aber die Liebe ist noch lange nicht am Ende. Nach dem schönen München-Tatort „Die Liebe, ein seltsames Spiel“ flimmert auch in Berlin die Luft, mit deutlich weniger Ironie. Und einer ulkigerweise gewissermaßen verwandten Pointe am Ende. Und einem diametral entgegengesetzten Schlusstableau.

Romantik muss überdecken – kann es vielleicht auch, wenn man nur romantisch genug gestimmt ist –, dass die Konstruktion nicht im Verlauf der Handlung, aber doch im Rückblick knirscht.

Ähnlich wie in Bayern ist auch die Kriminalpolizei mit ihrem Liebesleben befasst. „Amour fou“ – wobei man absolut der Meinung sein kann, dass gerade diesmal eigentlich gar keine Amour fou vorliegt – zeigt zum Beispiel, wie Nina Rubin, Meret Becker, versucht, so nett wie möglich zu ihrem Mann zu sein.

Auch er gibt sich große Mühe. Nach dem Zähneputzen trocknet er sich überraschenderweise die Zähne ab. Während man sich noch fragt, ob man recht gesehen hat, freut sich Nina Rubin darüber, einen Mann zu haben, der sich nach dem Zähneputzen die Zähne abtrocknet. Das ist der zärtlichste und glaubwürdigste Beziehungsmoment dieses Abends. Gleichwohl ist die Krise der Rubin’schen Ehe nicht ausgestanden.

Kollege Karow, Mark Waschke, ist wie üblich intransparenter. Dabei ist auch der Verdächtige homosexuell und wird noch dazu von Jens Harzer gespielt. Jens Harzer spielt ihn vielleicht mit mehr elegischer Attitüde, als es einem im Tatort angenehm ist. Jedenfalls zieht er’s durch und der RBB muss genau das gewollt haben.

Karow indes lässt sich an keiner Stelle in die Karten gucken. Rubin genervt (sie eine Idee nach der anderen produzierend, er als Büro-Sphinx): „Machen Sie auch mal den Mund auf oder gucken Sie bloß schlau?“ Vorerst hat er allerdings mit allem, was er dann doch gelegentlich tut und sagt, so recht, dass Rubin unrecht hat. Vorerst.

Aber was ist eigentlich passiert? Eine verbrannte Leiche wird gefunden, es muss sich um den Mann des Mannes handeln, den Jens Harzer spielt. Er war Lehrer und ist an seiner Schule übel diffamiert worden.

„Amour fou“ thematisiert ja eher den Wahnsinn der Homophobie und wie er in diesem Falle über sagenhaft unbedarfte Schüler namentlich aus Ex-Jugoslawien wieder in die Stadt getragen wird.

Kleiner Clou mit liebevoller Nonchalance

Das Paar hat einen Schüler unter die Fittiche genommen, der sich jetzt mit seinem Vater Richtung Kroatien abgesetzt haben soll. Er steht also unter verschärftem Verdacht, während an dem Paar der Vorwurf klebt,  den Jungen sexuell belästigt zu haben. Die Freundin des jungen Mannes, die während der ersten Phase des Films in der Stadt herumirrt wie weiland der fliegende Holländer, hat es genau gesehen.

Autor Christoph Darnstädt lässt uns ein bisschen im Dunkeln stochern und ein bisschen was ahnen. Regisseurin Vanessa Jopp inszeniert den kleinen Clou mit liebevoller Nonchalance.

Die Dienstfahrt ans Meer kommt vor allem Rubin zupass, gerne übergeht sie die Französischkenntnisse des Kollegen und fährt selbst. Fremdsprachen scheinen aber nicht ihre starke Seite zu sein.

In „Amour fou“ muss man sich an Kleinigkeiten freuen. Der herbe Hintergrund wird, seltsam, fast wie mit Softblende transportiert. Selbst der schlimm zusammengeschlagene Jens Harzer wirkt noch engelhaft in dieser wohl mildesten der bisherigen Rubin-Karow-Folgen.

„Tatort: Amour fou“, ARD, Pfingstmontag, 20.15 Uhr.

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