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TV-Kritik: "Die reichen Leichen" (BR) Wenn der Kini wieder kommt

Der Bayerische Rundfunk zeigt ein echtes Krimi-Highlight vom Starnberg: „Die reichen Leichen“ von Dominik Graf lässt Leute und Landschaft zu ihrem Recht kommen.

18.10.2014 08:40
David Segler
Der Kini (Martin Feifel) wird tot im See aufgefunden. Foto: BR/Julia von Vietinghoff

Als Dominik Graf Ende Juni in München seinen Starnberg-Krimi vorgestellt hat, kam beim obligatorischen Publikumsgespräch im Anschluss die Frage auf, warum ausgerechnet die Umgebung am Starnberger See hier ein Hauptdarsteller sei. Graf antwortete so simpel wie einleuchtend. Er wollte schon immer mal dorthin und da einen Film drehen. Jetzt habe er es eben gemacht. Es ist eine der großen Stärken des Ausnahme-Regisseurs Dominik Graf, dass man den Krimis die Lust, mit der er sie dreht, immer ansieht.

Es geht nie einfach nur um einen Fall, einen Mord oder eine Entführung, Graf erzählt dem Zuschauer immer noch etwas über die Menschen und deren Befinden außerhalb der Geschichte, vor allem aber auch über die Orte, an denen sie leben und sich in ihre Schicksale verstricken. So auch in „Die reichen Leichen“, der am 18. Oktober beim Bayrischen Rundfunk läuft.

Es ist Grafs erster Film, der in dieser geschichtsträchtigen Region spielt, und er hat zusammen mit seinem Autor Sathyan Ramseh ein Äquivalent zu seiner Unkenntnis geschaffen. Die Hauptfigur Ariane Fink (Annina Hellenthal) – Polizeimeisteranwärterin – ist gerade erst am Starnberg angekommen. Die Autoren bieten also Gelegenheit, Menschen und Gepflogenheiten am Starnberg mit der Protagonistin zusammen zu ergründen. Die war zwar als Kind schon einmal dort, kennt jedoch nur (noch) die Vorurteile: Alle sind reich und ständig betrunken.

Wenn man am Starnberger See ist, kommt man um eine schillernde Persönlichkeit der deutschen Geschichte natürlich nicht herum: Ludwig II., der „Kini“, wie er im Film immer wieder liebevoll genannt wird. Ihn macht das Buch zur Hauptfigur im Hintergrund, um ihn drehen sich praktisch alle Handlungsstränge.

Ein Mann ist im See ertrunken, ein Abbild von Ludwigs Schicksal. Schnell wird die junge Polizistin damit konfrontiert, dass es einen richtigen Ludwig-Kult gibt, Arianes Mentor Lu (Andreas Giebel) nennt sie leicht abschätzig die „Ludisten“. Nun gilt es herauszufinden, wer dieser mysteriöse Mann war, dessen Identität Rätsel aufgibt. Vielleicht der leibhaftige Kini als Reinkarnation? Eine kleine Hintertür lässt Graf da offen, seine Faszination für den Ludwig-Kult ist ihm anzumerken.

Sisi verschwindet

Es gibt aber noch einen zweiten Strang der Geschichte, schließlich muss das Vorurteil des nie enden wollenden Reichtums zu seinem Recht kommen. Also verschwindet die Tochter einer reichen Frau. Wie wird sie wohl heißen? Sisi natürlich. Die Mutter nimmt das kaum mit, es fällt ihr überhaupt schwer, irgendeine Regung zu zeigen. Vielleicht hat sie der Reichtum jeder Fähigkeit zur Empathie beraubt. In einer der schönsten Szenen fragt Lu sie, ob sie mal jemand zum Reden brauche. „Ich hab jeden für alles und niemand für nix“ ist ihre traurige Antwort.

Graf verwebt die beiden Fälle geschickt, um sie am Ende doch wieder auseinanderzuziehen; der Kini ist dabei allgegenwärtig. Was die Filme des erfolgreichen Regisseurs (niemand hat so oft einen Grimme-Preis bekommen wie er) so einzigartig macht, ist sein uneingeschränktes Interesse auch für jede Randfigur.

In kleinen Szenen, die kaum etwas mit dem eigentlichen Geschehen zu tun haben, lehrt er die Zuschauer mittels seiner Figur Ariane, wie der Polizeialltag in Starnberg aussieht, wie es die Arbeit zum einen erleichtert, zum anderen aber erschwert, wenn wirklich jeder jeden kennt.

Graf schafft es wie so oft in seinen Arbeiten, das Gefühl zu vermitteln, bei echten Ermittlungen in einer echten Umgebung dabei zu sein, Menschen zu zeigen, denen man wirklich begegnen könnte, wenn man sich jetzt in sein Auto setzt und nach Starnberg fährt. Und das ist bei einer Geschichte rund um den Ludwigs-Kult, um einen perfekten Kini-Imitator und eine hübsch perfide Entführung schon eine Leistung. 

"Die reichen Leichen. Ein Starnbergkrimi", BR, Samstag, 18. Oktober, 20.15 Uhr.

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