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Taunuskrimis von Nele Neuhaus Im Taunus wird wieder gemordet

Nele Neuhaus auf der Spur: In Königstein, Bad Homburg, Kelkheim, Frankfurt und Offenbach laufen bis Ende November die Dreharbeiten zu zwei weiteren Taunuskrimis. Regisseur und Drehbuchautorin arbeiten mit der Krimiautorin zusammen.

Ermittlerduo: Felicitas Woll und Tim Bergmann spielen die Kommissare Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein in den TV-Krimis nach den Büchern von Nele Neuhaus. Foto: Renate Hoyer

"Achtung, wir drehen. Ton läuft. Und bitte!" Der Regisseur gibt klare, präzise Anweisungen. Marcus O. Rosenmüller sitzt mit Kopfhörern vor einem Monitor und beobachtet die Szenen, die die Kamera im Nebenraum einfängt. Sie sind kurz und unspektakulär: Oliver von Bodenstein brütet am Schreibtisch über Akten; eine Hand nimmt einen Schlüsselbund aus der Schublade; Pia Kirchhoff befragt eine Zeugin; Kai Ostermann klopft an die Tür und berichtet, dass das Auto eines Tatverdächtigen am Frankfurter Flughafen gefunden worden sei. "Auf der Beifahrerseite ist alles voll Blut."

Beste Sendezeit

Alltag in der Hofheimer Kriminalinspektion, wo das von Nele Neuhaus ersonnene Ermittlerduo, gespielt von Tim Bergmann und Felicitas Woll, wieder knifflige Mordfälle zu lösen hat. Nach "Schneewittchen muss sterben" und "Eine unbeliebte Frau" werden seit September im Auftrag des ZDF zwei weitere Taunuskrimis der Bestsellerautorin verfilmt: "Mordsfreunde" und "Tiefe Wunden" sollen im nächsten Jahr im Fernsehen laufen – zur Hauptsendezeit am Montagabend, vor einem Millionenpublikum.

Das Konzept der Produzenten ist dieses Mal ein anderes als bei den Dreharbeiten vor einem Jahr. Kein Kammerspiel mit Close-ups, die kaum erahnen lassen, wo die Szene spielt; kein Set irgendwo mitten im Wald, wo Schauspieler und Equipment mühsam hingeschafft werden müssen. "Wir werden bei den Schauplätzen deutlich lokaler, bleiben inhaltlich mehr am Original", sagt Annette Reeker, die die Drehbücher für die beiden neuen Fernsehfilme geschrieben hat. "Nele Neuhaus ist über ihre Leser groß geworden und nicht über eine anonyme Marketingmaschinerie. Das muss man berücksichtigen."

Zerstückelte Leiche

Die Drehorte für die neuen Taunuskrimi-Verfilmungen fanden die Produzenten fast alle in der Region: Kriminalhauptkommissar Oliver von Bodenstein wohnt wieder in Kelkheim, Pia Kirchhoffs Pferdehof steht in Wehrheim. Die zerstückelte Leiche aus „Mordsfreunde“ wird, wie im Roman beschrieben, im Elefantengehege des Kronberger Opelzoos entdeckt; der tote Lehrer liegt im Flur der Königsteiner Sankt-Angela-Schule. Weitere Drehorte sind am Frankfurter Römer, im Klinikum Offenbach, im Rheingau, am Langener Waldsee und in Bad Homburg. Die Kriminalinspektion Hofheim ist dieses Mal nicht im Usinger Schloss, sondern in König-stein untergebracht. Die Büros, in denen Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff am Schreibtisch sitzen und Verdächtige verhören, hat Szenenbildnerin Adrienne Zeidler im Schweizer Haus im Kurpark eingerichtet.

Dem Original kommen die nachgebauten Amtsstuben in dem historischen Gebäude ziemlich nahe: Funktionelle braune Holzmöbel aus den 1970er Jahren stehen drin, Pinnwände mit Polizei-Aushängen, Tatortfotos und Konterfeis von Verdächtigen gibt es; eine Kaffeemaschine, halbvolle Tassen und angeknabberte Kekse. "Wir haben auf Authentizität Wert gelegt", sagt Zeidler. Die schmutziggrünen Wände des "Kommissariats" wurden extra neu gestrichen und patiniert, damit sie alt aussehen. Nele Neuhaus konnte die Drehbücher für ihre Taunuskrimis dieses Mal lesen und hat Anmerkungen dazu gemacht. Einiges davon wurde berücksichtigt; andere Entscheidungen waren für die Produzenten unumstößlich. So etwa, die für Neuhaus’ Krimis typische Fülle an Handlungssträngen zu straffen und das „Personal“ deutlich zu reduzieren. "Anders kriegen Sie einen 500-Seiten-Roman beim besten Willen nicht in 90 Minuten verfilmt", sagt Annette Reeker.

Prominente Schauspieler

Um auf der immer noch recht umfangreichen Darstellerliste Akzente zu setzen, haben die Filmemacher den einen oder anderen prominenten Schauspieler engagiert. Nicole Heesters spielt die Unternehmerin und Mäzenin Vera Kaltensee in "Tiefe Wunden". Didi Hallervorden mimt einen senilen Altrocker, der in der Seniorenresidenz Taunusblick wohnt; und Wilson Gonzalez Ochsenknecht stand als Franjo Conradi in "Mordsfreunde" vor der Kamera. Eine kleine Rolle bekam auch Ex-Porno-Sternchen Michaela Schaffrath, die aus dem Taunus stammt und im Film als Haushälterin im hochgeschlossenen Kostüm ein Mordopfer findet. Anders als die Regisseure, die sich vor ihm an Nele Neuhaus’ Taunuskrimis versuchten, hat Marcus O. Rosenmüller sich vor den Dreharbeiten nicht nur mit der Autorin getroffen, sondern auch Originalschauplätze besucht. Und er hat die beiden Romane gelesen, die er jetzt verfilmt. "Das ist für mich unabdingbar", sagt der 50-Jährige. Die komplex erzählten Neuhaus-Krimis, die an Agatha-Christie-Romane erinnerten, filmisch umzusetzen, sei eine Herausforderung. "Mir ist vor allem wichtig, dass die Figuren ein klares Profil erhalten und die Emotionalität bewahrt bleibt, die sie im Buch auszeichnet."

Kommissarin Felicitas Woll

Damit hat der Regisseur vor allem den Nerv von Felicitas Woll getroffen. Die 33-Jährige spielt von Anfang an die Rolle der Kriminalkommissarin Pia Kirchhoff. Bei den Dreharbeiten zu "Mordsfreunde" und "Tiefe Wunden" sei sie so richtig in Fahrt gekommen, sagt sie. "Da wird die persönliche Ebene viel stärker angesprochen als in den beiden ersten Filmen." Viel Privates gibt auch Oliver von Bodenstein in den beiden Taunuskrimis preis. Die Rolle wird wieder von Tim Bergmann gespielt. Zusammen mit Regisseur Rosenmüller gelinge es wunderbar, dem Charakter des Kriminalhauptkommissars Tiefe zu geben, findet er. "Speziell dann, wenn ihm die Arbeit mal nicht so leicht von der Hand geht, weil er persönlich in einen Fall verstrickt ist."

Zwischen Regieassistenten, Kameraleuten, Tontechnikern und Maskenbildnern war für einen Tag auch Anett Rönnig am Set im Königsteiner Kurpark zu Gast. Die Gießenerin hatte auf Facebook ein Preisausschreiben gewonnen, durfte hinter die Kulissen der Dreharbeiten blicken und bekam dazu noch eine Statistenrolle. Mit perfekt sitzender Polizeiuniform kam sie am frühen Nachmittag aus der Garderobe und durfte wenig später durchs Bild huschen. Komparsen für die Taunuskrimis zu finden war allerdings ohnehin kein Problem, berichtet die Produktionsfirma. Ein Aufruf reichte und Hunderte meldeten sich, die mitmachen wollten. Selbst die Suche nach einem Säugling, der Oliver von Bodensteins neugeborene Tochter Sophia darstellen sollte, war erfolgreich. Ein Zwillingspärchen aus Usingen bekam die Rolle.

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