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Tatort Und Gott ist an der Bar

Künstler sind immer überkandidelt, manchmal auch mörderisch: Ein Münster-Tatort über die Kunstszene.

Tatort: Gott ist auch nur ein Mensch
Es sieht nur aus wie Kunst: G.O.D. und die Seniorchefin der Skulptur-Tage. Foto: WDR/Wolfgang Ennenbach

Nur alle zehn Jahre finden seit 1977 in Münster die Skulptur Projekte statt, 2017 also erst zum fünften Mal. Kein Wunder, dass der in dieser Stadt spielende Comedy-Tatort dieses Kunstereignis nicht unkommentiert und unverspottet vorbeigehen lassen wollte (er nennt es „Skulptur-Tage“).

Und so wird diesmal nach einem Buch von Christoph Silber und Thorsten Wettke von den Ermittlern flugs ein „kunstaffiner Serienkiller“ ausgemacht. Darf diesmal Pathologe Boerne Meisterschüler von Gott persönlich werden. (Das wird er noch bereuen.)

Und darf diesmal Kommissar Thiel in einen streng geheimen Künstler-Koffer gucken – und sich in der Regie Lars Jessens kaputtlachen über das, was er darin sieht – was der Zuschauer aber leider nicht zu sehen bekommt. Man hätte doch gerne mitgelacht, wenn man schon beim Thema spinnerte Künstler ist. 

Ein Mordopfer wird künstlerisch zurechtgemacht (bzw. so, wie sich Klein-Mäxchen und Klein-Melusine ein künstlerisches Zurechtmachen vorstellen), so dass alle Nicht-Künstler schon mal gar nicht auf die Verdächtigenliste kommen.

Auf dieser stehen ganz oben (und wer wird so kleinlich sein, nach einem Motiv zu fragen): 
Jan Christowski (Christian Jankowski), der Mann mit dem geheimnisvollen Koffer, in dem die „Geister der Schöpfung“ stecken. Swantje Hölzel (Raphaela Möst), die gleich arg in Bedrängnis gerät, weil der Mörder zuerst ein silbernes Schmuck-„S“, dann ein -„W“ bei der nächsten Leiche unterbringt.

Sie hat aber für die fragliche Zeit ein eindeutiges Alibi, besteht doch ihre Kunst darin, live aus ihrem Körperinneren zu senden. Nadeshda, die wie immer nüchtern zuarbeitende Friederike Kempter, soll das gefälligst nachprüfen. Nadeshda weist sehr vernünftig darauf hin, dass wohl kein Mörder, nicht einmal ein künstlerischer Mörder, so blöd wäre, mit den Buchstaben seines Vornamens auf sich aufmerksam zu machen. 

Und da ist dann noch G.O.D. alias Gott alias Aktionskünstler Zoltan Rajinovic (Aleksandar Jovanovic): Der Mann, dessen Name für allerlei Witz-Variationen herhalten muss („Gott ist an der Bar“, „Gott ist unschuldig“, „Gehen Sie mit Gott“, „Gott ist auch nur ein Mensch“). Der der Mega-Star der „Skulptur-Tage“ ist. Der im Begriff ist, eigens ein Kunstwerk dafür zu schaffen (oder klemmt es etwa mit der Inspiration?) und der einen Meisterschüler auswählen wird. 

Boerne weiß gleich, dass dafür ja wohl nur Karl-Friedrich Boerne in Frage kommt. Jan Josef Liefers schwätzt Axel Prahl in dieser Sache noch ein Ohr ab, da klingelt das Telefon und wartet das erste statueske, präparierte Opfer. Der Mann hat Pfadfinder missbraucht, wurde aber freigesprochen. Wohl nun ein Fall fröhlicher Selbstjustiz. 

Wie immer gehen einige Scherze zu Lasten des Professors. (Ausgerechnet in einem Weinkeller gerät er in eine missliche Lage.) Den großen Rest bekommt die Kunstszene ab. Manchmal ansprechend böse, manchmal unter jeder Originalitätslatte durchschlüpfend. 

Schließlich möchte auch Vadder Thiel auf keine Fall auf seine 15 Minuten Ruhm verzichten und macht darum in Begleitung einer jungen Frau „was Radikales“: Aber nicht das, was Sie vielleicht denken. 

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