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Tatort „Sturm“ Alles super hier, Bombenstimmung

Trotz des Anschlags auf den BVB soll der Islamisten-Tatort „Sturm“ am Ostermontag gezeigt werden. Bis zuletzt bleiben die jungen Täter bloße Schemen am Rand dieses angeblich doch das Thema Islamismus behandelnden Krimis.

Tatort: Sturm
Kommissar Faber will die Lage entschärfen, Kommissarin Bönisch will von draußen sichern Foto: Frank Dicks/WDR

Als Sendetermin für den Dortmunder Tatort „Sturm“ war der 1. Januar vorgesehen gewesen; wegen des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt wurde die Ausstrahlung verschoben. Zum zunächst angekündigten Tausch mit Saarbrücken („Väter und Söhne“) kam es nicht, so war auch der 29. Januar als Sendetermin aus dem Rennen. Nun, am Tag nach dem Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund, meldete sich WDR-Fernsehspielchef Gebhard Henke mit dem Satz: „Der „Tatort“ kann aufgrund seiner zeitaktuellen inhaltlichen Ausrichtung der Realität nicht ständig ausweichen.“ Man würde allerdings wetten: Wäre ein BVB-Spieler bei dem Anschlag schwer verletzt worden oder gar ums Leben gekommen, wäre man mit der Islamisten-Geschichte „Sturm“ ein weiteres Mal der Realität ausgewichen. Und das wäre auch richtig gewesen.

Es wäre nicht zuletzt deswegen richtig gewesen, weil dieser Tatort – anders als der grandiose Münchner Polizeiruf „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ von 2011 – mit einer überkonstruierten Geschichte „zeitaktuell“ sein will, mit einer Mischung aus Psychothriller und Gotteskrieger-Whodunnit. Seine Autoren Sönke Lars Neuwöhner und Martin Eigler interessieren sich nicht für die Figuren und ihre Motive, auch dem Regisseur Richard Huber liegt Plausibilität nicht eben am Herzen. Dieser „Sturm“ tobt an der Oberfläche.

Und das, obwohl doch hier nur Minuten nach einem blutigen Beginn – zwei Streifenpolizisten werden unvermittelt erschossen – zwei Menschen auf Leben und Tod miteinander zu tun haben: der Polizist Faber und der Bankangestellte Muhammad Hövermann. Jörg Hartmann aber muss als Peter Faber einmal mehr ausführlich zeigen, was für ein cooler Hund und toller Schauspieler er ist – indem er dem Mann mit der Sprengstoffweste partout nicht von der Seite weicht (seiner ist hier aber nur der spektakulärste Ermittler-Alleingang, ein anderer wird fataler sein).

Felix Vörtler gibt seinen Gegenspieler, den aggressiv-panischen Konvertiten mit grauem Bart, der sich (und Peter Faber) in die Luft zu sprengen droht, wenn man ihn nicht weitermachen lässt mit seinen Überweisungen. Aber warum so ein Aufwand mitten in der Nacht, wo er doch bei der Bank seit Jahren angestellt ist? Er wäre nicht der erste, der während der Arbeitszeit unbemerkt Geld verschiebt.

Faber also weigert sich, Logik hin oder her, von Hövermanns Seite zu weichen. Und meldet nach draußen: „Alles super hier, Bombenstimmung“ (wir erinnern uns: cooler Hund, der Faber). Derweil springen die Kollegen im Dreieck und hält ihn das SEK mit einer gewissen Berechtigung für bescheuert. Derweil soll ein Hacker versuchen, das Geld zurückzubuchen. Derweil beeilt man sich, Hövermanns Familie geschlossen ranzukarren. Seine Frau Hanifah (Dorka Gryllus) ist hochschwanger, seltsamerweise ist das der Polizei völlig egal.

In all der Hektik kümmern sich die Ermittler auch erstmal kaum um die Frage, wer eigentlich die beiden Polizisten erschossen hat. Und warum. Dann kommt man aber doch zu dem Schluss, der deutlich über dem Islamisten-Altersschnitt liegende Muhammad Hövermann müsse Komplizen haben. Und kommen also junge Männer ins Spiel, die zum Beispiel Pascal Tauber heißen, aber nun Jihad genannt werden wollen. Fabers wie immer angenehm nüchterne Kollegin Bönisch, Anna Schudt, muss ein ernstes Wort mit den Verantwortlichen eines Moscheevereins reden.

Bis zuletzt aber bleiben die jungen Täter bloße Schemen am Rand dieses angeblich doch das Thema Islamismus behandelnden Tatorts. Tiefer als bis zu Sätzen wie „er hat den Hass gefunden“ stößt der Film nicht vor. Und vom Tatort-Durchschnitt weicht er erst in den letzten Minuten ab: Indem er eine traditionelle Alles-ist-nun-gut-Krimi-Auflösung verweigert. Das in der Tat erschreckende Ende ist der Grund, warum „Sturm“ verschoben wurde.

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