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"Tatort: Niedere Instinkte", ARD Der Nieser von Leipzig

Simone Thomalla und Martin Wuttke treten in ihrem letzten Leipziger Tatort als fideles Ermittler-Paar auf.

Sie sind geschiedene Leute, jedenfalls vom Leipzig-Tatort: Martin Wuttke und Simone Thomalla. Foto: MDR/Saxonia Media/Junghans

Von Martin Wuttke nicht durch die Blume, wohl aber durch den Kühlschrank angesprochen zu werden, ist eine etwas verstörende Leipzig-„Tatort“-Erfahrung. Als wäre es jetzt, da Wuttke und Simone Thomalla ihren letzten Auftritt als Hauptkommissare Andreas Keppler und Eva Saalfeld haben, völlig egal, ob sie aus der Rolle fallen.

Sascha Arango, Buch, Claudia Garde, Regie, lassen Martin Wuttke also erst mal den Ulrich Tukur machen und uns, seine Zuschauer, durch die geöffnete Kühlschranktür – als säßen wir in ebenjenem, neben der Wurst oder so – anquatschen mit „Was ist der Sinn des Lebens?“ und „Die Frage ist doch, soll das Ganze ein Scherz sein? Oder mehr ... eine Tragödie?“

Und, soll das Ganze ein Scherz sein? Ein Späßchen zum Abschied nach sieben Jahren braver Ermittlertätigkeit? Dann irgendwie doch nicht: Ein achtjähriges Mädchen verschwindet, der Vater droht vom Dach zu springen, Keppler verspricht ihm, das Kind zurückzubringen – für den gläubigen Vater ist er quasi eine Engelserscheinung in luftiger Höhe. Ausgerechnet er, der doch einige „niedere Instinkte“ (so der Titel) beisteuert in diesem letzten Keppler/Saalfeld-„Tatort“.

Also eine Tragödie? Das Ehepaar, dem die Tochter genommen wurde, besteht darauf, in seiner Betgemeinschaft geborgen zu sein – der gehörlose Vater steigt trotzdem aufs Dach und droht zu springen. Das Ehepaar, das die Tochter genommen hat, sehnt sich nach einem Kind. Man verrät mit diesem Satz nicht viel, denn schon bald sieht man sie, wie sie Masken aufsetzen und zu dem Kind in den Keller steigen. „Ich bin die Mami“, sagt die Frau. Das Kind will naturgemäß nach Hause. Aber warum hat das ausreichend junge, ausreichend gutsituierte Paar – er ist Lehrer – eigentlich nicht versucht zu adoptieren?

Zwischen gebührendem Ernst und Ist-jetzt-auch-schon-egal-Albernheiten schwankt dieser „Tatort“ auf etwas irritierende Weise. Die Suche nach dem Kind ist unterlegt von leichter Ermittler-Hysterie und manchem nicht ganz passenden Kalauer. Der Täter zum Beispiel hinterließ Nasensekret und wird zum „Nieser von Leipzig“.

Showdown zwischen den Hauptkommissaren

Saftig („Niedere Instinkte“!) wird außerdem ein Showdown zwischen den geschiedenen Hauptkommissaren inszeniert, von der Eifersucht Saalfelds bis hin zu einem lautstarken Streit in der Polizeikantine. Vor allem Keppler verliert da die Nerven, auch das will man ihm so gar nicht zutrauen: 20 Fälle lang der coolste Hund, jetzt plötzlich massiv rüpelnd – und gleich wieder den Zuschauer ansprechend mit einem zerknirschten „Ich bin so krank“.

Die Eingangsfrage „Was ist der Sinn des Lebens?“ dürfen sich (und uns) die Kommissare zuletzt auf erfrischend herkömmliche Art beantworten. Während der MDR zwecks Nachfolge noch mit einem Ideenwettbewerb beschäftigt zu sein scheint, in dessen Rahmen der Sender „gezielt regionale und überregionale Produzenten um ihre kreativen Vorschläge“ gebeten hatte.

Dabei könnte durchaus in der Ecke des reifen Grantlers, in der nun von Keppler und auch schon von Steier (Joachim Król) in Frankfurt geräumten Ecke, noch ein fesches Plätzchen frei sein, direkt neben Axel Milbergs Borowski. Dann aber gern mit einer Kollegin, die mehr Kante zeigt als nur die westernmäßig zusammengekniffenen Augen Simone Thomallas.

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