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Tatort: "Fünf Minuten Himmel“ Freiburg von unten

Das Tatort-Oster-Spezial mit Heike Makatsch braucht selbstverständlich eine Fortsetzung.

Hauptkommissarin Ellen Berlinger (Heike Makatsch) bei ihrem ersten Einsatz in Freiburg. Foto: SWR/Ziegler Film

Der erste Tatort mit Heike Makatsch als Ermittlerin ist als Osterspezialausgabe angekündigt. Aber das kann nicht sein. Die Hintertüren stehen weit offen und dort, im Hintergrund, muss zumindest noch das Material für eine zweite Folge liegen, in der man erfährt, weshalb Makatsch ihre Tochter vor fünfzehn Jahren einfach bei der Großmutter gelassen und Freiburg den Rücken gekehrt hat. Natürlich nicht Makatsch, aber es ist noch nicht klar, ob es sich lohnt, sich an den neuen Namen, Ellen Berlinger, zu gewöhnen.

Die Chancen für Freiburg als Schauplatz für einen zweiten Makatsch-Tatort sind zwar mit dem Engagieren von Hans-Jochen Wagner, Eva Löbau und Harald Schmidt als Freiburger Bodensee-Tatort-Nachfolger auf ein Minimum geschrumpft. Aber die Schauspielerin lässt dieser Tage keine Gelegenheit aus, darauf hinzuweisen, dass sie gespannt sei, wie es weitergeht. Vermutlich müsste eine Fortsetzung woanders spielen, heißt es beim SWR. Vermutlich käme eine Fortsetzung erst 2017.

Jetzt jedoch erst einmal „Fünf Minuten Himmel“, geschrieben von Thomas Wendrich, inszeniert von Katrin Gebbe. Freiburg ist hier weder idyllisch noch studentisch noch fußballinteressiert. Ein Angestellter im Jobcenter sitzt tot an seinem Schreibtisch. Dass er zuvor die Miete einer Witwe und ihrer Tochter (Julika Jenkins und Rosmarie Röse) nicht überwiesen hat – was zu seinen Aufgaben gehört hätte –, bringt Frau und Mädchen die Räumungsklage und die Polizei auf die Spur. Das fast schon entmietete Haus steht vor einer Luxussanierung, der Vermieter erfüllt alle Kriterien des schmierigen Erzfeindes – er hat sogar einen Blumenstrauß parat, wenn es nicht mehr anders zu regeln ist –, insofern klärt sich rasch einiges, anderes nicht.

Heike Makatsch, heimgekehrt aus London, führt noch mit englischem Kennzeichen und Rechtssteuerung, ist fortgeschritten schwanger und möglicherweise problembeladen, mischt sich aber unverzüglich in die Handlung. Als Ermittlerin ist sie stocknüchtern, als Schwangere verschwiegen und unsentimental – eine kleine Verfolgungsjagd ist noch möglich, zumal der Verfolgte so fertig ist, dass er nur noch ein bisschen beiseite hoppeln kann. Als Mutter und Tochter ist sie völlig undurchsichtig und darstellerisch vielleicht nicht völlig auf der Höhe der doch anscheinend recht dramatischen Situation. Sie besucht das alte Zuhause, wo Großmutter und Enkelin sich gut verstehen, es aber nicht leicht haben. Dann traut sie sich doch nicht rein. Dann traut sie sich rein und wird von der Großmutter zusammengefaltet. Ja, was ist denn hier los?

Besser als die neue Ermittlerin lernt man bald vier Mädchen kennen, die sich im nicht so tollen Freiburg durchschlagen, von der Situation ihrer unglücklichen und der Lage nicht immer, teils gar nicht gewachsenen Väter, Mütter gebeutelt. Die Halbwaise ist dabei, außerdem die Tochter der Ermittlerin – allzu klassisch eigentlich, aber hier hübsch unaufdringlich –, außerdem eine Aufmüpfige, die vor Wut kocht, und ein Wohlstandsopfer, das sich und andere mit sogenannten Erstickungsspielen unterhält. Sie sind gut getroffen, auch die Dynamik unter ihnen, die Unterschiedlichkeit zwischen ihnen und in ihnen selbst, abgebrühte Kinder, verzagende Frühreife. Man erkennt das womöglich besser wieder, als einem lieb ist.

Das Finale: Zu viel Schrecken für so wenig Mensch. Trotzdem; Kein übler Anfang. Und einiger Erklärungsbedarf.

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