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Tatort „Der scheidende Schupo“ Niemals möcht’ er sie erbosen

In Weimar blödeln sich Nora Tschirner und Christian Ulmen im aktuellen Tatort durch einen Porzellan-Fall.

Schupo Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey)und seine Schneerosen. Foto: MDR/Anke Neugebauer

Die Geschichte eines reinen Toren oder auch törichten Schwärmers erzählt der jüngste der gern und manchmal auch angestrengt witzelnden Weimar-Tatorte mit Nora Tschirner und Christian Ulmen als Kommissars-Paar Dorn und Lessing. Mit einem „scheidenden Schupo“ bekommen sie es diesmal zu tun. In welchem Sinn er scheidet, wird man gleich sehen.

Denn Schupo Ludwig Maria Pohl, von allen Lupo genannt, schneidet ein Sträußchen Schneerosen („Morgen meine Lieben“, sagt er fröhlich zu ihnen, „hübsch seid ihr geworden“), fährt damit zu einer Frau, deren Gesicht schon aufleuchtet, trennt sich von ihr und fragt: „Dann bist du mir nicht böse, dass mein Herz Kira gehört?“ Kira ist Kriminalkommissarin Dorn.

Die Verschmähte ist dann so was von nicht böse, dass sie mit der Kettensäge auf die geliebten Schneerosen losgeht. Im Beet explodiert eine Bombe. Lupo trauert nicht lange um Blumen und Ex und macht das Beste daraus: „Ich wollte schon immer einen Seerosenteich.“ Als nächstes stellt man aber fest: Der Schupo wird bald selbst scheiden, in etwa 72 Stunden, denn er ist mit Rizin vergiftet.

Zum vierten Mal ermitteln Dorn und Lessing in Weimar, sie sind die Nonchalanten, Unerschütterlichen unter den Tatort-Kommissaren. Beziehungsweise sehen die Drehbücher des MDR (diesmal von Murmel Clausen und Andreas Pflüger) und die Regie (diesmal von Sebastian Marka) eine gewisse Abwaschbarkeit der Seelen vor: Alles nicht so schlimm, wenn mal einer ins Gras beißt. Oder zwei. Oder drei. Weitgehend gefasst nimmt sogar der scheidende Schupo sein bevorstehendes Aus-dem-Leben-Scheiden hin. Allerdings würde er doch noch gern seinen Mörder oder seine Mörderin erwischt sehen. Und er möchte bitte nicht mehr niedlich Lupo genannt, sondern endlich von allen ernst genommen werden.

Immer nur Kakao, literweise

Vor allem, da er jetzt auch Burgbesitzer ist oder so: Als, wie sich kürzlich herausstellte, unehelicher Sohn und Erbe des Besitzers einer Thüringer Porzellanmanufaktur. Damit hat er auch zwei höllische Halbschwestern bekommen, die sich und ihn hassen. Genug, um eine Bombe in seinem Schneerosenbeet zu vergraben? Genug, um seinen Kakaotrunk zu vergiften? Schupo Lupo trinkt nämlich immer nur Kakao, literweise.

Man klamaukt und klugscheißt sich also durch Blumenbeete und Porzellanfabriken. Der verstorbene Chef hat zufällig unkaputtbares Porzellan erfunden, Porzenit genannt. Es wird selbstverständlich auch noch als Tatwaffe zum Einsatz kommen. Die Kommissare fahren mit einer Tonne voll Kinderexkremente im Kofferraum durch die Gegend, denn sie sind dran, den „Exkrema“ des Kindergartens leeren zu lassen (man ahnt, dass das Ding im Laufe der Handlung nicht geschlossen bleiben wird). Der Schupo dichtet zum Beispiel: „Niemals möcht’ ich Dich erbosen / Kira, schönste aller Rosen“. Die Polizei macht aus erzieherischen Gründen eine Vase für 45 000 Euro kaputt. Die Ermittler tadeln mit „Uiuiuiui“ und beschließen salopp: „Mit Gift morden Weiber.“

Die Weimar-Tatorte sind, wie die Münsteraner auch, immerhin eine Abwechslung in der zuletzt doch eher sehr ernsten und blutigen Sonntagskrimi-Reihe. Terrorismus, Flüchtlinge, Fremdenfeindlichkeit ... warum nicht mal wieder ein mörderischer Familienzwist in höheren Kreisen? Motto: „Deine Ironie kannst du dir in deine Extensions schmieren!“ Warum nicht mal wieder Scherben wie beim Polterabend? So verabschiedet man sich auch froh von jedem Bemühen um Plausibilität und denkt sich für diesmal die tollsten Zufälle aus.

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