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„Tatort: Borowski und die Kinder von Gaarden“, ARD Großartiger Axel Milberg

Der Tatort „Borowski und die Kinder von Gaarden“ erzält von einem Kieler Problemstadtteil. Der coolste aller Tatort-Kommissare, gespielt von Axel Milberg, ermittelt im "schwierigsten Polizeirevier Schleswig-Holsteins".

29.03.2015 13:12
Sibel Kekilli als Sarah Brandt und Axel Milberg als Borowski bei der Arbeit. Foto: ARD

Der Kieler Stadtteil Gaarden, ein ehemaliges Werftarbeiter-Viertel, wird heute in den Medien auch mal mit dem Begriff „Ghetto“ oder gar „No-go-Area“ beschrieben. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, der Anteil von Migranten ebenso. Ein Sprecher der Gewerkschaft der Polizei wird zitiert, wonach viele Beamte sich versetzen lassen wollen von dort, da es das „schwierigste“ Polizeirevier Schleswig-Holsteins sei.

„Borowski und die Kinder von Gaarden“ bringt nun das echte Problemviertel mit dem coolsten aller Tatort-Ermittler zusammen, der sich in diesem Fall weder von Kindern mit Kopfläusen noch von Mädchen mit dem Namen Sheryl aus der Ruhe bringen lässt.

Großartig, wie Axel Milberg die Formulierung „ein interessanter Name“ gerade so angespitzt ausspricht, dass man ahnt, was er von Eltern hält, die in Norddeutschland ihren Töchtern den US-TV-Serien-Namen Sheryl geben. Noch großartiger, wie er sich von Sibel Kekilli als Sarah Brandt auf einem hoch umzäunten Bolzplatz einschließen lässt, sich gemütlich in den Staub setzt und wartet, um widerspenstige Jungs zu einer Aussage zu bewegen. Man könnte es auch Freiheitsberaubung nennen. Andererseits: die Jungs haben Borowski „alter Mann“ gerufen – nicht angenehm für einen Best-Ager.

Ein Gaarden-Bewohner wurde erschlagen, und dass er als langjähriger Alkoholiker dem Tod schon näher war als dem Leben, ändert nichts daran, dass es Mord war. Freilich war er auch als Pädophiler vorbestraft. Freilich haben ihn die mit allen Wassern der Vernachlässigung gewaschenen Kinder von Gaarden längst vor allem ausgelacht. Und sich an seinem Alkoholvorrat und seinen unglaublich komischen Platten bedient.

Ganz ohne Sozialromantik

Borowski und Brandt, obwohl doch nun schon länger in Kiel tätig, scheinen mit den Kollegen vor Ort noch nicht viel zu tun gehabt zu haben. Oder wie könnte Sarah Brandt sonst so erstaunt sein, den einst schwer angeschwärmten Nachbarsjungen Rauschi, Freund von Knacki, dort als Revierleiter zu treffen? (Ja, Kinder benutzen nun mal beknackte Spitznamen.)

Rauschi ist mittlerweile scheinbar so desillusioniert wie abgebrüht auf Sheriff machend; bald stellt sich raus, dass auch er bereits diverse Versetzungsanträge gestellt hat. Von Borowskis Chefattitüde ist er verständlicherweise angepisst. Sarah Brandt nennt er halb spöttisch, halb liebevoll „kleine Nachbarin“. Davon ist sie verständlicherweise angepisst. Und verschafft sich illegal Zugang zu seiner Personalakte.

Während vergangene Woche der neue Berlin-Tatort in jeder Hinsicht am großen Rad drehte, bleibt es in Kiel bei den kühl-präzisen Zahnrädchen. Diesmal nach einem Drehbuch von Eva und Volker A. Zahn, in der Regie Florian Gärtners. Dass in Gaarden ruinierte Familien leben, ist ohne viel Aufhebens Thema. Und auch, dass die Kinder in diesen ruinierten Familien nur versuchen, sich mit Ruppigkeit und Zynismus irgendwie durchzuwurschteln. „Ein Richtig gibt’s hier nicht“, sagt Timo, ein 15-Jähriger, der angeblich von dem Ermordeten missbraucht wurde, vor allem aber wohl von seinen Altersgenossen, die diese Behauptung und ein verwackeltes Video fröhlich ins Netz stellten.

Timo steckt seine beruflichen Ziele nicht hoch, er wäre schon froh, wenn er Schiffsmechaniker werden könnte, „das hieß früher mal Matrose“ erklärt er Borowski. Aber auf die meisten seiner Bewerbungen bekam er nicht einmal eine Antwort. „Borowski und die Kinder von Gaarden“ vermeidet jede Sozialromantik, zeigt aber, wie die Dinge sind.

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