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Tatort „Borowski“ Mit einem Dank an Sabine

In dem zumindest originellen Kiel-Tatort „Borowski und das dunkle Netz“ schwappt der Horror aus dem Netz in die Stadt.

Tatort
Na klar wird gleich sie runtersteigen und nicht er: Borowski und Sarah Brandt. Foto: (NDR Presse und Information)

Zum vorletzten Mal spielt Sibel Kekilli im Kieler „Tatort“ die Kommissarin Sarah Brandt – und eine nochmal in jeder Hinsicht strapazierte, selbst in Gefahr schwebende Ermittlerin. Denn „Borowski und das dunkle Netz“ handelt zwar einerseits von Cybercrime, aber was hier im Darknet angestoßen wird, hat jenseits des Virtuellen reichlich blutige und tödliche Auswirkungen.

Borowski, Axel Milberg, lässt das alles, wie stets, ziemlich kühl. Aber er klettert ja auch nicht kopfunter in den Schacht rein, in dem unten eine Leiche liegt. Brandt findet, er könne wenigstens mal danke sagen. Er denkt, wie wir wissen, eher nicht dran.

David Wnendt, Buch und Regie, und Thomas Wendrich, Buch, versuchen sich mit „Borowski und das dunkle Netz“ auf den Spuren der Coen-Brüder an einer etwas haarsträubenden Grusel-Thriller-Variante.

Das hätte an der einen oder anderen Stelle ruhig dezenter ausfallen können. Gleichzeitig lässt man keinen schwarzen Witz am Wegesrand liegen – und es sind recht gute, auch optische Scherze. Sargträger verheddern sich im Polizeiband. Ein Comicfilmchen-im-Film wirbt für die neue Schleswig-Holstein-Polizeisoftware „Schakal“ mit „Wie das Land, so die Software.“

Die Angestellte des Hotels „Oase“ heißt Rosi (Svenja Hermuth) und sagt: „Wenn Sie was brauchen, ich bin die Null.“ Dem Killer drängt sie das neue WLAN-Passwort des Hotels auf. Und zuckt angesichts von Wolfsmaske und Blut nicht mit der Wimper, ist vielmehr eher, nun ja, angeregt.

Damit verrät man nichts Entscheidendes, denn: Mit dem eine langschnauzige schwarze Wolfsmaske und Kapuze tragenden Killer (angemessen gespenstisch: Maximilian Brauer) beginnt der Film. Jemand, der außerhalb des Karnevals so rumläuft, müsste eigentlich nicht nur dem Fernsehzuschauer sofort auffallen. Das wird aber nicht weiter thematisiert, wie überhaupt die beträchtlichen Grusel-Show-Werte über die Logik gestellt werden.

Vergiftete Pralinen und ein Finger im Klo

Maden winden sich auf Klebstreifen. Ein Finger wird im Klo entsorgt. Ein großes Tellereisen spielt eine Rolle. Vergiftete Pralinen spielen eine Rolle (da ist man ein wenig altmodisch). Außerdem wird gern schnell geschnitten. Noch lieber ist es, da ist dieser Tatort aber nicht allein, zappenduster.

Die Kommissarin traut sich natürlich in die Finsternis. Sibel Kekilli ist dabei so cool, lässt andererseits eine gewisse Nervosität spüren. Sie lässt überhaupt Emotionen oft nur durchschimmern, aber durchschimmern tun sie; man vermisst sie schon jetzt als feine Milbergsche Ergänzung.

Schwierig, den ernsthaften Gehalt dieses Tatorts zu beurteilen, aber er hat schon auch einen: Zwei junge LKA-Cybercrime-Ermittlernerds (fabelhaft bubimäßig: Yung Ngo, Mirco Kreibich) sitzen allein – ihr Chef ist das erste Mordopfer – in einer großen, weitgehend leeren Halle und stemmen sich gegen eine Welle, gegen die vermutlich nur in Kiel und Schleswig-Holstein hundertmal so viele Computer-Spezialisten nötig wären. Borowski indessen ist zwar Polizist ganz alter Schule (na ja, bis aufs Danke sagen), versucht aber, nachdem ihm Sarah Brandt beim Einrichten geholfen hat, sein Smartphone für sinnvolle Ansagen zu nutzen.

Er nennt die Smartphone-Stimme „Sabine“, wie in: „Sabine, spiel aufheiternde Musik“ (und, oho, er bedankt sich! Ausgerechnet bei einer virtuellen Frau). Sabine und Axel und ihre Beziehungsprobleme, das bringt ein wenig hübsch ironische Leichtigkeit ins „dunkle Netz“.
Es wird jedenfalls klar, dass der böse, verbrecherische Teil des Internets der Polizei jede Menge Arbeit macht. Dieser Kieler Tatort besinnt sich aber auch mal wieder auf das alteingesessene Thema: Das LKA mischt sich ein, ist möglicherweise sogar verdächtig, aber es hat nur blöde Witze drauf („Wo waren eigentlich Sie ....?“ – „In meiner Frau“). Sarah Brandt liebäugelt trotzdem kurz damit, zur Abteilung Cybercrime zu wechseln.

Vielleicht wird hier auch schon ihr Abgang vorbereitet. Das ist, wie gesagt, schade. Aber man kann immerhin hoffen, dass ihr noch ein besonders toller Kiel-Tatort gewidmet wird.

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