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Polizeiruf „In Flammen“ Alles bisschen kompliziert gerade

Zum Saisonende schaut der Polizeiruf aus Rostock noch einmal in die rechte Szene.

Polizeiruf 110: In Flammen
Hübner mit Lisa Hagmeister in rustikalem Strick. Foto: Christine Schroeder/NDR

An die beträchtliche Zahl der Tatort-Folgen, die sich in der vergangenen Saison mit rechten Gruppierungen, obskuren Gemeinschaften und AfD-artigen Parteien beschäftigten, schließt sich am Ende nun noch der neue Rostocker „Polizeiruf“ an. Dadurch hat er es nicht leicht.

Da ist sie wieder, die straffe jüngere Politikerin, die diesmal als OB-Kandidatin für eine Partei kandidiert, die diesmal PFS („Partei für Freiheit und Sicherheit“) heißt. Da sind sie wieder, die Hofbewohner im Selbstgestrickten, die diesmal mit ihren Kindern Brot backen. Bukow findet es gut, wenn Kinder lernen, Brot zu backen, und König ist genervt, und keiner schaut wirklich genau hin. Und da ist sie wieder, die randständige Szene, die auf dem von der Politik im Stich gelassenen, verödeten Land ins Zentrum des Geschehens rückt in diversen Facetten: verblödete Schläger, korrupte Parteiführer, fehlgeleitete Idealisten und Ex-Idealisten.

Dazu eine reizbare Polizei, die manchmal ein bisschen so wirkt, als sei sie erstmals mit alledem konfrontiert. „In Flammen“, schon 2017 produziert, wirkt jetzt also ganz zu Unrecht wie ein weiterer Aufguss von „Dunkle Zeit“ (ebenfalls vom NDR, die Partei hieß damals „Die Neuen Patrioten“), von „Demokratie stirbt in Finsternis“, „Sonnenwende“ oder, am vergangenen Wochenende, „Freies Land“. Tatsächlich aber mangelt es der Folge, geschrieben von Florian Oeller, inszeniert von Lars-Gunnar Lotz, vermutlich erst im direkten Vergleich an der Intensität der zuletzt gezeigten Krimis, was sich etwa an der nun etwas flüchtig dargestellten Szene der rechten Bauern zeigt. 

„In Flammen“ ist nicht bildlich gemeint. Auf diese Weise wird bereits eingangs die PFS-Politikerin ermordet, die einst der gewalttätigen rechten Szene angehörte und sich nun adrett und smart – Hetze aus kühlem Munde, das beeindruckt die Leute offenbar – durch den Wahlkampf lächelt. Bukow und König, Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau, stochern im Dunkeln, die Zuschauer auch, die durch das übliche Sonntagabendkrimi-Ausschlussverfahren natürlich bestimmte Linien nicht weiter verfolgen müssen. So ist der persönliche Referent der Politikerin ein ebenfalls adretter und smarter Syrer (Atheer Adel). 

Der Schlagabtausch zwischen ihm und König gehört zu den starken Szenen, König hat Argumente, er auch, und seine Argumente sind nicht besser, aber nicht ohne. Sie ist unbeirrbar, und da sie auch im Wortgefecht mit Bukow (die Brotback-Geschichte) so unbeirrbar ist, wird sie zum unangenehmen Spiegel für die Unbeirrbaren (uns, fürchte ich). 

„Alles bisschen kompliziert gerade“, sagt König einmal, aber in einem anderen Zusammenhang. Das Disziplinarverfahren wegen Königs Prügelszene schwelt weiter (ein Vorfall, der auf „Angst heiligt die Mittel“ zurückgeht, den Neujahrs-Polizeiruf 2017, das funktioniert auch nur, weil man heute alles nachschlagen kann). Dazu geraten sie und Bukow in einer etwas unerwarteten, aus anderen Krimiwelten stammenden Handlungsvolte unter persönlichen Druck, der dann aber auch folgenlos bleibt, was die Sache nicht besser macht. Der Bedarf an Wendungen übersteigt die innere Logik des Geschehens, die doch das Spannendste an einem guten Krimi ist. Vom Ende her betrachtet ist es allerdings eine Geschichte ohne Hoffnungsschimmer.

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