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Polizeiruf „Einer für alle“ Freilich sind sie nicht gut füreinander

Katrin König und Alexander Bukow treten im aktuellen „Polizeiruf“ in vertauschten Rollen auf. Ein Krimi über Fußball-Ultras, die anders sind, als man glaubt.

Katrin König trinkt durchaus kein Wasser. Bukow versucht, ein ernstes Wort zu reden. Foto: (NDR Presse und Information)

Während die Münchner „Tatort“-Kollegen, jedenfalls Ivo Batic, nach furchtbaren Verletzungen gerade eine Art zweiten Liebesfrühling erleben durften, entschieden sich die Macher des Rostocker „Polizeirufs“ dafür, mit einer seelisch versehrten Katrin König weiterzumachen: Anneke Kim Sarnau zeigt eine immens angespannte, von Panikattacke und Schwindel ergriffene, trotzdem auf der Wahrheit bestehende Ermittlerin.

Sie war vergewaltigt oder beinah vergewaltigt worden, sie hätte den Angreifer getötet, erschlagen, wenn Bukow nicht eingegriffen hätte – und sie weigert sich, die vom Kollegen zu Papier gebrachte Notwehr-Version zu akzeptieren.

„Mädel“, sagt der Chef, „du bist grad dabei, deinen Job zu verlieren.“ Ob er ihr Schreiben abschicken will, fragt sie kühl, oder ob sie es tun soll.

Diesmal also balanciert nicht Bukow, Charly Hübner, am Abgrund, diesmal ist es Katrin König, auch alkoholbedingt. Sie will mit Bukow tanzen, meine Güte. Und während er den flüchtenden Verdächtigen wegen mangelnder Fitness nicht erwischt, dreht sich in der Regie Matthias Tiefenbachers um sie die Rostocker Welt.

„Einer für alle, alle für Rostock“ spielt in der Ultra-und-Hooligan-Szene. Unter einer Brücke trifft man sich mit „Fans“ der gegnerischen Mannschaft zur fröhlichen Prügelei. Die Polizei kommt, man zerstreut sich, da wird einer der Rostocker Ultras von unbekanntem Arm vor einen Laster gestoßen. Autor Wolfgang Stauch lässt den Ermordeten Spaßschläger gesellschaftlich total integriert sein: Er arbeitet als Zahnarzt. Pöschel, Andreas Guenther, nutzt die Gelegenheit, sich von der Sprechstundenhilfe kostenlos die Zähne bleichen zu lassen.

Will die Ehefrau Rache?

Ein Rostocker Ultra – Lasse Myhr als testosteronpralles, tätowiertes Muskelpaket – kommt aus dem Gefängnis und ist bei seinen Kumpels nicht mehr gern gesehen. Zunächst auch nicht bei seiner ganz schön rabiaten ehemaligen Freundin. Dann doch wieder, obwohl sie findet: „Wir sind nicht gut füreinander.“ Er versucht aber durchaus, sich als prima Vater zu erweisen. Im Gefängnis war er, weil er einen Polizisten zusammengetreten haben soll, dieser ist ein Pflegefall. Könnte es sein, dass dessen Ehefrau Rache will? Denn auch der vor den Laster Gestoßene könnte involviert gewesen sein.

Es ist eine hierhin und dorthin wabernde Ermittlung. Manches erscheint dabei als Ablenkung, denn irgendwie kann man auch früh ahnen, wie der Hase laufen wird.

Interessanter als die nicht gerade einleuchtende Auflösung ist darum die recht originelle Figurenzeichnung, sind die ziemlich facettenreich dargestellten Ultras. Man rotzt und protzt, prügelt und zündet bengalisches Feuer. Doch geht man auch einem geregelten Leben nach und behält die Faust meistens in der Tasche. Die junge Frau, die als Friseuse arbeitet, verkleidet sich gleichsam, wenn sie auf die Ultra-Gass’ geht (möglicherweise ist sie aber auch als Friseuse verkleidet, wer weiß).

Und die Geschichte mit Katrin König, ihrem Trauma und ihrem seltsamen Verhältnis zum Kollegen wird weitergehen. „Wir sind nicht gut füreinander“, sagt sie und wiederholt den Satz der jungen Ultra-Frau. „Sie sind der Mensch, der mir am meisten bedeutet, am meisten“, sagt Bukow pathetisch. Drunter macht er’s nicht. Das kann noch spannend werden, auch wenn es dieser „Polizeiruf“ nun nicht direkt ist.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Polizeiruf

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