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„Mord auf Shetland“, ARD Wo das Polizeiband flattert

Am stürmischen Rand der westlichen Welt: Die britische Krimireihe „Mord auf Shetland“ läuft nun auch im Ersten.

DI Perez (Douglas Henshall) mit seiner Stieftochter Cassie (Erin Armstrong). Foto: ARD Degeto/ITV Studios

Längst gibt es keine neuen Geschichten mehr zu erzählen. Schon gar keine neuen Mordgeschichten angesichts von mehr Fernseh- und anderen Krimis, als Sandkörner an Shetlands kalten Stränden liegen. Auch dort, auf einem nördlichen Außenposten Europas, so nördlich, dass man an Grönlands Südspitze landet, wenn man von Shetland aus genau nach Westen rudert, geht es um alte Rechnungen und neue Leidenschaften, um Gier und Eifersucht. Dinge sollen nicht ans Licht kommen. Dinge sollen endlich gesühnt werden. Man kennt das.

Die BBC, die mit ihren meist sehr qualitätsbewussten Krimiserien bald jeden britischen Winkel abgegrast hat, landete 2013 schließlich auf den Shetland Inseln: Feucht und karg und windumtost, neblig, grau-braun-grün, trotzdem fotogen, denn voll düsterem Charme und spektakulärer Küste. 24.000 Einwohner insgesamt auf 16 größeren Inseln, von denen etwa ein Drittel in der Hauptstadt Lerwick lebt. Dort kennt vielleicht nicht jeder jeden, aber mindestens kennen die meisten die meisten.

In der ersten Folge von „Mord auf Shetland“ (das Original heißt nur „Shetland“) kann sich DI Jimmy Perez – der sandfarben, sympathisch verwitterte Douglas Henshall – denn auch nur schwer vorstellen, dass die Wilsons und die Haldanes so lange schon in unmittelbarer Nachbarschaft leben und auch verbandelt sind, und dass es nie Spannungen gegeben haben soll. Aber jemand hat die alte Mima Wilson erschossen. Und am Rand der westlichen Welt kommt eher niemand zufällig vorbei.

Langsames Ermitteln

Man erfährt gleich ein wenig über die Geschichte, über den sogenannten Shetland-Bus zum Beispiel, Boote, die Flüchtlinge aus Nazideutschland schmuggelten über die stürmische, gefährliche See. Überhaupt müssen alle hier viel mit Fähren unterwegs sein. Außerdem gibt es öfters keinen Handy-Empfang, was offenbar durchaus den Insel-Tatsachen entspricht.

Ein langsameres (mancher britische Kritiker fand: ein etwas ödes) Ermitteln kommt zum Zug, die Folgen, wie sie die BBC auf DVD verkauft und wie nun auch die ARD die erste zeigt, dauern jeweils knapp zwei Stunden.

Man glaubt, den Seewind riechen zu können, wenn DI Perez, DC Alison McIntosh (als taffe, trinkfeste Zahnspangenträgerin: Alison O’Donnell) und PC Sandy Wilson (rotwangig und beflissen: Steven Robertson, ein geborener Shetlander) im Matsch stehen und das Polizeiband um sie flattert. Sie müssen Geduld haben, forensische Ergebnisse kann nur das Festland zuliefern; aber das ist mal ein hübscher Kontrast zu CSI-Wundertaten.

Die Mordgeschichten auf den Shetlands mögen sein wie die Mordgeschichten in Frankfurt oder Berlin, aber alles andere ist eine erfrischende Abwechslung.

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