Lade Inhalte...

„Einstein“, Sat.1 Kommissar Jux

Sat.1 legt nach dem Vorbild des erfolgreichen Krimis „Einstein“ nun mit einer Serie nach.

Professor Felix „Einstein“ Winterberg (Tom Beck, r.) verdreht seinen Studenten genauso den Kopf wie der Bochumer Polizei. Foto: Sat.1

Der Mann ist ein Genie. Weshalb er auch – stante pene, sozusagen – aus der Gespielin und den warmen Pfühlen hüpft und an den Schreibtisch eilt, weil ihm soeben die perfekte Weltformel gekommen ist. Der Lohn für den Triebverzicht lässt nicht lange auf sich warten: „Stephen Hawking: Bochum rocks“ lautet bald der Titel einer wissenschaftlichen Zeitschrift. Professor Dr. Dr. Felix Winterberg, an der Uni Bochum Physik lehrend, ist ja auch der Urururenkel (unehelich) des großen Albert Einstein. Weshalb er ebenso genannt wird und der Titelheld einer neuen Sat.1-Serie ist.

Die so neu nicht ist, denn vor zwei Jahren gab es die Geschichte als Fernsehfilm des Privatsenders, und wegen des Erfolgs damals hat man nun eine Serie aus den Erlebnissen des gewitzten Forschers gebastelt. Wieder führt Thomas Jahn Regie und Kamera, wieder ist Tom Beck Einstein, der mit Strubbelhaar und steilen Thesen seinen Studentinnen wie der Bochumer Polizei den Kopf verdreht.

Der Wissenschaftler ist allerdings mit einer tödlich verlaufenden Erbkrankheit geschlagen, und weil er infolgedessen gerne mal zu Amphetaminen greift, hat ihn Kommissar Tremmel am Wickel und verdonnert ihn zur Mitarbeit in der Bochumer Mordkommission, etwa im Fall eines im Schwimmbad erschossenen Startup-Unternehmers. Die Konstellation genügt den Autoren als Gerüst für die Handlung und die Händel zwischen Einstein und Tremmels Kollegin Elena.
Denn allzu ernst wird hier ohnehin nichts genommen, auch wenn auf aktuelle Themen wie die soziale Not von Zuwanderern oder die technologische Entwicklung wie den Hack eines Autos angespielt wird.

Die Produzenten verlassen sich ganz auf den Charme des Hauptdarstellers. Tom Beck, dessen musikalische Karriere ihn bislang nicht gerade an die Spitze der Hitparaden geführt hat, darf seine Fähigkeiten zu Grimassen und dem unfallfreien Aufsagen von Nonsens-Formeln und flotten Sprüchen zeigen: „Als Wissenschaftler kann ich natürlich keine Rücksicht auf humanitäre Befindlichkeiten nehmen.“ Feierte Sat.1 ehedem große Erfolge mit einem tierischen „Kommissar Rex“, versucht man es nun mit einem Professor humoris causa als Kommissar Jux ...

Die Autoren Martin Ritzenhoff und Matthias Dinter haben dabei munter diverse Vorbilder zu einem leicht genießbaren Cocktail gemischt, mit Zutaten der US-Serie „Numb3rs“ und Zitaten diverser „Tatort“-Folgen (deren erster Kommissar hieß Trimmel, Ulrich Tukurs HR-Ermittler Felix Murot hat einen tödlichen Tumor) sowie einem guten Schuss Blödelei. So heißt eine Schule „Georg-Hassknecht-Gymnasium“.

Dazu inszeniert Regisseur Jahn die Episoden betont flott, Kabbeleien zwischen Einstein und Elena oder Tremmel werden etwa mit heftigen Kameraschwenks statt des üblichen Schuss-Gegenschuss bebildert. Schwarze Löcher im Drehbuch (wo ist die Schlange geblieben?) passen ja quasi zum physikalischen Universum. Und was die Aufklärung der Mordfälle angeht – nun ja, da hilft eben statt der Logik die Eingebung des Professors. Denn dass eine an einer Drohne befestigte Pistole beim Abfeuern per Rückschlag das Fluggerät aus der Bahn werfen müsste, kann so ein Drehbuchschreiber schon mal vernachlässigen. Wozu hat er schließlich einen Helden erfunden, der ein Genie ist.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen