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„Ein starkes Team: Nathalie“, ZDF Böse Mädchen kommen in den Himmel

In der Serienfolge „Ein starkes Team: Nathalie“ schaffen es die Darsteller erst gegen Ende, dem hölzernen Drehbuch etwas Spannung abzutrotzen, der zentrale Konflikt bleibt wenig überzeugend.

24.09.2016 09:47
Franziska Schuster
Ben (Kai Lentrodt, l.) täuscht eine zufällige Begegnung mit Nathalie (Peri Baumeister, r.) vor, um Kontakt mit ihr aufzunehmen. Foto: ZDF/Katrin Knoke

Es ist schon eine Leistung, einen abendfüllenden Krimi zu produzieren, der im heutigen Berlin spielt und es schafft, nicht ein einziges gesellschaftlich relevantes Themengebiet zu streifen. Nur eine kleine Bemerkung deutet auf so etwas wie eine reale Kontroverse hin – der ehrenamtliche Leiter einer Schießanlage (jetzt ermordet) habe selten über sein Hobby gesprochen, weil er sich nicht immer dafür rechtfertigen wolle. Ansonsten: Gangsterklischees. Eine junge Frau aus ehemals gutem Haus hat sich mit einem „Underdog“ eingelassen, weil seine raue Art ihr imponiert. Er hat Spielschulden und verspricht ihr, das Pokern sein zu lassen, wenn sie mit ihm das eine große Ding dreht, das sie beide reich machen wird.

Von diesem geplanten Verbrechen wird fast eine Stunde lang immer nur geheimnisvoll als „die Sache“ gesprochen, aber die Neugier darauf, was das Gangsterpärchen eigentlich vorhat, hält sich in Grenzen. Zu holzschnittartig erzählt der Film bis dahin, wie die Ermittler Otto Garber und Linett Wachow ihm knapp auf den Fersen sind. Auf der Suche nach dem Mörder des Schießanlagenleiters wird ein verdächtiges Fahrzeug natürlich innerhalb weniger Stunden ausfindig gemacht, obwohl sich niemand dessen Kennzeichen notiert hat, und natürlich führen die Fingerabdrücke darin die Kommissare gleich zum Datensatz des Underdogs (und Mörders) Niko Schrader.

Bis der Film die Geschichte da hat, wo er sie haben will, um den Showdown einzuleiten, muss sich das Ensemble gestandener Darsteller durch ein liebloses und mechanisches Dialogbuch rezitieren, das keinen Raum für spielerische Freiheit lässt und jeden Funken Spannung durch sofortige Klärung erstickt. Am schlimmsten trifft es Stefanie Stappenbeck, deren Zeilen besonders gestelzt formuliert sind. Ihre Figur denkt nicht, sie spuckt Sätze aus wie die künstliche Service-Intelligenz eines Smartphones.

Besser geht es den Männern in den Nebenrollen. Arnfried Lerche macht aus dem Teamchef Reddemann einen nervösen Bedenkenträger, den man stets am Rande eines hysterischen Anfalls vermutet, Alexander Finkenwirth gibt in einem stylischen Atelier überzeugend den Junkie, der sich selbst Normalität vorgaukelt, und Bernd Michael Lade grinst als gewaltbereiter Schuldeneintreiber furchterregend in die Kamera einer Türsprechanlage. Tragischerweise gelingen Komik und Tragik eher an solchen unbeachteten Stellen. Da, wo sie geplant sind, wie bei Jaecki Schwarz alias „Sputnik“, dem Kumpel des Kommissars, wird der Spaß gleich wieder so plakativ, dass selbst Schwarz ihn nicht mit Leben füllen kann.

Emotional völlig farblos

Dass der Krimi fast über seine ganze Laufzeit so belanglos dahinplätschert, liegt auch daran, dass die zentrale Liebesgeschichte, die sich zwischen dem Polizisten Ben und der Gangsterbraut Nathalie entspinnt, emotional völlig farblos bleibt. Den Interessenskonflikt, den Ben bei seiner Affäre mit einer Tatverdächtigen durchleben soll, müssen seine Kollegen bei einer Zigarette am Dienstwagen erst noch für die Zuschauer durchbuchstabieren, damit das Thema des Films klar wird.

Die beiden machen dann auch gleich klar, dass man über solche Geschichten hinwegkommt, sicher, hatten sie beide auch schon. Zur Versöhnung opfert sich das gefallene Mädchen am Schluss für den Polizisten, tut also Sühne für ihre Vergehen und endet im Sarg in der Kirche.

Im Finale schaffen es Autor Leo P. Ard und Regisseur Roland Suso Richter dann immerhin noch, etwas Tempo und Leben in ihren Film zu bringen, wenn sich der freundliche Nachbar als der Drahtzieher hinter dem geplanten Überfall entpuppt, und wenn Marc Hosemann als eifersüchtiger Niko Bens Identität herausbekommt und aus dem Krankenhaus ausbricht zu einem wilden Amoklauf, den Otto und Linett nicht mehr komplett verhindern können.

Doch die Richtigen überleben natürlich, und glücklicherweise hat die Geschichte so wenig Bezug zur realen Welt, dass man auch nach dem blutigen Ende noch ganz ruhig schlafen kann.

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