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„Ein starkes Team – Knastelse“, ZDF Knast, Kiez und die Neue im Club

Personalwechsel im „starken Team“: Für Verena Berthold kommt Linett Wachow, bringt eine muntere Note in die Dienststelle und erweicht sogar den grimmigen Otto Garber. Beide müssen ins Gefängnis – zu Ermittlungszwecken, versteht sich.

Wer hat Boris Kastel ermorder? Otto Garber (Florian Martens) ermittelt mit seiner neuen Kollegin Linett Wachow (Stefanie Stappenbeck). Foto: ZDF/Katrin Knoke

Es ist nicht ganz leicht zu entscheiden, ob sich der Eindruck einer geschickten Inszenierung oder subjektiver Wahrnehmung verdankt. Jedenfalls steht Otto Garber (Florian Martens) zu Beginn seltsam separiert im Büro. Da fehlt etwas. Besser gesagt: jemand. Der Anspielpartner. Die Partnerin. Seit 1994 ermittelte der breit berlinernde Kriminalhauptkommissar mit Ost-Sozialisation an der Seite seiner kultivierten Kollegin Verena Berthold (Maja Maranow). Ein Gegensatzpaar, das sich anfangs widerborstig, dann mit Respekt und im Laufe der Jahre mit wachsender Zuneigung begegnete, die sich freilich hinter Uz und bisweilen garstigen Lästereien verbarg.

Es gab Episoden, da rückten die beiden ganz eng zusammen. Räumlich gesehen, aber auch privat und beruflich. Als Otto der Körperverletzung im Dienst beschuldigt wurde. Als Verena ihm gestand, dass sie auf einen Selbstmordversuch zurückblickt. Als Verena wegen einer angeblichen Fahrerflucht festgenommen wurde. Ein andermal geriet sie in Verdacht, ihre Dienstwaffe missbräuchlich verwendet zu haben. Schauspielerisch eine nicht nur innerhalb der Serie herausragende Leistung von Maja Maranow.

Als Verena Berthold war Maja Maranow eine zentrale Figur der Serie „Ein starkes Team“. 2015 gab sie bekannt, ihre Rolle aufgeben zu wollen. Die im Januar ausgestrahlte Episode „Geplatzte Träume“ wurde ihre Abschiedsvorstellung. Fünf Tage vorher war sie einer schweren Krankheit erlegen.

Frohnatur mit Schattenseiten

„Knastelse“ ist die erste Folge ohne Maranow, ohne Verena Berthold. Vielleicht deshalb guckt Otto Garber noch grimmiger als ohnehin von ihm gewohnt. Und gar nicht erfreut ist er zunächst, dass ihm mit Linett – ohne e, weil „ost-französisch“ – Wachow (Stefanie Stappenbeck) eine neue Partnerin zugeteilt wird, weil, so die lapidare Erklärung im Kontext, die Kollegin Berthold nach Argentinien ausgewandert sei. Ein etwas schwächerer Punkt in dieser Folge – würde nach jahrzehntelanger Zusammenarbeit wirklich kein weiteres Wort über die ehemalige Kollegin verloren?

Umso mehr Raum erhält „die Neue“. Mit einem fröhlichen „Hallo“ platzt sie ins Büro, beweist anhaltend gute Laune, aber alsbald deuten sich auch dunkle Seiten an – in bestimmten Situationen verliert sie ganz schnell die Fassung –, die in dieser Episode noch nicht aufgelöst werden. Anders als Verena Berthold ist auch Wachow im Osten aufgewachsen. Und so finden Otto und sie gewisse Anknüpfungspunkte, nachdem er sie anfangs mit einem abweisenden „Wat is? Kommste?“ begrüßt hatte.

Ihre Ermittlungen betreffen den Tod eines frisch entlassenen Häftlings und geben Autor Axel Hildebrand Gelegenheit, den Typus der „Knastelse“ durchzudeklinieren – Frauen unterschiedlicher Herkunft, die Kontakt suchen zu einsitzenden Straftätern. Diverse Dramen entfalten sich, an Verdächtigen hat es keinen Mangel. Es gibt viel Kiez, Knast und Milieu, hohe Genauigkeit in Sprache und Charakterzeichnung, mit Mutterwitz durchsetzte Dialoge.

Mit forschem Auftreten und gewinnendem Wesen etabliert sich Linett Wachow als neues Mitglied des „starken Teams“; Otto überlässt ihr sogar, das versetzt die Kollegen gehörig in Erstaunen, das Steuer des gemeinsamen Dienstwagens. Eine neue verheißungsvolle Partnerschaft nimmt ihren Anfang. Bleibt zu hoffen, dass es Stefanie Stappenbeck besser ergeht als Maja Maranow, deren teils bemerkenswerte schauspielerische Leistungen im Rahmen dieser Serie ohne angemessene Anerkennung geblieben sind.

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