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„Die Brücke III – Transit in den Tod“, ZDF Sorge um Saga

Verstörende Mordszenarien sind das Markenzeichen der skandinavisch-deutschen TV-Produktion „Die Brücke – Transit in den Tod“. Trotz dieser selbstzweckhaften Momente ist die Serie sehenswert – wegen ihrer Protagonistin.

Das Ermittlerteam Linn Björkmann (Maria Kulle), Saga Norén (Sofia Helin) und Henrik Sabroe (Thure Lindhardt). Foto: ZDF und N.N.

Mit „Die Brücke – Transit in den Tod“ schufen der Schwede Hans Rosenfeldt und sein mehrköpfiges Autorenteam im Jahr 2011 ein international erfolgreiches Krimiformat. Eine ausländische Adaption entstand als Koproduktion zwischen Großbritannien und Frankreich, in der der Eurotunnel als Schauplatz diente, eine weitere in den USA. Die US-Version spielte im texanisch-mexikanischen Grenzgebiet und bezog reale Gegebenheiten wie den Drogen- und Menschenschmuggel sowie die hohe Zahl unaufgeklärter Frauenmorde in die Handlung mit ein.

Rosenfeldt selbst ließ zwei weitere Staffeln folgen, die dritte gelangt nun im ZDF, das als Produktionspartner fungiert, zur Ausstrahlung. Wie gewohnt, arbeiten Rosenfeldt und Kollegen mit drastischen Bildern. Auf einer Baustelle im schwedischen Malmö wird ein seltsames Ensemble entdeckt: Schaufensterpuppen, zu einer idyllischen Familienszene am Esstisch gruppiert, die Münder mit roter Farbe grotesk überzeichnet. Dann der Schreck: Die Mutterfigur ist keine Puppe, sondern eine präparierte Leiche. Die ermordete Helle Anker ist dänische Staatsbürgerin und stand als lesbische Aktivistin in der Gender-Debatte und als Inhaberin einer Fertilitätsklinik in der Öffentlichkeit. Ihre Frau hatte sie bereits als vermisst gemeldet.

Kratzbürstige Kolleginnen

Die aus den früheren Staffeln bekannte Saga Norén (Sofia Helin) übernimmt den Fall und muss mit der dänischen Kollegin Hanne Thomsen (Kirsten Olesen) kooperieren. Ein unfruchtbares Zusammenwirken, die beiden Frauen stoßen sich ab wie gleichgepolte Magnete. Thomsen reagiert konfrontativ auf Noréns schroffe Art, weiß die Schwedin nicht richtig einzuschätzen, die wegen ihres Asperger-Syndroms keine Empathie entwickeln kann und in jeder Situation strikt auf die Einhaltung von Gesetz und Regeln pocht. Eine Besessenheit, die ihren früheren Ermittlungspartner Martin Rohde (Kim Bodnia) ins Gefängnis gebracht hat.

Zugleich besitzt Norén eine gute Beobachtungsgabe und ausgeprägten Scharfsinn, was sie zu einer exzellenten Kriminalistin macht. Dank der väterlichen Unterstützung ihres Vorgesetzten Hans Pettersson (Dag Malmberg) konnte sie sich trotz ihres für Außenstehende befremdlichen Betragens im polizeilichen Alltag behaupten. Nun aber wird Pettersson selbst Opfer jenes Verbrechers, der es bei einer Gräueltat nicht bewenden lässt und offenbar mit seinen Fanalen die Auflösung traditioneller Familienstrukturen anprangern will. Während Pettersson schwer verletzt im Koma liegt, gerät die haltlos gewordene Saga Norén in eine Krise, zumal auch noch nach Jahren gewollter Distanz die ungeliebte Mutter erscheint, weil Sagas Vater im Sterben liegt.

Es ist wiederum die Figur der Saga Norén, die die Qualität der ursprünglich zehnteiligen Staffel – das ZDF zeigt sie in fünf Doppelfolgen – ausmacht. Sofia Helin zeigt hier ganz große Schauspielkunst, insbesondere wenn die massiven Erschütterungen selbst die gefühlsunfähige Saga nicht unberührt lassen, wenn sie mit diesen Irritationen ringt und verzweifelt nach einem Ventil für die ungewohnten Empfindungen sucht. Damit gelingt die plausible Entwicklung dieser originellen Figur, die wegen ihrer autistischen Veranlagung eigentlich kaum Veränderungen zulässt.

Auch die übrigen eingeführten Charaktere werden in dieser dritten Staffel schlüssig fortgeschrieben. Mit dem Dänen Henrik Sabroe (Thure Lindhardt) tritt ein neuer Ermittler ins Team ein, der mit eigenen Dämonen zu kämpfen hat und dem Publikum manche Überraschung beschert.

Bizarre Tableaus

Bei der Personenzeichnung beweisen die Autoren außerordentliches Können, nicht so bei der Thriller-Handlung. Wie in vielen Skandinavien-Krimis, gerät deren Ablauf sehr mechanisch. Die gestaltende Hand ist offensichtlich, das Muster bekannt: Sobald die Handlung zu erschlaffen droht, wird eine neue Leiche ins Spiel gebracht, und das auf möglichst bizarre und degoutante Art. Offenbar befinden sich die skandinavischen Gewaltpornografen in einer Art Überbietungswettbewerb. Empfindliche Gemüter seien gewarnt.

Ein weiteres Manko: Die Geschichte ufert aus. Statt die zentralen Handlungsstränge zu intensivieren, geht das Autorenteam in die Breite. Infolgedessen lässt die wie schon in den voraufgegangenen Staffeln von Beginn an kränkelnde Logik endgültig zu wünschen übrig, die Erzählung zerfasert, verliert an Kraft. Mit einer Halbierung der Episodenzahl und der entsprechenden Verdichtung hätte man dieser programmierten Schwächung vorbeugen können. Bezeichnenderweise bezieht die Serie ihre Spannung nicht aus den Bluttaten, sondern aus der Sorge um Saga Norén. Wesentlich ist es ihrer Darstellerin Sofia Helin zu verdanken, dass man die ab Folge 6 zunehmenden Absurditäten erträgt und bis zum Ende der Geschichte ausharrt.

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