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„Der Bozen-Krimi: Am Abgrund“, ARD Kommissare im Fadenkreuz

Für den Sendeplatz am Donnerstag ungewöhnlich, werden die „Bozen-Krimis“ als Fortsetzungs-Geschichten erzählt. Das hat einen gewissen Reiz, überzeugt aber noch nicht zur Gänze.

„Capo“ Matteo Zanchetti (Tobias Oertel, l.) am Tatort: Ein Scharfschütze hat auf seinen Dienstwagen geschossen und dabei den Ehemann seiner Kollegin Sonja Schwarz schwer verletzt. Foto: ARD Degeto/Hans-Joachim Pfeiffer

Es wird zusehends ungemütlich in den donnerstäglichen Degeto-Krimis. Wenngleich auch in der Reihe um die Ermittlerin Sonja Schwarz (Chiara Schoras) und ihren italienischen Kollegen Matteo Zanchetti (Tobias Oertel) besonnte Landschaften – in diesem Fall die Südtiroler Alpen – ausgiebig ins Bild gerückt werden, entbehren sie doch bei näherem Hinsehen der Heimeligkeit und Postkarten-Beschaulichkeit anderer Auslands-Krimis.

Die Folge „Am Abgrund“ beginnt gleich mit einer Zumutung für den Zuschauer: Sie knüpft unmittelbar und ohne erläuternde Rückschau an die vorausgegangene Episode an. Deren Ausstrahlung liegt knapp ein Jahr zurück und daraus erwächst natürlich ein Problem: Fortsetzungsgeschichten haben ihren eigenen Reiz, sie sind oft spannender als Einzelfilme und können das Wesen ihrer Figuren und die Erzählung selbst ungleich breiter entfalten, weil ganz einfach mehr Zeit zur Verfügung steht. Aber ein Sendeturnus von zwölf Monaten macht just diesen Vorzug gleich wieder zunichte – wer erinnert sich noch, dass der Ehemann (Xaver Hutter) der Kommisarin des Mordes bezichtigt wurde, dass auch andere in Verdacht gerieten, welche Rolle der zwielichtige Restaurantbesitzer Francesco Rossi (Thomas Sarbacher) spielt?

Drehbuchautor Jürgen Werner, der auch für die Dortmund-Folgen der „Tatort“-Reihe verantwortlich zeichnet, baut dem Publikum immerhin eine Brücke, gemäß dem Erfolgsrezept vieler US-amerikanischer Serien, die in jeder Episode sowohl fortlaufende wie auch abgeschlossene Elemente enthalten. Werner entwarf drei Handlungsstränge, die glücklicherweise nicht zwanghaft verknüpft werden, sondern sich gleichsam organisch entwickeln.

Biker-Sturz und Fahrerflucht

Für den Anfang trifft es Sonja Schwarz ganz hart. Als sie mit ihrem Mann Thomas auf einer Bergstraße unterwegs ist, wird aus dem Hinterhalt auf ihr Auto geschossen. Der schwer verletzte Thomas fällt ins Koma. Wenig später gerät auch Matteo Zanchetti (Tobias Oertel) ins Fadenkreuz.

Andernorts stürzt ein Querfeldein-Radfahrer zu Tode. Was zunächst aussieht wie ein Unfall, erweist sich ebenfalls als Attentat – oberhalb einer steilen Abfahrt in abgestecktem Gelände wurde ein Nagelbrett ausgelegt. Die Kommissarin Schwarz, aufgewühlt von dem knapp überlebten Anschlag und dessen fatalen Folgen, setzt derweil wütend ihre Ermittlungen gegen das Hoteliers-Ehepaar Keller fort. Charlotte Keller (Julia Stemberger) hat scheinbar eine Frau überfahren und Fahrerflucht begangen. Ihr Mann (Heio von Stetten) liefert ihr ein Alibi, aber das erweist sich als falsch.

Alle drei Kriminalfälle nehmen diverse Wendungen. Manche wirken sehr gewollt und auch nicht in jedem Detail überzeugend. Die Aufklärung des Fahrerfluchtfalls beispielsweise erfolgt abrupt – wie unter dem Druck der ablaufenden Sendezeit –, durch einen Geistesblitz statt durch kriminalistische Feinarbeit.

Mut beweisen Autor und Redaktion, indem sie nicht in jedem Handlungsstrang ein Happyend herbeizwingen, sogar Tragik zulassen. Am Donnerstagabend immer noch eine eher ungewöhnliche Erzählhaltung.

Durch die Einbindung der Familiengeschichten und privaten Hintergründe nicht nur der Ermittler, sondern auch der Opfer, tendiert dieser Film mehr in Richtung Krimidrama als zum Oberflächenreiz effekthascherischer Thriller. Nur wird leider Thorsten Näters Inszenierung dieser an sich positiven inhaltlichen Ausgestaltung nicht gerecht. Da gibt es die altbekannten Stereotypen, teils nah an der Grenze zur Pappfigur, wie im schlechten Volkstheater. Einen schmuddeligen Journalisten mit ungepflegtem Haar und nachlässiger Kleidung. Eine brütende, gottes- beziehungsweise teufelsfürchtige Bergbäuerin. Einen kaltschnäuzigen Statthalter des organisierten Verbrechens, der offenbar zu viele Mafia-Filme gesehen hat.

Eine bestenfalls halbherzige Bewegung in Richtung Qualitätsserie also. Vielleicht gelingt ja mit der nächsten, bereits abgedrehten Folge der ganze Schritt. Auch dort wird die Geschichte fortgesetzt, es gibt ein Wiedersehen mit einigen bekannten Protagonisten. Man darf gespannt sein.

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