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„Das Mädchen aus dem Totenmoor“ Tote Feen bringen Unglück

Stimmungsvoller Moorkrimi mit Robert Atzorn als Kommissar, der kurz vor der Pensionierung noch einen alten Fall klären will.

06.01.2016 09:14
Von Tilmann P. Gangloff
Kommissar Keller (Robert Atzorn) spricht nochmal mit dem damaligen Lehrer Baumann (Markus Knüfken). Dieser gesteht schließlich, eine Affäre mit der Mutter von Fee gehabt zu haben. Foto: ZDF und Marion von der Mehden

Dieser Krimi wird vermutlich nicht in die Fernsehgeschichte eingehen, aber er ist aus vielerlei Gründen sehenswert; spätestens die grimmige Schlusspointe ist ohnehin ein Knüller. Außerdem spielt Alexandra Neldel, dank „Verliebt in Berlin“ und dem „Wanderhuren“-Zyklus viele Jahre lang das Sat.1-Gesicht schlechthin, eine sehr interessante Rolle. Hauptfigur ist jedoch ein Kleinstadtkommissar (Robert Atzorn) kurz vor der Rente.

Vierzig Jahre lang war Lorenz Keller mit Leib und Seele Polizist, doch er geht mit einem unvollendeten Gefühl: Vor 15 Jahren ist die Schülerin Fee spurlos verschwunden. Alles deutete damals auf eine Flucht aus beengten Verhältnissen hin, aber Keller war und ist überzeugt, dass das Mädchen ermordet worden ist. Als fünf Tage vor seiner Pensionierung beim Torfstechen ein weibliches Skelett mit gebrochenen Rippen im Moor entdeckt wird, hat er endlich Gewissheit und rollt den alten Fall noch mal auf.

Immer wieder zeigt die Kamera den Ort aus der Vogelperspektive, um zu verdeutlichen: Hier kennt jeder jeden. Wer an alte Geschichten erinnert, macht sich leicht unbeliebt; erst recht, wenn einer wie Keller die meisten Mitbürger als potenzielle Mörder betrachtet. Tatsächlich stößt er auf verschiedene Hinweise, die ihm nacheinander gleich mehrere Verdächtige bescheren, darunter den früheren Lehrer (Markus Knüfken) des Mädchens sowie den Torfstecher, der den Skelettfund lieber verheimlicht hätte.

Als der Polizist rausfindet, dass die Schülerin schwanger war, verbeißt er sich umso hartnäckiger in den Fall. Schließlich läuft alles auf Hannes (Max von Pufendorf) hinaus, der damals gemeinsam mit Kellers Tochter (Neldel) und dem verschwundenen Mädchen in einer Klasse war und sogar mit ihr zusammen war, was er bislang verheimlicht hat; auch gegenüber seiner Verlobten Helen (Jytte-Merle Böhrnsen), die keine Ahnung hat, dass sie in großer Gefahr schwebt.

Die Geschichte ist fesselnd, ohne vordergründig spannend zu sein; Drehbuchautor Wolf Jacoby hat einen klassischen Krimi mit einer ganzen Reihe plausibler Verdächtiger geschrieben. Sehenswert ist auch die Inszenierung: Serienregisseur Axel Barth („Der Bergdoktor“) gibt dem Film gemeinsam mit den Kameramännern Richard Eckes und Roman Nowocien vor allem dank vieler stimmungsvoller Nebelbilder eine ganz spezielle Atmosphäre.

Schon zu Beginn, als Helen leichtsinnig durchs Moor joggt, blubbern einige Blasen unheilverkündend vor sich hin. Trotzdem lebt „Das Mädchen aus dem Totenmoor“ vor allem von den Figuren, die allesamt etwas zu verbergen haben und deshalb mehr als bloß Stichwortgeber für den ermittelnden Kommissar sind; allen voran dessen eigene Tochter, zumal ihr Verhältnis recht angespannt ist. Außerdem leidet Keller unter Herzproblemen, die durch den Stress, den Fall in fünf Tagen lösen zu müssen, nicht besser werden.

Der Polizist, dem der Beruf offenkundig stets wichtiger war als die Familie, ist eine vielschichtige Figur; kein Wunder, dass Atzorn diese Rolle gern übernommen hat. Sehr erfrischend ist auch diesmal wieder die Leistung von Jytte-Merle Böhrnsen, die zuletzt unter anderem die Filme „Zeit der Zimmerbrände“ und „Großstadtklein“ bereichert hat.

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