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„Tatort: Mord ex Machina“, ARD Johnny Guitar und Jeanne Dark

Die Saarbrücker Tatort-Ermittler bekommen es mit einem selbstfahrenden Auto und dubiosen Computerfuzzis zu tun.

Tatort
Ist das der Moment, in dem der Geist des Internets auf dem Revier erscheint? Foto: SR Manuela Meyer

Der Saarbrücker Tatort – mit Devid Striesow als mittlerweile kaum noch mit Marotten behafteter Ermittler Jens Stellbrink und mit Elisabeth Brück als ungefähr dritte Geige namens Lisa Marx – kann sich immer weniger entscheiden, was für eine Art von Krimi mit was für einer Art von Figuren er sein will. Devid Striesow startete 2013 als einer, den die Mörder-Buben und -Mädchen leicht unterschätzten – nicht zuletzt wegen seiner wasserblauen Augen und einer gewissen Lethargie. Der aber irgendwo tief drinnen so schräg schien, dass die Zuschauerin glaubte, von ihm alles erwarten zu dürfen. Doch hat er bis zu diesem, seinem siebten Fall, keineswegs an Profil gewonnen, sondern ist zu einer Art kantenlosem Durchschnittsermittler geworden. Es überrascht nicht, dass dies schon sein vorletzter Einsatz sein soll.

Auch diesmal fehlt es an Originalität, nicht zuletzt in den Dialogen. Auch diesmal wird nach einem Buch von Hendrik Hölzemann und David Ungureit unter dem Titel „Mord Ex Machina“ keine überraschende Karte aufgedeckt, kein verblüffender Haken geschlagen. Stellbrink bekommt es mit einem selbstfahrenden Auto (und also mit unsympathischen Computerfuzzis wie Software-Entwicklern und Hackern) zu tun. Und während er ermittelt, sagt der Kommissar Sachen wie „Scheiß Computer!“ und lässt sich „’ne ganz analoge Pinzette“ geben. Dieses Witzchen muss dann reichen bis zu dem vom „todsicheren Auto“.

Ein wild beklebter Wagen (so soll die Tatsache seines besonderen Innenlebens getarnt werden, im Ernst) stürzt motorhaubenüber von einem Parkdeck, ein Mann stirbt darin. Das Auto war nicht nur selbstfahrend und hatte Kameras in allen Ecken, es hat auch die Befindlichkeit seines Passagiers aufgezeichnet. Blutdruck, Alkoholwerte, Müdigkeit, Hirnströme. „Alles natürlich im Rahmen des Datenschutzes“, sagt der Typ von der Firma, die damit Geld verdienen will. Natürlich.

Aber da, wo die Daten für eine Weile – garantiert sicher – gespeichert sein sollten, sind keine Daten mehr. Und just war eine attraktive Profihackerin damit beauftragt, die Sicherheit der Daten zu testen (das hat sie wohl gründlich getan). Freilich verschwindet im Web nichts wirklich. Freilich weiß selbst der ziemlich bezirzte Stellbrink das. Und so lässt sich von Anfang an darauf wetten, dass die richtigen Daten im richtigen Moment wieder auftauchen werden.

Das Opfer (war es Selbstmord?, wird überflüssigerweise noch schnell gemutmaßt), außerdem der Computerfirmenboss namens Rousseau (Steve Windolf), außerdem die schöne Hackerin namens Natascha (Julia Koschitz) und ihr leicht psychopathischer Hackergehilfe Marco (Anton Spieker), sie müssen still stehend den Zuschauer wiederholt einige Sekunden lang bedeutsam anblicken. Das wirkt am Anfang interessant, dann aber angesichts der Handlung wie ein vergeblicher Versuch von Regisseur Christian Theede, der Sache ein wenig Geheimnis oder wenigstens Coolness zu geben.

Aber vor allem herrscht das Klischee: Die gefährliche, gefährlich schöne Natascha ist zwar keine Russin, dafür im Internet „Jeanne Dark“. Marco wurde zum Hacker (und Stalker), weil man ihn einst in einer Babyklappe ablegte. Aber macht ihn das, nächste zwangsläufige Frage, auch zum Mörder? Und: „Wer ist Mephisto?“

Bestimmt nicht Stellbrink. Denn der ist unterm bemühten Pseudonym „Johnny Guitar“ auf Frauensuche. Da lacht das ganze Revier. Es lädt aber keiner den Zuschauer zum Mitlachen ein.

„Tatort: Mord ex Machina“,Mo., 1. Januar, 20.15 Uhr.

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