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Tatort, Level X, ARD Vor den Augen des Internets

Im Dresden-Tatort geht es heute um Grenzüberschreitungen in sozialen Medien und junge Leute, die immer online sein müssen.

Tatort
Alle auf eine, die im Digitalen heimisch ist: Pranksterin Emilia (l., Caroline Hartig), fragend Schnabel, Sieland, Gorniak. Foto: MDR/Gordon Muehle

Sie nennen sich Simson oder Scoopy, spielen anderen Menschen herbe Streiche, halten ihnen und sich selbst dabei die Handy-Kamera vors Gesicht, lassen mitfilmende Drohnen kreisen – alles live, darauf sind sie stolz. Solche „Prankster“ werden geklickt und verdienen Geld, von dem ihre Eltern (und ein schuftender Notarzt, der noch eine Rolle spielen wird) nur träumen können.

Privatsphäre ist etwas für Gestrige oder Weicheier. Und einfach nur peinlich ist, auf solche „Streiche“ reinzufallen. Die Kommissarinnen Gorniak und Sieland fallen drauf rein. Karin Gorniaks halbwüchsiger Sohn Aaron, der digital native, ist fassungslos, dass seine Mutter ihm das antun kann, vor den Augen des ganzen Internets.

Der neue Dresden-Tatort „Level X“ ist in die ARD-Themenwoche „Woran glaubst Du?“ integriert. Live dabei sein ist allerdings vor allem eine Sucht – nach dem Sehen und Gesehenwerden.

Moralische Fragen spielen hinein. In ihnen müsste es – so sie überhaupt einer stellt, die coolen jungen Leute eher nicht – um die Grenzen des Entblößens, Erschreckens, Erniedrigens anderer gehen. Denn „harmlos“ ist hier schon lange nichts mehr.

Simson, berühmtester einer Gruppe von Prankstern, filmt einen Rocker auf dem Klo. Der Rocker sieht die Drohne, eine Herde harter Kerle rennt bald hinter Simson her. Dann ist er tot, live erschossen. Aaron vor seinem Laptop ist erschrocken und fasziniert.

Zwischen Abgebrüht- und Verstörtheit schwanken die jungen Leute in der Gefahren-des-Digitalen-Geschichte Richard Kropfs, in der zupackenden Regie Gregor Schnitzlers. Der Typ, der die Prankster vermarktet, ist ihnen dann doch so etwas wie ein Predigerersatz. Er leitet das „social mourning“ an, er verkauft „Ich bin stärker“-Armbändchen für zwei Euro. Den malochenden Vater Simsons (eigentlich heißt der ja Robin, aber auch echte Namen sind uncool) beschimpft er als Loser.

Schlimmeres als ein Rocker auf dem Klo wird in „Level X“ gefilmt. Und noch schlimmer ist, dass es weitergegeben und veröffentlicht wird. Das betroffene Mädchen ist bald ohne Trost. Und überall in der Stadt können Jugendliche die Augen nicht von ihrem Handy lassen. Dieser Tatort zeigt sie schon beinah als an die Sensationen des Internets verlorene Generation. Und die Erwachsenen als zynisch oder hilflos. Die Polizei tut zwar, was sie kann, aber es liegt in der Natur der Sache, dass das nicht sehr viel ist. Ein Wimpernschlag, ein Wischen – und hässliche Dinge stehen online und sind nicht mehr zurückzuholen.

In diesen Tagen wurde gemeldet, dass das Dresdner Team aus Alwara Höfels, Karin Hanczewski und Martin Brambach als Boss namens Schnabel (siehe „Schnabeltasse“) in diesem Jahr zwei weitere Folgen drehen wird. Sie sind in einer dem Überkandidelten zuneigenden Tatort-Landschaft weiterhin die Geerdeten. Sie ermitteln zielgerichtet, schnörkellos und haben keine Privatprobleme, die aus dem Rahmen fallen. Der digitale Neandertaler Schnabel versucht diesmal (passend), über den Dienstrechner anzubändeln – aber so schnell kann er nicht lügen, wie ihn der polizeiliche IT-Spezialist durchschaut.

„Tatort: Level X“, ARD, So., 20.15 Uhr.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Tatort

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