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Tatort "Er wird töten" Auf dem Revier erstochen

Nur wenige Minuten ist der Tatort "Er wird töten" alt, da wird Lürsens Freund Leo auf der Polizeitoilette erstochen. Regisseur Baxmeyer zeigt seinen blutigen Todeskampf rücksichtslos. Nein, dieser Tatort ist weder harmlos - noch dezent.

Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) treten wieder gemeinsam an, den Fall zu lösen. Foto: Radio Bremen/Jörg Landsberg

Es wäre einmal etwas anderes gewesen, die ältere, romantischen Gefühlen kaum hingegebene Kommissarin glücklich zu sehen mit einem jüngeren Freund. Aber da muss Inga Lürsen schon wieder ohne Leo auskommen, und verliert ihn nach dem Drehbuch Christian Jeltschs auch noch auf die schlimmste Weise. Nur einige Minuten ist der Bremen-„Tatort“ „Er wird töten“ alt, da wird Leo Uljanoff auf der Polizeitoilette erstochen. Regisseur Florian Baxmeyer zeigt seinen blutigen Todeskampf ohne Rücksichten; wie er später auch schlimme Flashbacks zeigt, die den aus Afghanistan zurückgekehrten Stedefreund plagen.

Es ist kein harmlos münsterscher und auch kein dezenter „Tatort“. Inga Lürsens (Sabine Postel) vertrauter Kollege ist zwar zurück, um zu bleiben, aber er ist psychisch angeschlagen und nimmt Tabletten, die die Hauptkommissarin misstrauisch machen. Als sie aber Stedefreund (Oliver Mommsen) danach fragt, verliert er vollends die Nerven. Lürsen wiederum sieht man nach Leos Tod ihre Untröstlichkeit an. Es hilft nicht, dass er ihr just und wie aus dem Jenseits eine liebevolle Videobotschaft geschickt hat: Gern würde er es sich anders überlegen und nun doch ihren Wohnungsschlüssel annehmen.

Stedefreund ist müde

Es geht an diesem Sonntagabend mit einer Vehemenz um die ständige, bittere Nähe des Todes, wie es selbst im „Tatort“ nicht oft darum geht. Sterben oder Überleben sind manchmal „messbar in Zentimetern“, so der jedes Afghanistan-Abenteuers müde Stedefreund. Es fällt außerdem der Satz: „Es wird auch nie wieder gut, nie wieder.“

Leo Uljanoff (Antoine Monot Jr., den man doch gern in dieser Rolle behalten hätte) wird also erstochen mitten im Polizeirevier, und obwohl das Gebäude sofort durchsucht wird, findet sich kein Täter mehr. Außer, es war ein Kollege. Außer, man hat nicht gut genug gesucht, vom Dach bis zum Keller. Ein Hausmeister, der im Keller gerade diskret einen Schluck nehmen will, bekommt den Schreck seines Lebens. Und der verstörten Frau (Annika Kuhl), die just bei der Hauptkommissarin sitzt und fast nur den Satz „Er wird töten“ sagt, der geht es durch die Aufregung in den Polizeibüros auch nicht besser.

Vor Jahren wurde ihre kleine Tochter getötet, ihr Mann saß deswegen im Gefängnis. Nun scheint er sich rächen zu wollen. „Ich töte dich“ und „Ich kriege dich“ liest sie in großen roten Buchstaben, als sie von ihrer Arbeit als Ärztin nach Hause kommt.

Stück um Stück müssen Lürsen und Stedefreund herausfinden, was damals geschehen ist. Stück um Stück möchte Lürsen auch unbedingt herausfinden, wer Leo ermordet hat. Fast geht es diesmal über ihre Kräfte. Aber nur fast: Wie unglücklich, aber zäh diese kühle Kommissarinnenfigur arbeitet, das kann beeindrucken. Da möchte man es vernachlässigen, dass Lürsen und Stedefreund manchen Hinweis nicht aufheben, der eigentlich offen herumliegt. Auf die Raffinesse und die Finten der Handlung kommt es in „Er wird töten“ eigentlich kaum an.

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