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„Tatort: Dunkle Zeit“ Bloß nicht provozieren lassen

Der Hamburg-Tatort erfindet „Die neuen Patrioten“, die aber sehr der AfD ähneln.

Tatort: Dunkle Zeit
Kommissarin Grosz durchkämmt ein Mietshaus. Foto: NDR/Christine Schroeder

In der DNP gibt eine mitteljunge Frau den Ton an, die im Wahlkampf geschmeidig und oft vom „Versagen der alten Eliten“ spricht, davon, dass Deutschland – nach dem Krieg „mit Fleiß und Verstand“ aufgebaut – nun in Gefahr ist, von Islamisten zerstört zu werden, die außerdem verächtlich von „Systemmedien“ und „Systemparteien“ spricht. Schon vor einiger Zeit wurde ein Teil der Partei, die Wirtschaftsliberalen und Euroskeptiker, kaltgestellt, man ist noch ein weiteres Stück nach rechts gerückt.

DNP beziehungsweise „Die Neuen Patrioten“? Da hat sich Niki Stein, Buch und Regie bei diesem neuen Hamburg-Tatort, ausführlich und unverblümt bei der AfD, ihrem Rechtspopulismus und ihrer Geschichte bedient.

Allerdings musste ja eine veritable Krimihandlung her, so dass gewaltsam protestierende und im Internet auch mit Mord drohende Autonome ins Spiel kommen: „Die Schonzeit für Nazis ist vorbei!“ Aber ist die These des Kollegen vom Verfassungsschutz nicht etwas sehr steil, der von der „Geburtsstunde einer neuen RAF“ spricht? Julia Grosz und Thorsten Falke, Franziska Weisz und Wotan Wilke Möhring in ihrem dritten gemeinsamen Fall, versuchen jedenfalls trotzdem den Ball flach und den Kopf kühl zu halten.

Strikt professionell gehen sie damit um, dass sie Nina Schramm (eine elegant undurchsichtige Anja Kling) und ihren Mann (Udo Schenk) auf einem schwer abzusichernden Anwesen beschützen sollen. Oder vielmehr: Grosz geht strikt professionell damit um, dass ihr die Ansichten und politischen Ziele der DNP sehr gegen den Strich gehen. Falke nicht ganz so strikt. Aber sie lassen sich in der Regel nicht provozieren, sagen, „wir ermitteln in alle Richtungen“ usw. usf., als Richard Schramms Wagen auf der Landstraße explodiert. Die Zuschauerin weiß da schon mehr als die Ermittler, haben sie doch mitgehört, was der Ehemann direkt vor der Explosion im Telefongespräch mit dem ebenfalls kaltgestellten Wirtschaftswissenschaftler schwor: „Ich lasse Nina hochgehen und ihren schnöseligen Deckhengst gleich mit!“

Ehebruch, Eifersucht, Gier nach Macht: Da ist „Dunkle Zeit“ dann doch sehr schnell wieder bei einer vertrauten Tatort-Handlung wie auch Verdächtigen-Konstellation. Allerdings könnten es ja trotzdem die Autonomen gewesen sein, denn Nina Schramm, die Verhasste, hätte eigentlich mit im Auto sitzen sollen. Allerdings zeigt Niki Stein die Der-Zweck-heiligt-die-Mittel-Härte auch der Antifa. Allerdings sind die DNP-Strippenzieher aalglatt, zynisch, haben irgendwas zu verbergen – womöglich gehen sie ja auch über Leichen, wenn (siehe oben) unliebsame Enthüllungen drohen.

Bald geht es recht rund in „Dunkle Zeit“, gibt es Zusammenstöße bei Wahlkampfveranstaltungen, Festnahmen, die Durchsuchung eines ganzen Mietwohnungsblocks mit Spezialkommando. Falke ärgert sich über seinen Sohn, den die Wahl nicht interessiert und der mit der größten Selbstverständlichkeit rassistische Sachen sagt. (Nina Schramm würde sagen: die Wahrheit ausspricht.)

Und was passiert noch bei den Hamburger Ermittlern, die jetzt langsam Kontur bekommen, ohne dass dazu ihr Privatleben eine große Rolle spielen müsste? Falke findet, Grosz könne jetzt mal Thorsten zu ihm sagen. Grosz lässt sich zum „Julia“ erweichen. Aber es wäre ihr lieber, man würde beim Sie bleiben. Ein klares Wort.

„Tatort: Dunkle Zeit“,  ARD, So., 20.15 Uhr. 

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