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„Tatort: Die Faust“, ARD Der Serienmörder macht ihnen die Arbeit schwer

Bibi Fellner und Moritz Eisner haben es mit einem Serienmörder zu tun - und mit der Frage nach der eigenen beruflichen Zukunft. Der Wien-Tatort „Die Faust“ in der ARD.

Tatort: Die Faust
Bibi Fellner und Moritz Eisner machen sich schlau. Foto: ARD

Effizienzsteigerung. Synergien. Neue Technologien. Zukunftsfit. Must Have. Moritz Eisner und Bibi Fellner haben gewettet (und Bibi kassiert am Ende), welche Begriffe der Chef auf jeden Fall verwenden wird bei seinem Vortrag zur Zukunft der österreichischen Polizei. Aber schon ruft wieder der Ernst des Ermittlerlebens, er ruft unter anderem „Effizienzsteigerung“, denn es geht bald um einen scheußlichen Serienmörder.

In einer leerstehenden Wohnung, die just von Mietinteressenten besichtigt wird, hängt, an die Wand geschlagen wie Jesus ans Kreuz, ein Toter. Die Veröffentlichung seines Bildes in den Medien ergibt, dass er einerseits unterschiedliche Identitäten besaß, andererseits sozusagen nicht existierte. Der nächste Ermordete folgt schnell und wird erhängt in einer öffentlichen Toilette gefunden. In der Wohnung, in der Toilette ist so viel unterschiedliche DNA verstreut, dass die Spusi schier verzweifelt. Noch dazu trug der Täter wohl Schutzkleidung.

Aber Eisner und Fellner, Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser, machen auch diesmal weitgehend zielgerichtet und ziemlich kaltblütig ihre Arbeit. Dafür muss man sie einfach mögen. Sie lassen – anders als gefühlte 99 Prozent der bundesdeutschen Tatort-Ermittler – die Vernunft walten (na ja, manchmal auch Fünfe gerade sein). Sie delegieren Aufgaben, sie machen sich die richtigen Gedanken, sie kommen bald auf die Idee: „der“, also der Serienmörder, „will uns die Arbeit schwer machen“.

In einer hübschen Mini-Parodie auf Mordermittler, die am Tatort Eingebungen, wenn nicht Visionen haben, ruft Eisner eine alte Bekannte, eine pensionierte Profilerin zu Hilfe. „Sie sind auf einem guten Weg“, sagt diese zur einigermaßen perplexen Bibi Fellner.

Apropos Bibi Fellner: Ist sie, äh, zukunftsfit? Ein Must Have sozusagen? Sie will es wissen. Denn eine zweite Mordkommission (MK2) mit einem, neben Eisner, zweiten Leiter soll gegründet werden. Die Majorin findet (zu Recht), sie sollte wenigstens ihre Chancen auf den Posten ausloten. Ihr Oberinspektorenkollege, also Eisner, findet, sie soll gefälligst bei ihm bleiben. Sie sind doch ein prima Team (zweifellos). Sie bewirbt sich dann doch – und der Schreck durchfährt den Fellner-Fan. Aber keine Angst.

Im Übrigen kriegen die Österreicher wieder einen spannenden Krimi mit einem durchaus nicht ausgelutschten Thema hin. „Die Faust“, geschrieben von Mischa Zickler, gedreht von Christopher Schier, ist kompliziert, behält aber den Durchblick. Und auch wenn die Auflösung des Knotens nach seiner interessant-vertrackten Schnürung ein wenig enttäuscht, wahrscheinlich enttäuschen muss (ach, der!?), so weckt dieser Tatort doch Interesse an den historischen Ereignissen, auf die er sich beruft: Die durch aktuellere „Revolutionen“ und Proteste vergessenen in Jugoslawien, der Ukraine und Georgien (dort genannt „Rosenrevolution“, man erinnert sich doch beschämenderweise mit Mühe).

Nicht unplausibel erscheint in diesem Zusammenhang die Andeutung, der amerikanische Geheimdienst – natürlich inkognito – könnte manchen Idealisten damals ein wenig ermutigt haben, die Dinge aufzurühren. Und wie ist es heute?

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