Lade Inhalte...

„Tatort: Der kalte Fritte“ Sie geht nie in den gleichen Puff wie ihr Mann

In Weimar blödelt man sich lässig durch den Tatort „Der kalte Fritte“, der von den Kommissaren Bordellbesuche erfordert.

Tatort: Der kalte Fritte
Die Hauptkommissarin und der fast frittierte Fritte haben ein Problem. Foto: MDR/Wiedemann & Berg/Anke Neugebauer

Kein Zweifel kann mehr bestehen, dass in Weimar ein weiteres T atort-Comedy-Duo etabliert werden soll, statt Pathologe und Kommissar, sich kappelnd, das ermittelnde Ehepaar, sich liebend und kappelnd. (Aber was macht es eigentlich mit den Kindern, wenn es nachts geschlossen ausrückt, um böse Buben oder wüste Gobis oder kalte Fritten zu bekämpfen? Das wird ja interessanterweise bisher fast gar nicht zum Thema gemacht.) Kriminalhauptkommissar Lessing (einfach nur Lessing), Christian Ulmen, hat ein fotografisches Gedächtnis, was sehr praktisch sein kann. Kriminalhauptkommissarin Kira Dorn, Nora Tschirner, ist allemal praktisch und notfalls handgreiflich veranlagt. Mit den schönen Künsten, genauer gesagt: dem Dichten, hat sie es nicht so. So reimt sie: „Am Abend lässt die Schwägerin / den Spargel ins Gehege rin“. Na ja.

Eine gewisse Lässigkeit zeichnet die Weimar-Tatorte aus. Die ist einerseits sympathisch, erstreckt sich aber andererseits auch auf Handlung und Dialoge. Bei der Handlung hat das zur Folge, dass man schnell das Gefühl bekommt, es ist eigentlich völlig egal, wer hier gegen wen usw. Und falls man nicht mehr durchblickt, blickt man halt nicht mehr durch. Bei den Dialogen (Drehbuch: Murmel Clausen) steht locker das erfrischend Freche neben dem Albernen, dem Zynischen oder schlicht Doofen – leider fehlt diesmal, in „Der kalte Fritte“, das Geistreiche fast komplett. Dem Opfer wurde in Hirn, Herz, Hoden geschossen? „Ein Clown?“, fragt Lessing da. Aua.

Die Handlung also: Ein Millionär wird ermordet. Die junge Ehefrau, Ex-Prostituierte, erschießt ihrerseits den Killer, der offenbar tatsächlich ein Auftragskiller war. Hauptfrage also: Wer hat den Auftrag gegeben? Die Dinge werden unübersichtlich, weil es im Hintergrund um einen Museumsneubau und drei konkurrierende Standorte geht; der Ermordete wollte als Mäzen wirken und Geld geben fürs Grundstück und Museum. Einer der möglichen Standorte ist ein Steinbruch (hä?), dessen Eigentümer finanziell am Ende sind. Der Verkauf hätte sie saniert. Auch hat die junge Frau des reichen Opfers in einem Club gearbeitet, der einer Unterwelthalbgröße gehört, die Fritte (von Fritjof, als zünftiger Lude gespielt von Andreas Döhler) genannt wird – und die trotz des Titels ziemlich leicht erregbar ist. Aber genug, um einen Profikiller anzuheuern (aus welchem Grund auch immer)? Alles ganz unübersichtlich also.

In einer Nebenhandlung taucht der Vater von Kommissariatsleiter Stich, Thorsten Merten, auf und entpuppt sich als Type wie der taxifahrende Vadder von Thiel in Münster. Nur schlimmer. Einiges schlimmer. Nebenbei bekommen Liebhaber abstrakter Kunst eins mitgegeben. Nebenbei macht Lupo alias Ludwig Maria Pohl alias Arndt Schwering-Sohnrey Freude, der sich zwecks Beschattung blitzschnell einen Vollbart wachsen lässt. In der gesamten Handlung gibt es natürlich lustige bis halblustige Bordell-Witze à la „ich bin nie im gleichen Puff wie mein Mann“ (Kira Dorn).

Am Weimar-Paar muss inzwischen gefallen, dass sie dem Trend zum maulenden, melancholischen, rumpöbelnden Problembullen – Berlin! Dortmund! – so gar nicht folgen. Hier ist man ausgeglichen und zielorientiert. Das gilt im Übrigen auch für die Regie von Titus Selge, die zum Beispiel aus dem Schauplatz Steinbruch einiges und ihn fast zur Westernwüste macht. Dort kommt es zu einem staubigen, aber doch standesgemäßen Showdown.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen