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Tatort „Bausünden“, ARD Von Mantatellern und stillen SMS

Der WDR-Tatort„Bausünden“ aus Köln ist wie gemacht für die und von denen, die der Experimente ein wenig müde sind.

Tatort: Bausünden
Der Veteran und seine Schwägerin, Hanno Koffler und Jana Pallaske. Foto: WDR

Im Jahre 2017 war viel von Tatort-Experimenten die Rede, und es deutete sich an, dass etliche Zuschauer (und auch Tatort-Ermittler) davon die Nase voll haben. Das ist bedauerlich, aber dafür gibt es nun eine kompromisslos extraklassische Köln-Folge. Drehbeginn, berichtet der WDR, war im vergangenen März auf den Tag genau zwanzig Jahre nach der ersten Klappe für den ersten Tatort mit Freddy Schenk und Max Ballauf, Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt.

Ballauf war zuvor (1992 bis 1994) bekanntlich schon als jugendlicher Leichtsinnspinsel an der Seite von Flemming (Martin Lüttge) und Schreiner (Roswitha Koch) zu sehen. Unvergessen das Augenrollen der bis ins Sture verlässlichen Kollegen über die eingeschränkte Einsatzfähigkeit des durch wechselnde Nebenjobs zunehmend kompromittierten und abgelenkten Kriminalhauptmeisters. Es ist aber auch verdammt lang her. Obwohl es einem am Sonntagabend nicht so vorkommen muss. Klaus Doldinger selbst hat die gediegene, lässige Unterhaltungsmusik zu „Bausünden“ geschrieben. Kaspar Heidelbach, Regisseur der ersten Ballauf-Schenk-Folge, inszenierte, Uwe Erichsen und Wolfgang Wysocki schrieben ein Drehbuch von imposanter Schnörkellosigkeit, manchmal einer gewissen Halbherzigkeit (oder Scheu) und mit 1 Volte.

Hippe und smarte Typen stehen als Schurken bereit

Da man beim Zuschauen zwischendurch manchmal etwas Zeit hat, kann sich der Gedanke ausbreiten, dass man die nostalgischen Aspekte nur noch ein wenig hätte betonen müssen, um einen echten Retro-Tatort herzustellen. Allerdings wäre auch das schon wieder ein Experiment gewesen. So ist „Bausünden“ wirklich ein Tatort für die Ausgelaugten, dabei sorgsam gestaltet: wenn zum Beispiel immer wieder besonders ambitionierte Kölner Bauten in den Blick kommen in einem Krimi, in dem es um das Baugewerbe geht. Das läuft so mit, das drängt sich nicht auf, und doch ist „Bausünden“ in dieser Hinsicht ein Blickschärfer.

Dazu nun also der Klassiker. Nach einer  undurchsichtigen und jedenfalls blutigen Duschkabinenszene wird eine Frau – eine andere Frau – tot vor dem Haus gefunden, in dem sie wohnt. Hilde, der Hund eines Mannes, der von Regisseur Heidelbach persönlich gespielt wird, hat sie gefunden. Selbstmord? Natürlich nicht. Was hatte sie mit einer Frau zu tun, die jetzt verschwunden ist? Natürlich viel.

Letztere, die der Zuschauer unschwer mit der Duschkabinenszene in Verbindung bringen wird, ist mit einem traumatisierten Afghanistanveteranen verheiratet, so dass hier die Nostalgie inhaltlich endet. Hanno Koffler spielt ihn verschlossen und energiegeladen. Er kann ohne große Worte deutlich machen, dass sein Leben in Trümmern liegt, er aber auf jeden Fall wissen will, was mit seiner Frau passiert ist. Als Ballauf und Schenk ihn in ihr Polizeiauto stecken und ins Präsidium mitnehmen wollen, unterschätzen sie als gut, aber kontinuierlich alternde Zivilisten, dass der ehemalige KSKler auch die Scheibe einschlagen, die Tür von außen öffnen, aus dem fahrenden Wagen springen, unheimlich schnell wegrennen und sich sodann über eine sehr hohe Mauer endgültig absetzen kann.

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