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Tatort, ARD Fangfrischer Pinguin in Münster

Werden sie Sandy retten können? Boerne und Thiel lösen im Münster-Tatort einen Fall im Tiermilieu und machen Witze. Wir spoilern die wichtigsten drei.

Tatort: Schlangengrube
Professor Boerne hat einen Pinguin auf dem Tisch. Links Hauptkommissar Thiel. Foto: WDR/Thomas Kost

In Münster ist es wieder sehr fidel. Die Späße haben aber bei aller Routine – oder gerade dadurch – eine knusprige Sprödheit, und es treten etliche Tiere auf, vornehmlich Katzen und Pinguine. Während die Katzen einen Tritt der Staatsanwältin, Mechthild Großmann, fürchten müssen, sind die Pinguine in Lebensgefahr. Unter ihnen befindet sich Sandy, „eines der bekanntesten Zootiere Deutschlands“, wie Wikipedia uns informiert. „Von den Hörern des Radiosenders WDR 2 wurde Sandy 2004 zum beliebtesten Tier im Münsteraner Zoo gewählt“, und nicht nur das, wie der erstaunte Keine-Zoosendungen-, Keine-Talk- und Keine-Satireshows-Zuschauer feststellen wird. 

Auch wenn „Schlangengrube“, geschrieben von Jan Hinter (der 2002 schon am allerersten Thiel-Boerne-Tatort beteiligt war) und inszeniert von Samira Radsi, eine Kriminalhandlung braucht, um drumherum einen Witz nach dem anderen machen zu können, so ist die Kriminalhandlung immerhin ungewöhnlich. Oder sagen wir besser: nimmt sie einen ungewöhnlichen Verlauf. Jedenfalls: Darauf kommt man erst, wenn man es sieht.

Hier aber zunächst die wichtigsten Witzethemen:

1. Boerne, Jan Josef Liefers, verfolgt aktuell die Idee, eine eigene Pathologie- und Kochsendung zu bekommen, bei der nach dem medizinischen ein passender Menuevorschlag kommt. Geschmacklosigkeit und Kulinarik gehen also Hand in Hand. Mit seiner berühmten Assistentin (ChrisTine Urspruch) hat Boerne bereits Probeaufnahmen erarbeitet, die man sich wirklich gerne anschaut. Einen ausreichend abgeschmackt wirkenden Produzenten, Robert Hunger-Bühler, umgarnt er bereits, natürlich nicht als einziger. Eine hübsche kleine TV-Betriebssatire, gar nicht mal besonders überdreht. Walzenartig geht Boerne für seinen Plan vor, Eitelkeit siegt hier in einigen sehr schönen Szenen über Niveau. Dass er ein gebildeter Mann ist, fällt ihm erst wieder ein, wenn er mit der Staatsanwältin, Mechthild Großmann, Lateinisch spricht. Durch Zufall muss er feststellen, dass Hauptkommissar Thiel, Axel Prahl, einen exquisiten Geschmack hat. Das ist bitter.

2. Die Staatsanwältin liegt im Clinch mit einer schwerkranken Nachbarin und intensiven Katzenhalterin. Die Nachbarin ist wirklich sehr krank, und die Katzen machen überall hin. So lustig ist das nun nicht, aber Mechthild Großmann ist groß in Form, man sieht sie mit Lockenwicklern und in Verlegenheiten verschiedener Art. Eine garstige Rivalin namens Ungewitter taucht auf, Tessa Mittelstaedt, vormals Franziska Lüttgenjohann aus dem Kölner Tatort, jetzt aber ganz modifiziert und wie aus einer Hexenkomödie. 

3. Thiel ist im Begriff, mit seinem abgerockten Vater, Claus D. Clausnitzer, eine Fahrradreise nach Amsterdam zu machen. Wieso denn nach Amsterdam, fragt Boerne. Solche Witze muss man mögen, wenn man „Schlangengrube“ anschauen will. Der Vater hat vorerst ein Ex-Hippie-Rad, aber im Laufe der Sendung gelingt es ihm, sich bedeutend zu verbessern. Thiel will eh nicht dringlich weg, auch der Staatsanwältin wäre es lieber, wenn er bliebe.

Jetzt nämlich trotzdem noch mal ganz kurz zum Krimi: Die Nachbarin mit den Katzen liegt tot in der Wohnung. Die Fährte führt in den Allwetterzoo Münster, wo die berühmte Sandy lebt, Felix Vörtler als wieseliger Direktor tätig ist und Julischka Eichel als sphinxische Pflegerin - wer die Schauspielerin soeben als Salome in Stuttgart gesehen hat, ist wieder baff, was die Bühne augenscheinlich verlangt (alles, alles, alles), und was das Fernsehen (nicht ganz so viel, echt nicht, aber vermutlich kann man hier viele handwerkliche Fehler machen). Es gibt einen Tierarzt, Dirk Martens, mit unerwartet schwer aussprechbarem Namen (Gremlich). So viel zur Kriminalhandlung. 

Der neue Münster-Tatort ist schon routiniert, aber es glückt ihm doch ein erfrischender Schwenk vom aufgezwirbelt Komödiantischen ins subtil Bizarre. Subtil ist vielleicht etwas zu viel gesagt. Das Pinguin-Komplott wird man jedenfalls nicht auf den ersten Blick durchschauen.

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