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„Tanken – mehr als Super“, ZDF Neo Witzfigurenkabinett

Die Drei von der Tankstelle, die sich nichts zu sagen haben. ZDF Neo und sein hanebüchener Sitcom-Klamauk „Tanken – mehr als Super.“

Tanken - mehr als Super
Die Tankstelle wird überfallen - Georg (Stefan Haschke) bleibt gelassen. Foto: Marion von der Mehden/ZDF

Obwohl Tankstellen Durchgangsorte sind, an denen man sich für gewöhnlich nicht länger freiwillig aufhält, sind sie als Setting für Kino- oder Fernsehfilme durchaus beliebt. Das aktuellste Beispiel aus Deutschland dürfte Philip Grönings furioser Berlinale Beitrag „Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“ (Kinostart im Herbst) sein, wo die Tankstelle immer wieder von einem Geschwisterpaar aufgesucht wird, die in den nahe gelegenen Feldern fürs Abitur lernen. Auch die ZDF-Neo Serie „Tanken – mehr als super“, spielt in einer Tankstelle – sogar ausschließlich – aber außer dem Setting haben die beiden Werke nichts miteinander gemein, qualitativ könnten sie gar kaum weiter auseinanderliegen. Nachdem das ZDF im März mit „Nix festes“ schon einen misslungenen Sitcom-Versuch gewagt hat, probiert es nun ZDF Neo und schafft es, das Niveau nochmal zu senken. Es ist schon beeindruckend wie lang gerade sich 25 Minuten anfühlen können. Bei der belanglosen Klamauk-Farce von Tanken werden sie zu einer Ewigkeit.

Es geht um die Nachtschicht einer Tankstelle, während der drei Leute arbeiten. Immerhin: Eine Tankstelle bei Nacht mit drei Mitarbeitern im Dienst beweist schon mal eine blühende Fantasie. Georg (Stefan Haschke) wurde grade von der Tag in die Nachtschicht versetzt, was nach seiner eigenen Ansicht eine fatale Verschwendung seiner Management-Talente ist. In der Nachtschicht arbeiten außerdem die Frohnatur Olaf (Daniel Zillmann) und der frisch eingestellte ex-Medizinstudent Daniel (Ludwig Trepte).

Da es gefühlt anderthalb Kunden pro Nachtschicht (und Folge) gibt, ist aber einfach nichts zu tun, weshalb die versuchte harte Führungsstruktur von Georg mit seinen alle 5 Minuten angesetzten Teambesprechungen (Catchphrase: Zack Zack) auf befremdliche – aber leider nicht lustige – Art lächerlich wirkt. Eine unsympathischere, peinlichere und „blödere“ Hauptfigur als Georg hat man im deutschen Fernsehen lange nicht gesehen. Schon nach zwei Folgen wünscht man sich in das plötzlich sehr sympathisch erscheinende Büro von Bernd Stromberg zurück – und das will schon was heißen.

Neben den Figuren, mit denen die Autoren Gernot Gricksch und Julia Drache einfach nichts anzufangen wissen, ist das zweite große Problem, dass sie auch sonst nichts zu erzählen haben. Da wird dann in der zweiten Folge ganze 25 Minuten lang Olafs dementer Opa gesucht. Der hat sich in einem Nebenraum der Tankstelle versteckt und sortiert Kabel des IT-Systems um. Dass man ihn dort in drei Stunden Erzählzeit bei einer Tankstelle, die gefühlt zweieinhalb Räume hat nicht findet, grenzt an ein Wunder. Oder ist einfach schlecht erzählt, so wie die gesamte Serie.

Was daran „mehr als Super“ sein soll, bleibt ein Geheimnis der Macher. Wenn dann noch die ganzen flachen Kalauer dazukommen und mit der Brechstange Klischees gebrochen werden sollen, wie zum Beispiel das Auftauchen der Rockerbande von Olaf, die bei der Suche nach Opa helfen und sich als sensible Dauerheuler herausstellen oder täglich Pflegeprodukte für die Haut benutzen, fragt man sich wirklich ob dieses Witzfiugrenkabniett das einzige Konzept für das Sommerloch war, was ZDF Neo überzeugt hat. Man kann es sich kaum vorstellen.

Tanken –mehr als Super, ZDF Neo, 22:45 Uhr

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