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„Soko Potsdam“, ZDF Morde für Millionen

Mit seinen vorabendlichen „Soko“-Serien hält das ZDF ein Erfolgsrezept in Händen. Der Neuzugang „Soko Potsdam“ erweitert das erzählerische Spektrum.

SOKO Potsdam
Das Soko-Potsdam-Team: Michael Lott (Bernhard Henschel); Katrin Jaehne (Sophie Pohlmann); Caroline Erikson (Luna Kunath); Yung Ngo (Thomas Brandner). Foto: ZDF/Gordon Muehle

Das Ungleichgewicht ist nicht zu übersehen: Die Prestigeserien vor allem kostenpflichtiger Anbieter genießen große Aufmerksamkeit. Von wie vielen Zuschauern sie aber tatsächlich gesehen werden, bleibt der Schätzung überlassen. Konkrete Zahlen werden nicht veröffentlicht. Demgegenüber lassen sich die weltweiten Erfolge konventioneller angelegter Serien verifizieren. Aus einigen populären Titeln haben sich regelrechte Serienstammbäume entwickelt. „Law & Order“ beispielsweise, 2010 eingestellt, lebt in zahlreichen Ablegern fort, eingeschlossen ausländische Adaptionen wie „Law & Order Britain“ und „Law & Order Paris“.

Ähnlich verfuhren die Produzenten von „C.S.I.: Crime Scene Investigation“, auch die von „Navy CIS“ und „Criminal Minds“. Gemeinsam haben diese Formate ihre dramaturgische Struktur. Sie orientieren sich an prozessualen Abläufen, wie sie gerade in der Strafverfolgung gegeben sind – Gesetze, Vorschriften, wiederkehrende Routine. „Procedural“ heißt diese Variante der Krimiserie, und sie ist in Deutschland keineswegs unbekannt. Schon 1958 adaptierten Jürgen Roland und Wolfgang Menge die US-amerikanische Procedural-Serie „Dragnet“ unter dem Titel „Stahlnetz“, nahmen dabei aber einige Veränderungen vor. Wie beim Vorbild griffen sie reale Kriminalfälle auf, wechselten jedoch immer wieder die Schauplätze und ermittelnden Kommissare – die erste anthologische Serie mit wahren Verbrechen im bundesdeutschen Fernsehen, der binnen kurzem weitere nach ähnlichem Muster folgten.

Das Konzept greift noch immer. Seit 1977 die deutsche Procedural-Serie „Soko 5113“ Premiere hatte, hat das ZDF seine „Soko-Familie“ kontinuierlich ausgebaut und ein verlässliches Angebot mit festem Sendeplatz geschaffen: täglich um 18:00 Uhr gibt es eine „Soko“-Episode. Mit Einschaltquoten von bisweilen über vier Millionen Zuschauern – Spitzenwerte auf diesem Sendeplatz. Selbst Wiederholungen werden von über zwei Millionen Krimifreunden verfolgt. Schauplätze der Serien sind unter anderem München, Köln, Leipzig und Wien. Der letzte Neuzugang war in Hamburg angesiedelt, ab heute gibt es eine „Soko Potsdam“.

Alle Serien sind Ensemblestücke. Fealitätsgetreu und dem Titel entsprechend wird die polizeiliche Ermittlungsarbeit in der Gruppe geleistet. Das gilt prinzipiell auch für „Soko Potsdam“. Doch die Autoren Richard Kropf, Bob Konrad, Hanno Hackford, deren Namen mit Serien wie „4 Blocks“ und „You Are Wanted“ verknüpft sind, heben die Kommissarinnen Luna Kunath (Caroline Erikson) und Sophie Pohlmann (Katrin Jaehne) heraus aus dem fünfköpfigen Team. Die Frauen, beide 32 Jahre alt, kennen sich seit ihrer Jugend, verstehen sich oft blind, geraten aber auch mal aneinander. Meist aus privaten Gründen, denn beide folgen unterschiedlichen Lebensentwürfen. Die lebenslustige, mitunter impulsive Kunath lebt in Kreuzberg, nimmt die Dinge locker, liebt ungesundes Essen, mochte sich bislang nicht fest binden. Pohlmann dagegen ist verheiratet, hat einen Sohn (Leván Wollny), bewohnt in Potsdam ein bürgerliches Eigenheim. Brandenburgs Antwort auf „Cagney & Lacey“, wenn man so will.

Die Auftaktfolge beginnt mit einer satirisch angehauchten Szene aus dem Familienleben der Pohlmanns. Sohn Leon hatte dem gleichaltrigen Jannik in der Kita einen Zahn ausgeschlagen, weil der zuvor seiner Actionfigur ein Bein ausgerissen hatte. Leon soll sich entschuldigen und tut das auch, jedoch hörbar halbherzig, sodass der Konflikt nicht beigelegt werden kann. Eigentlich war ein sonntägliches Versöhnungskuchenessen der Elternpaare geplant. Knapp vor der Eskalation wird Sophie Pohlmann zu einem Leichenfund gerufen und jubiliert: „Super!“

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