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„Sgt. Pepper's Musical Revolution“, Arte Nachhilfe in Sachen Fab Four

Der britische Komponist Howard Goodall erklärt, warum „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ ein Meilenstein für die populäre Musik wurde.

„Sgt. Pepper's Musical Revolution“
Szene aus „Sgt. Pepper's Musical Revolution“. Foto: Apple Corps Ltd.

Dass „Lucy in the Sky with Diamonds“ nichts mit LSD zu tun hat, wissen wir ja nun.  Dass auf „Strawberry Fields Forever“  John Lennon „I buried Paul“ murmelt, glauben nur noch Leute, die auch Chemtrails für Zeichen einer Verschwörung halten. Doch dass „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ eines der wichtigsten musikalischen Erzeugnisse des 20. Jahrhunderts ist, darüber sind sich wohl die meisten Hörer der Platte einig. Warum das so ist, erklärt der britische Komponist Howard Goodall in einem einstündigen Feature, das Arte jetzt zum 50. Geburtstag des Meisterwerks sendet.

Am 1. Juni 1967 wurde die LP nach monatelanger Arbeit im Studio veröffentlicht und entwickelte sich rasch zu einer der am besten verkauften Platten in Großbritannien. Ein Grund dafür mag gewesen sein, dass die Beatles beschlossen hatten, nicht mehr live aufzutreten – sie konnten sich wegen des Kreischens ihrer Fans  selbst nicht mehr hören bei den Konzerten, wie Paul McCartney in einem kurzen Filmausschnitt erklärt. Aber die Tüftelei der Fab Four und ihres Produzenten  George Martin führte ohnehin zu Ergebnissen, die damals schwerlich auf die Bühne zu bringen waren. Frank Zappa, an kompositorischer Kompetenz den Briten durchaus ebenbürtig, machte diese Entwicklung später zum Titel eines seiner Platten: „You Can’t Do That on Stage Anymore“.

Es ist das Verdienst von Goodall und seinem Regisseur Francis Hanly, mit präzisen Beispielen zu zeigen, warum sich die Musik der Beatles vom Konzerthallen-Rock entfernte. Denn sowohl das Experimentieren mit den damals zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten der Vier-Spur-Geräte als auch die Verarbeitung musikalischer Traditionen und Einflüsse rechtfertigen das Etikett „Revolution“, auch wenn die – ironisch genug – in Teilen daraus bestand, in der Musikhistorie zurückzugehen.

So demonstriert Goodall, dessen beruflicher Schwerpunkt die Kirchenmusik ist,  bisweilen selbst singend und Takte nachspielend, die Verwendung von Modulationen am Beispiel von Pauls Basslinien in  „Lucy in the Sky...“ und den Rückgriff auf modale Tonleitern bei „She’s  Leaving Home“. Bisweilen wird es dann zu einer kleinen Nachhilfestunde in Sachen Harmonielehre. Und George Harrisons aus dem Rahmen der Platte fallendes „Within you without you“ mit indischen Instrumenten und Rhythmen erklärt Goodall gar zum Ursprung der „Weltmusik“.

Aber er bleibt allemal informativ, etwa wenn er auf die Entstehungsgeschichten der Lieder hinweist. So hatte John ein Zirkusplakat von 1843 entdeckt und die Namen darauf  und kurze Passagen wörtlich für den Text zu „Being For the Benefit of Mr. Kite!“ verwendet. Dass „Penny Lane“ und „Strawberry Fields“ auf Kindheitserinnerungen von Paul und John anspielen, ist eher bekannt, aber Goodall weist darauf hin, dass die Mehrzahl der Songs auf „Sgt. Pepper“, ihres musikalisch experimentellen  und psychedelischen Charakters zum Trotz, von Alltagserfahrungen handeln – exemplarisch im großen Finale mit „A Day in the Life“.

Für Fans sind vermutlich zu wenig Originalstimmen aus den Aufnahmesessions zu hören, zu viele bekannte Standfotos eingeblendet. Verweise auf den Einfluss der Beach-Boys-Platte „Pet Sounds“ fehlen ebenso wie die Erwähnung von Nachahmern, etwa den – vergeblichen  – Versuch der Rolling Stones, mit „Their Satanic Majesties Request“ nachzuziehen. Aber dafür gibt es eben zahlreiche musikalische Details, die belegen, warum die Welt der Popmusik eine andere war nach dem Erscheinen von „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“.

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