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Sexismusdebatte bei Maischberger „Ein gesamtgesellschaftliches Problem“

In der Talkrunde von Sandra Maischberger debattieren ihre Gäste über das Thema „Sexuelle Nötigung“.

Sandra Maischberger
Sandra Maischberger (Archiv) Foto: Imago

Vor mehr als 30 Jahren trat Whitney Houston in einer französischen Late-Night-Show auf und traf auf den französischen Schauspieler Serge Gainsbourg. Als der betrunkene Filmstar beim Anblick von Houston in der Sendung bekundet, er wolle sie „ficken“, verzerrt die Sängerin das Gesicht, und fragte sichtlich beleidigt nach: „Sind Sie sicher, Sie haben nicht ein bisschen zu viel getrunken?“ Das Publikum bricht in Gelächter aus.

Zweifelsfrei: Schon damals war das Verhalten ein Skandal, doch aus heutiger Perspektive scheint dieser Übergriff, noch dazu eines alten weißen Mannes auf eine junge schwarze Frau, nicht nur als geschmackloser Fauxpas eines wilden, betrunkenen Schauspielers, sondern es würde, sehr wohl zurecht, das Karriereende für Gainsbourg bedeuten.

So hat sich die Sensibilität für das Thema Sexismus in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Und auch bei sexuellem Missbrauch hat sich eine Achsenverschiebung vollzogen. 82 Oscars erhielten die Filme, die der Produzent Harvey Weinstein zu verantworten hat, doch auch sein Macht- und Erfolgskonstrukt brach letztlich zusammen: Geschwiegen wird nicht mehr darüber, was der Vergewaltiger seinen Opfern angetan hat.

Doch wieviel Schweigen ist da noch? Denn trotz aller Veränderungen werden bis heute in Deutschland schätzungsweise nur ein Zehntel solcher Vorfälle zur Anzeige gebracht. Die Sat1-Moderatorin Marlene Lufen wurde als 19-Jährige selbst Opfer eines sexuellen Übergriffs und recherchierte im vergangenen Jahr: „Die meisten Frauen, trauen sich nicht darüber zu sprechen.“ Wenn sie die Täter doch anzeigen, zweifle man ihre Glaubwürdigkeit an. Frauen suchten die Schuld bei sich selbst.

Die Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen berichtet von sexistischen Redakteuren in Verlagen in den 80er Jahren, die mehrdeutige Bemerkungen von sich gaben. Dagegen könne man sich als Frau aber wehren. Einige Frauen, die nun in der Öffentlichkeit über ihre Erfahrung sprechen, hätten sich so früher „auf der Karriereleiter hochgeschlafen“. Die Debatte um Sexismus lenke von schwerwiegenderen Themen für Frauen ab. Etwa Diskussionen über Migranten, die ein abschätziges Frauenbild vertreten würden.

Ein gesellschaftliches Problem

Die Journalistin Teresa Bücker widerspricht: Deutsche Männer seien unter der Täterschaft bei Missbrauchsfällen in der Mehrheit. Es handle sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem. Sexismus bereite den Nährboden für sexualisierte Gewalt. Inzwischen müssten in der Öffentlichkeit schon 30 Personen sprechen, damit den Opfern überhaupt geglaubt werde.

Auch der Schauspieler Hannes Jaenicke sagt, in der deutschen Filmszene gebe es solche Vorfälle. Ein inzwischen verstorbener Kollege sei dafür bekannt gewesen, einen Namen nennt er nicht. Ob sich Männer nicht mehr sicher fühlten, was sie tun oder lassen können, versteht Jaenicke nicht: „Das gegenseitige Einvernehmen ist doch klar.“ Ein gegenseitiges Interesse verhandle man beim Flirtversuch schnell aus.

Vor der Talkrunde strahlte die ARD den Spielfilm „Meine fremde Freundin“ aus, in dem ein Mann falschbeschuldigt wird, eine Frau vergewaltigt zu haben. Jaenicke spielte die Hauptrolle. Eine ehemalige Frauenbeauftrage, Anja Keinath, spricht von dem realen Fall Horst Arnold, der von einer Frau zu Unrecht beschuldigt wurde und fünf Jahre deshalb im Gefängnis saß. Keinath, sorgte dafür, dass der Prozess wieder aufgerollt wurde.

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