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Sex-Talk „Heiß & fettig“ Pornos machen unglücklich

Aus einem Lokal auf der Reeperbahn sendet ZDF Neo sein neues Sexmagazin „Heiß & fettig“. Dass die Auftaktsendung gelingt, liegt weniger an Moderator Thilo Mischke als an Gast Paula Lambert.

12.07.2013 06:50
Tilmann P. Gangloff
Wie lautete der Tipp nochmal? Glotze aus und ab ins Bett... Foto: Reuters

Im letzten Jahr, als Paula Lambert zum Talk ins Bett lud, war Sex noch Kultur; zumindest hat das ZDF „Im Bett mit Paula“ auf ZDF.Kultur gezeigt. Der Sender wird jedoch gerade abgewickelt, daher gibt’s den erotischen Sommerschwerpunkt nun bei Neo; da passt er sowieso besser hin. Erster Gast des in einem Reeperbahnlokal produzierten Talkmagazins „Heiß & fettig“, Überraschung, war Paula Lambert.

Das klingt ein bisschen nach Nummer sicher, war aber völlig in Ordnung, weil die Kolumnen- und Buchautorin gar nicht erst zuließ, dass dieses für solche Produktionen gern typische „Huch, sind wir unverkrampft“-Gefühl aufkam. Großen Anteil daran hatte auch Moderator Thilo Mischke. Der sieht zwar aus wie der nette Student von Nebenan und schien zunächst nicht mehr zu tun haben, als der Sexexpertin mundgerechte Stichwörter anzureichen und die Einspielfilme anzusagen, aber mit zunehmender Sendedauer wurde er witziger und sicherer.

Die Qualität der Beiträge war dagegen ausgesprochen heterogen, einige dienten der Wahrheitsfindung nur sehr bedingt. Dazu gehörte ausgerechnet auch Mischkes Selbstversuch in der abschließenden Rubrik „Thilos Kieztagebuch“, bei dem er sich in ein Korsett schnüren ließ, um sich anschließend als Matrosin auf einer Bühne seiner Handschuhe zu entledigen. Seine Anmoderation des Beitrags stellte die Darbietung in einen Zusammenhang mit dem Themenkomplex Sex und Humor, verbunden mit der Frage, ob das zusammenpasse. Da beide Zutaten fehlten, blieb die Frage offen.

App „Bang with friends“

Auch die weiteren Einspieler gehörten zum Teil eher in die Rubrik „Zeitspiel“. Zwei junge Männer besuchten eine androgyne Domina und ließen sich den Hintern versohlen: Das schien noch am ehesten als Anregung für neue Gemeinheiten der früheren Neo-Protagonisten Joko & Klaas zu dienen. Und ob die App „Bang with friends“, die einem helfen soll, auf unverbindliche Weise den kleinen Sexhunger zwischendurch zu stillen, wirklich funktioniert?

Auch bei diesem Film war die Optik letztlich wichtiger als der Informationsgehalt. Gefilmt wird in den Beiträgen offenbar gern mit zwei Kameras, die Umschnitte erfolgen meist unmotiviert, die Bilder werden verfremdet und ruckeln auch mal; so sieht das nun mal aus, wenn ARD oder ZDF Fernsehen für eine jüngere Zielgruppe machen, als sie es gewohnt sind. Und den als Experten befragten Social-Media-Berater Sven Wiesner mit einer Einblendung als „Social Media Freak“ zu titulieren, hätte man sich auch sparen können; so dürfte sich im Grunde jeder Facebook-Nutzer nennen.

Immerhin hatte der junge männliche Apptester gegen Ende richtig rote Bäckchen, womöglich war die ganze Sache ja doch nicht inszeniert. Ein weiterer Selbstversuch, diesmal von „Außenreporterin“ Ariane Alter, die in einem holländischen Institut untersuchen ließ, wie sie selbst auf Pornos reagiert, war dagegen recht aufschlussreich.

Sehenswert war „Heiß & fettig“ zumindest zum Auftakt trotzdem vor allem wegen des Gesprächs mit Paula Lambert, die viele kluge Sachen sagte. Zum Beispiel, dass Pornos „uns alle unglücklich“ machen: weil unerfahrene Menschen meinen, sie müssten es treiben wie die Nähmaschinen. Schön war auch ihre Warnung davor, was passiert, wenn „unbedarft strukturierte Personen“ S/M ausprobieren. Aber am sympathischsten war ihr Sextipp „Glotze aus“. Mit anderen Worten: Wer weniger fernsieht, hat mehr vom Leben. 

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