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„Schöne heile Welt“, ZDF Wie der Hase läuft

Sehenswerte und von Richy Müller toll gespielte Tragikomödie über einen dauernörgeligen Langzeitarbeitslosen, der sein Herz für einen kleinen Flüchtling entdeckt.

Schöne heile Welt
Willi (Richy Müller, links) weiß seinen neuen Nachbarn Franz (N’Tarila Kouka, rechts) für ganz praktische Zwecke einzusetzen. Foto: SWR/Alexander Kluge

Der richtige Mittelweg zwischen Kitsch und Tristesse

Die entsprechende geräuschvolle Untermalung hätte nicht sein müssen, und auch Müller selbst sorgt für kleine Irritationen: Der Film spielt im Badischen, doch Willi klingt, als habe er einen bayerischen Migrationshintergrund; laut SWR soll er jedoch (wie Müller selbst) aus der Kurpfalz stammen. Viel wichtiger für die akustische Ebene ist aber die Musik von Stephan Römer, zumal der Komponist seinen entspannten Jazz mit afrikanischen Liedern durchsetzt hat, die eine fröhliche Lebensfreude verströmen. Römer hat die Songs eigens für den Film geschrieben und mit einem afrikanischen Sänger eingespielt.

Die Musik entspricht Krääs ruhiger Inszenierung, wobei Aufnahmen wie jene von Willis trostloser und wie ausgestorben wirkender Straße einen reizvollen Kontrast zu Römers Kompositionen bilden. Die Musik nimmt in gewisser Weise seinen Sinneswandel vorweg. Erstes deutliches Signal ist Willis Reaktion, als Franz in der Bahn zwei Uniformierte erblickt und Angst bekommt; Willi setzt sich neben ihn und klopft ihm beruhigend auf den Oberschenkel. Krää sorgt ohnehin dafür, dass die Zustände nicht zu idyllisch werden; der Filmtitel ist selbstredend die pure Ironie, und Franz’ Angst hat natürlich ihre Gründe. Außerdem kehrt er eines Tages, als er allein in die Eishalle musste, ohne Schlittschuhe heim. In einem ziemlich coolen Auftritt lässt Willi die drei jungen Männer ihre Tat zwar bereuen, aber das letzte Wort haben dennoch sie.

Der Schluss bleibt der reizvollen Mischung aus Drama und Märchen ebenfalls treu, und auch hier findet Krää genau den richtigen Mittelweg zwischen Kitsch und Tristesse.

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