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„Schöne heile Welt“, ZDF Wie der Hase läuft

Sehenswerte und von Richy Müller toll gespielte Tragikomödie über einen dauernörgeligen Langzeitarbeitslosen, der sein Herz für einen kleinen Flüchtling entdeckt.

Schöne heile Welt
Willi (Richy Müller, links) weiß seinen neuen Nachbarn Franz (N’Tarila Kouka, rechts) für ganz praktische Zwecke einzusetzen. Foto: SWR/Alexander Kluge

Der Mann geht vermutlich schon längst nicht mehr wählen, aber als Dauernörgler, Wutbürger und Verschwörungstheoretiker entspricht er perfekt dem Klischee des Protestwählers, der sein Kreuz aktuell bei der AfD machen würde. Dabei ist Willi (Richy Müller), die Rente in Sichtweite, vor allem ein Rebell in eigener Sache: Der Sturkopf ist der letzte Mieter eines Hauses, das abgerissen werden soll. Er meckert über alles und jeden, was ihn jedoch nicht davon abhält, der Allgemeinheit nach Kräften auf der Tasche zu liegen: Seit der Elektromeister nach dreißig Jahren seine Arbeit verloren hat, erschwindelt er sich als Langzeitarbeitsloser alle nur denkbaren Sozialleistungen; angeblich machen Verdauungsprobleme eine geregelte Beschäftigung unmöglich.

Tatsächlich ist Willi im Grunde ein armes Schwein. Seine einzigen Kontakte sind der stumme Friseur, dem er ständig sein Leid klagt, und die Walküre an der Käsetheke im Supermarkt, die ihm zwar ihr wogendes Dekolletee entgegenreckt, aber nichts mit ihm zu tun haben will, solange er arbeitslos ist. Sein Leben ändert sich, als er im Auftrag eines Kneipenwirts zwei schwarzafrikanische Frauen in dem leerstehenden Mietshaus unterbringt. Eine der beiden hat einen circa zehn Jahre alten Sohn. Als dem Jungen langweilig ist, drückt Willi ihm einen Besen in die Hand, und das ist tatsächlich der Beginn einer Freundschaft, die einen neuen Menschen aus dem Grantler machen wird.

Mischung aus „Glückskind“ und „Dreiviertelmond“

Die Geschichte ist eine Mischung aus dem Fernsehfilm „Glückskind“ (2014) und dem Kinofilm „Dreiviertelmond“ (2011): In „Glückskind“ findet ein verwahrloster Mann (Herbert Knaup) ein Baby im Müll und dadurch neuen Lebensmut, in „Dreiviertelmond“ kümmert sich ein schlecht gelaunter fremdenfeindlicher Taxifahrer um ein sechsjähriges türkisches Mädchen. In „Schöne heile Welt“ nimmt Willi den kleinen Afrikaner Fianarantsoa (N’Tarila Kouka), den er der Einfachheit halber Franz nennt, unter seine Fittiche. Als Franz in seiner Wohnung ein Paar Schlittschuhe findet, fahren sie regelmäßig in die Eissporthalle, denn Franz entpuppt sich als Naturtalent und will unbedingt an einem Eiskunstlaufwettbewerb teilnehmen.

Autor und Regisseur Gernot Krää, 1992 durch den Kinderkrimi „Die Distel“ bekannt und später für den Kinderfilm „Paulas Geheimnis“ (2007) mehrfach ausgezeichnet worden, begeht zum Glück nicht den Fehler, sein realistisches Märchen sentimental zu überhöhen. Willi bleibt seinem Naturell treu, selbst wenn recht bald deutlich wird, dass er an Franz wiedergutmachen will, was er einst verbockt hat: Der Junge hat die Schlittschuhe in einem Kinderzimmer entdeckt, in dem Willi offenbar nichts verändert hat.

Zunächst bleibt zwar offen, was aus dem Kind geworden ist, aber hin und wieder beobachtet Willi heimlich und aus der Ferne einen Rettungssanitäter, der sich später als sein Sohn (David Liske) entpuppt. Davon abgesehen tut Richy Müller nichts dafür, Willi sympathisch wirken zu lassen. Verstohlen huscht bei Franz’ Fortschritten auf dem Eis die Andeutung eines Lächelns über sein Gesicht, aber ansonsten schaut Willi exakt so grimmig drein, wie es angesichts seiner vermeintlich verdrießlichen Lage angebracht ist; schließlich ist er der Einzige, der weiß, „wie der Hase läuft“, während alle anderen durch die Volksverblödung in Radio und Fernsehen gehirngewaschen sind.

Die entsprechenden Szenen spielt Müller mit größtmöglicher verbaler und mimischer Lakonie. Als er die Familie im leeren Haus untergebracht hat, stellt er angesichts einer lautstarken afrikanischen Party zynisch fest, Neger im Haus habe er sich schon immer gewünscht. Aber er profitiert auch von den neuen Nachbarn, und das nicht nur wegen der „Miete“, die er kassiert: Seine Verdauungsprobleme lösen sich hörbar in Luft auf, als Franz ihm einen passenden Tee bringt.

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