Lade Inhalte...

„Saboteure im Eis“, ARD Vom Richtigen und vom Falschen

Die norwegisch-britische Produktion „Saboteure im Eis“ erzählt ein dramatisches Kapitel aus dem Kampf gegen die Deutschen im Zweiten Weltkrieg.

Saboteure im Eis
Wieder ist ein Partisanenteam in der Nähe des norwegischen Kraftwerks gelandet. Foto: NDR/Filmkameratene AS

Die legendäre Begegnung der Physiker Werner Heisenberg und Niels Bohr 1941, von Michael Frayn in dem Theaterstück „Kopenhagen“ ausführlich dargestellt, kommt auch hier ins Bild. Heisenberg sagt zu seinem dänischen Kollegen, ohne mit der Wimper zu zucken: „Solange wir dafür sorgen, dass der Krieg der Wissenschaft dient, ist keine Gefahr.“

So viel Naivität ist schwer zu ertragen, allerdings spielt Christoph Bach den deutschen Atomphysiker dermaßen zurückhaltend, dass es ihm leicht fällt, dennoch Interesse zu wecken. Seinem Gesicht ist wirklich nicht zu entnehmen, was in ihm vorgeht, und womöglich ist da auch gar nichts außer eben dem Willen zum nächsten wissenschaftlichen Schritt. Schillernder lässt sich Eindimensionalität nicht darstellen.

Dabei stellt „Saboteure im Eis“, wie der deutsche Titel des norwegisch-britischen Sechsteilers bereits klärt, eigentlich eine andere Geschichte in den Mittelpunkt.

Das norwegische Publikum wusste 2015 – als die Serie im Land Quotenrekorde brachte – sicher besser als das deutsche, worum es bei der „Operation Schweres Wasser“ ging, die jetzt erst im Untertitel auftaucht.

Der mehrfache, opferreiche und von ambivalentem Erfolg gekrönte Versuch, die Herstellung von Schwerem Wasser in einem im Süden des Landes gelegenen Kraftwerk zu verhindern, gehört zu den großangelegten und diskutierten Ereignissen in der norwegischen Partisanengeschichte: Diskutiert erstens, weil es im Nachhinein als unwahrscheinlich gilt, dass es Heisenbergs Team gelungen wäre, mit Hilfe des nach der Besetzung Norwegens reichhaltig angeforderten Schweren Wassers eine Atombombe herzustellen.

Vielmehr planten die Deutschen zu diesem Zeitpunkt (ab 1942) offenbar nur noch, na ja, „nur noch“ einen Reaktor. Zweitens, weil beim letzten Sabotageakt eine Personenfähre, die Fässer mit Schwerem Wasser an Bord hatte, durch eine an Bord angebrachte Bombe versenkt wurde.

Ersteres ignoriert das Drehbuch von Petter S. Rosenlund nicht, lässt es aber doch beiseite. Wenn das Wort Reaktor nur kurz erwähnt wird, Heisenberg aber nach dem Versenken der Fähre in seinem anschaulich nachgebauten Labor melancholisch das Licht ausmacht, muss der Zuschauer von einem Erfolg auf ganzer Linie ausgehen. Zweiteres, das Versenken der Fähre, wird natürlich thematisiert, hindert aber die anschließende Fröhlichkeit des Organisationsteams nicht. „Saboteure im Eis“ geht in dieser Hinsicht nicht über einen gut gemachten Landserfilm hinaus.

Erst das Ende bringt noch eine zynische Wendung der Ereignisse, denen man zuvor aber mit einiger Spannung folgt, zumal Regisseur Per-Olav Sörensen ein internationales Ensemble, spektakuläre Schauplätze und eine aufwendige Ausstattung zur Verfügung hat. Zumindest, wenn man von den etwas übersichtlich wirkenden Szenen im zerbombten Berlin absieht. Vor den Augen des begabten Pianisten Heisenberg brennt symbolisch ein Flügel ab.

Die Miniserie gibt zudem die Möglichkeit, die Fäden in Ruhe zu knüpfen: Heisenberg arbeitet sich – gemeinsam mit seinem Mitstreiter Carl-Friedrich von Weizsäcker (David Zimmerschied) – stetig nach oben, setzt sich auch gegen die wissenschaftliche Ignoranz der Militärs durch, die ganz schnell etwas Reelles verlangen, „am liebsten etwas, das explodiert“.

In energischem Gegensatz dazu ist es dem norwegischen Chemiker Leif Tronstad (Espen Klouman-Høine) unmöglich, die Politik auszublenden. Seine mit Schwung gehaltene letzte Vorlesung während des Einmarschs der Deutschen geht praktisch in eine Aufforderung zum Widerstand über. Alsbald sieht man ihn in einem Camp in Schottland, wo Alliierte und norwegische Partisanen zusammenarbeiten und unter seiner maßgeblichen Mitarbeit die Aktionen gegen die Anlage bei Rjukan vorbereiten. Die einsatzwilligen Norweger bewegen sich zwischen jugendlichem Leichtsinn und der Bereitschaft, auf Befehl zu sterben. Es ist erschreckend, aber auch erschreckend glaubwürdig.

Und führt zum Thema Kollaboration, hier in Person des maximal angepassten Anlageleiters, einem Angestellten des bis heute höchst aktiven Unternehmens Norsk Hydro. Dennis Storhøi spielt ihn als Technokraten, Opportunisten und blasses Stehaufmännchen. Er ist am Ende die fatalste und erfolgreichste Figur. Man kennt den Typus und ist dann doch wieder verblüfft, wie gut so etwas funktioniert.

Etwas Liebe gehört auch dazu, Heisenberg, Tronstad (der den Krieg nicht überleben wird) und der Hydro-Chef bekommen Frauen an die Seite. Auch hier ist „Saboteure im Eis“ schematisch, aber nicht abwegig.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum