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„Re: Die alternative Fußball-WM“, Arte Die wahre Zitterpartie ist die Visavergabe

Arte zeigt einen Dokumentarfilm über die „alternative Fußball-WM“. Die Teilnehmer: nicht anerkannte Staaten und autonome Gebiete.

Die alternative Fußball-WM
Jubelnde abchasische Fans in London: Hier kämpfen nicht anerkannte Staaten, autonome Gebiete sowie Minderheiten von Abchasien bis Nordzypern um den WM-Titel. Foto: MDR

Preisfrage: Wo liegt Abchasien? Keine Ahnung? Zweite Chance: Ruthenien? Wer’s nicht weiß: Die Größe der Bildungslücke entspricht, bildlich gesprochen, der Größe des Staatsgebietes der beiden genannten Gebiete. Denn beide sind Abspaltungen von anderen Ländern. Abchasien hat sich nach einem Krieg 1992 von Georgien getrennt, Ruthenien, oder auch Karpatenukraine, will weg von der Ukraine. Und beide haben eine weitere Gemeinsamkeit: Sie nahmen jüngst an der alternativen Fußballweltmeisterschaft der Conifa teil. Das ist ein Verband, in dem sich Staaten zusammengefunden haben, die von der Weltgemeinschaft überwiegend nicht anerkannt sind. Weshalb sie auch nicht der Fifa beitreten können. Der „alternativen Fußball-WM“, die jetzt in London ausgetragen wurde, hat Arte einen Dokumentarfilm gewidmet. Autor Dietmar Klumpp hat die abchasische Mannschaft bei der Vorbereitung und der Teilnahme am Turnier begleitet.

Georgien hat schon einmal die Teilnahme Abchasiens blockiert

Die Abchasier waren bei der vorletzten WM Weltmeister geworden. Nun schwört Trainer Beslan Adschindschal seine Mannen auf das Ereignis ein. Das Testspiel gegen die B-Elf des Landes lässt wenig Hoffnung auf die Verteidigung des Titels zu. Aber die wahre Zitterpartie ist ohnehin das Warten auf die Visa-Vergabe. Denn Georgien hat schon einmal die Teilnahme Abchasiens blockiert. Und nach wie vor wird die abtrünnige Republik nur von Transnistrien, Süd-Ossetien, Nicaragua, Venezuela und – natürlich – Russland anerkannt, an dessen Tropf es hängt. Putin zahle, so Autor Klumpp, auch den Haushalt der kleinen Nachbarn.

Diesmal klappt es mit den Visa. Der Deutsche Sascha Düerkop, Generalsekretär der CONIFA, holt die Mannschaft am Flughafen ab. Er hatte zuvor auch schon die Bälle für das Turnier höchstpersönlich in sein Auto verladen, als Mädchen für alles, wie er sagt. Dass  die Veranstaltung in London stattfindet, ist ein Erfolg für ihn, schon weil sich hier auch internationale Presse einfindet. Allerdings auch Georgier, die vor dem Spiel wütend gegen die Anwesenheit der Abtrünnigen protestieren. Dabei solle das Turnier eines unter keinen Umständen sein: politisch. Das beteuert Conifa-Präsident  Präsident Per-Anders Blind vor Beginn der Spiele.

Aber wie kann die Politik hier rausgehalten werden, wenn die Mannschaften aus Regionen kommen, die sich gegen Widerstände für autonom erklären? So nehmen auch Teams aus Luhansk, der Westsahara oder „Padania“ teil, jenem Gebiet Norditaliens, das die rechtsextreme Lega Nord gerne zum eigenen Staat machen würde. Doch Autor Klumpp konzentriert sich auf den Fußball. Das muss man kritisieren, auch wenn er nur 30 Minuten Zeit für seinen Bericht hatte. Die Abchasier jedenfalls werden weiter trainieren müssen, wollen sie den Fußball erneut dafür nutzen, auf ihre Autonomie-Bestrebungen aufmerksam zu machen: Sie sind 2018  in der Vorrunde ausgeschieden.

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