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„Private Banking“, arte Allein unter Alphatieren

Der Schweizer Zweiteiler um die idealistische Erbin einer korrupten Privatbank hakt viele alte Klischees ab, überzeugt aber mit herausragenden Schauspielern und einer bitteren Schlusspointe.

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Zwischen Edi Luchsinger (Dietrich Siegl, rechts) und Carolines Stiefbruder Alexander Weyer (Fabian Krüger) tobt ein Machtkampf. Foto: (ARTE/SSR)

Die inoffizielle EMC (European Miniseries Contest) den arte in den letzten Monaten veranstaltet, macht nach so illustren Schauplätzen wie Großbritannien, Frankreich, Norwegen und Belgien (sowie nach kleinen Abstechern nach Australien und Neuseeland) nun in der Schweiz Station. Dort geht es, wie sollte es anders sein, um das Bankwesen. Um es vorweg zu nehmen: das wird nicht das einzige Klischee an diesem knapp dreistündigen Zweiteiler bleiben.

Gerade im internationalen Vergleich, den arte derzeit anbietet, wird sehr schnell klar, welche Miniserien die revolutionären Elemente an Bord haben, die dieser Form zu ihrer derzeitigen Renaissance verholfen habe (erzählerische Komplexität, moralische Ambiguität und ein eher literarischer Zugang zur Dramaturgie) und welche nicht. Und „Private Banking“ ist ganz klar ein traditioneller Zweiteiler der alten Schule, der keineswegs das Rad neu erfinden möchte.

Sogar inhaltlich scheint die Serie dringend zu den Themen der Vergangenheit zurückkehren zu wollen: Das Schweizer Bankgeheimnis ist frisch aufgehoben, aber natürlich geht es immer noch um Schlupflöcher, so dass alle das gleiche machen wie immer. Es geht um edle Uhren und Steuerhinterziehung, um Ski-Ressorts und schmutzige Geschäfte in Südafrika. Die modernen Realitäten nach dem Bankencrash, nach den Panama Leaks, das alles taucht nur extrem am Rande auf – die Serie hätte man so auch vor zehn oder zwanzig Jahren schreiben können. Dass die Grundgeschichte um eine Familienaußenseiterin, die nach dem Zusammenbruch des Patriarchen überraschend die schmutzigen Familiengeschäfte übernehmen muss und ihren Idealismus verliert, direkt vom nun schon 45 Jahre alten „Paten“ abgekupfert scheint, macht die Serie auch nicht gerade moderner.

Es ist vor allem diese Entscheidung, ein Familienunternehmen zu erzählen, das diese Serie klar in der altbackenen Seite des Spektrums einordnet. Es ist der gleiche Fehler, den schon vorletztes Jahr der deutsche Bankenkrise-Fernsehfilm „Der Bankraub“ beging – und genau der Fehler, den eine echte Qualitätsserie wie „Bad Banks“ so treffend vermieden hat.

Denn wie schon beim „Bankraub“ gehören auch bei „Private Banking“ die Familien-Eskapaden zu den schwächsten Momenten: Der Bruder (Fabian Krüger) ist ein eindimensionaler, ständig aufbrausend grimassierender Bösewicht; die behauptete Liebe zum seit Jahren entfremdeten Vater wird erschüttert durch das Finden weiterer Stiefgeschwister... all diese Soap-Elemente sollten in der schönen Bankenserie wahrlich nicht zu suchen habe.

Dankbarerweise hat das Casting ganze Arbeit geleistet. Stephanie Japp spielt wirklich groß auf und kriegt die Transformation von der herrlich heruntergekommenen Suchttherapeutin zur eiskalten Großbankerin in jeder Stufe glaubhaft hin. Marc Benjamin darf den eigentlich eindimensionalen Schmier-Italiener Marco Antonelli als durchaus sympathischen und charmanten Fixer spielen, dessen faszinierendes Talent leider völlig auf der illegalen Seite liegt. Und dann gibt es da noch Anna Schinz, deren Rolle als „compliance officer“ als Echtzeit-Expositionsmaschine beginnt, bevor Schinz, die für ihre Arbeit hier genau wie Japp völlig zurecht de Schweizer Fernsehpreis erhalten hat, die undankbare Rolle dank ihres Charismas und ihrer Kunst in eine wirklich faszinierende Figur verwandelt.

Insofern wirkt alles ein wenig altbacken, als wäre das Drehbuch schon in den Achtzigern geschrieben und nur oberflächlich auf die heutige Zeit angepasst worden. Aber wenn man nichts Revolutionäres erwartet, dann findet man hier einen solide geplotteten und streckenweise herausragend gespielten Zweiteiler mit einer schönen Schlusspointe, den man sich durchaus anschauen kann.

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