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Polizeiruf Wenn Ermittler küssen

Der doppelte "Polizeiruf" in Magdeburg und Rostock handelt von dem turbulenten Umbruch in der ehemaligen DDR und späterer übler Geschäftemacherei. Auch bei den Ermittlern geht es da nicht immer ganz professionell zu.

König (Anneke Kim Sarnau) befragt Joseph Tischendorf (Philipp Hochmair). Foto: NDR/Manju Sawhney

Der doppelte "Polizeiruf" in Magdeburg und Rostock handelt von dem turbulenten Umbruch in der ehemaligen DDR und späterer übler Geschäftemacherei. Auch bei den Ermittlern geht es da nicht immer ganz professionell zu.

Zuletzt wird auch ein „Tatort“-Kollege noch mit einem ironischen Augenzwinkern erwähnt, denn am Telefon ist: „ein Herr Tschiller in Hamburg, versteht man kaum, nuschelt“ (über Til Schweigers Nuscheln beschwerten sich Zuschauer scharenweise).

Die „Polizeiruf“-Truppen aus Magdeburg und aus Rostock dürfen diesmal gemeinsam einem komplexen kriminellen „Wendemanöver“ auf die Spur kommen – König trifft also auf Drexler, Brasch auf Bukow –, aber die Doppelfolge unter der Regie Eoin Moores (und mit einem Drehbuch Thomas Kirchners, Moores und Anika Wangards) kann nicht so ganz rechtfertigen, warum man für eine 08/15-Handlung gleich zweimal neunzig Minuten braucht. Und warum doch trotz zweimal neunzig Minuten viele Untaten-Details im erheblich Vagen bleiben.

Mit einem Sprichwort kurz gesagt geht es darum, dass Gelegenheit Diebe macht und gerade auch bei der Wiedervereinigung gemacht hat: In den Monaten des Umbruchs in der dann plötzlich Ex-DDR ließ sich offenbar exzellent mauscheln.

"So'n Arschloch wie die Wessis"

Wörter wie „Transferrubelbetrug“ fallen, dubiose Firmen kommen ins Spiel, die „Wotan Logistic“ und „Rheingold Group“ heißen (der Proll Pöschel, sieh an, erweist sich als durchaus nicht unkundig in Sachen Wagner). Man rühmt sich umweltfreundlicher Technologien, man verkauft womöglich heimlich Waffen. Linke Aktivisten, die zu jung sind, um den real existierenden Sozialismus noch erlebt zu haben, formulieren da schwungvoll, einer sei „so’n Arschloch wie diese Wessis“.

In Magdeburg wird ein Brandanschlag auf ein Unternehmen verübt, die Frau des Juniorchefs kommt dabei ums Leben. In einem Rostocker Hotel wird ein Wirtschaftsprüfer erschossen. Beide telefonieren kurz vor ihrem Tod noch miteinander. Doreen Brasch, Claudia Michelsen, hat plötzlich Katrin König, Anneke Kim Sarnau, an der Handy-Strippe. So gibt es bald regelmäßige Konferenzschaltungen – und auch persönliche, nun ja, Begegnungen.

Denn trotz verwickelter Ermittlungen muss doch auch das kommissarische Privat- und Vorleben ordentlich ran. Nach wie vor am spektakulärsten das Alexander Bukows, bewährt zupackend gespielt von Charly Hübner. Suspendierung und Zwangsgespräche bei der „Psychotante“ hin oder her, der Dietrich sitzt bei ihm locker, auch holt er seinem Papa Pillen aus dem Feuer und versteckt eine Leiche (die der Papa dann noch besser versteckt). Natürlich stürzt ihn das in schlimmeren Schlamassel (und der schlimmste Bukow-Schlamassel sorgt für den Cliffhanger zwischen Folge eins und zwei). Und natürlich hält Kollegin König zu ihm – wenn sie nicht gerade mit einem Verdächtigen flirtet.

Es sind vor allem die amourösen Verstrickungen, die in „Wendemanöver“ überraschen – warum nicht. Die kühle Frau König, LKA, interessiert sich für den netten Kapitalistensohn. Doreen Brasch versteigt sich zu einem Bussi für Pöschel, Andreas Guenther (man würde meinen, er ist so gar nicht ihr Typ). Und am spektakulärsten: Kommissar Drexler, Sylvester Groth mit dem feinen Pokerface, hatte mal eine Liebschaft mit einem Kollegen, der nun auch in der ein oder anderen Sache verdächtig ist. Haben wir vielleicht doch irgendwie geahnt, dass der meist formvollendete Jochen Drexler homosexuell ist?

Verdientermaßen hat er auch das unmittelbar einleuchtende Schlusswort: „Nicht wirklich“ antwortet er auf die Frage seiner Kollegin Brasch, ob alles in Ordnung sei. Wir werden die Unordnung gern im Auge behalten, lieber aber wieder bei getrennten Ermittlungen. 

 

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