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Plasberg Wenn das Handy nicht mehr klingelt

Smartphone und Tablet-Computer machen uns das Leben leichter - und zugleich komplizierter: Frank Plasberg diskutiert über das digitale Leben in ständiger Erreichbarkeit.

03.07.2012 06:58
Michael G. Meyer
Das Fernsehen hätte gerne unsere volle Aufmerksamkeit: Plasberg diskutierte über das digitale Leben. Foto: dapd

Vor zwanzig Jahren wurden die ersten beiden Mobilfunknetze in Deutschland aufgeschaltet.  Der Spiegel widmete in dieser Woche seine Titelgeschichte der „Digitalen Diät“, sprich: dem Abschalten von Handy und Computer, und auch Frank Plasberg diskutierte gestern Abend über das Leben in ständiger Erreichbarkeit und Wege, wie man da rauskommt. Kleinster gemeinsamer Nenner war: iPhone, BlackBerry, Tablet-Computer – all diese Geräte vereinfachen und verkomplizieren unser Leben gleichermaßen - denn sie verführen eben zu ständiger Erreichbarkeit.  

„Schnelligkeit gehört eben dazu, ohne diese Geräte können Sie heute nicht mehr an der Spitze arbeiten“, meinte Joachim Sauer, langjähriger Personalchef bei Airbus. Aber nicht nur Spitzenkräfte sind auch im Urlaub und am Wochenende erreichbar, eine Zufallsumfrage am Flughafen ergab in der gestrigen Sendung: Irgendwie fummelt fast jeder im Urlaub an seinem Handy oder Laptop  herum, einfach weil es erwartet wird, und viele Arbeitnehmer es freiwillig mitmachen. 

Als Negativ-Beispiel wurde das unternehmensinterne Internetportal „fastpool“ erwähnt, dem sich unter anderem H&M bedient.  Mitarbeiter werden dort stundenweise abgerufen, wenn Not am Mann oder an der Frau ist. Wer zuerst zurückmailt,  mahlt zuerst - schöne neue Arbeitswelt.

Leni Breymaier, Verdi-Vorsitzende Baden-Württemberg und ehemalige Verkäuferin im Einzelhandel, meinte, dass viele Branchen und gerade der Einzelhandel „außer Rand und Band“ seien, und der hyper-flexible Arbeitsrhythmus viele Menschen kaputtmache.  Als bessere Sozialdemokratin und Arbeitsrechtlerin zeigte sich gestern Abend  Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen. „Viele Menschen sind unerträglichen psychischen Belastungen ausgesetzt, wir haben 53 Millionen Fehltage pro Jahr in Deutschland“, betonte von der Leyen, die gleichwohl keine Verschärfung des Arbeitsrechts will, denn das sei schon jetzt ein scharfes Schwert. 

Wirklich?  In zahlreichen Jobs scheint heute eine ständige Erreichbarkeit zum „Common sense“ und zum Arbeitsleben dazuzugehören – wer weiterkommen will, für den gilt das sowieso.  Viele kommen damit klar. Viele aber auch nicht.  Matthias Onken, Journalist, kündigte mit Ende 30 seine Festanstellung und arbeitet  heute freiberuflich.  Der ehemalige Bild-Ressortleiter litt an einem Burnout und veränderte sein Leben komplett.  „Ich habe mich 16 Jahre gequält, mein Arzt hat gesagt:  Das wird auch 16 Jahre dauern, bis Du soweit wieder hergestellt bist, bis Du wieder so bist, wie vorher“. 

Vielleicht, so eine Erkenntnis der Plasbergschen Runde, muss man im Kleinen anfangen: Schalten Sie doch einfach ab und zu mal Ihr Handy aus.

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