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„PanamaPapers“, ARD Ein Überblick, viele Fragen

Eine Dokumentation am Montagabend in der ARD beschäftigt sich mit den Panama Papers und schafft es, einen Überblick über die Funktionsweise von Briefkastenfirmen zu geben. Die Protagonisten der aktuellen Affäre schweigen sich aber weiter aus.

Panama City, der Ort der Geschehens. Foto: REUTERS

Deutlich wird nach einer Stunde Dokumentation mit dem Namen „PanamaPapers – Im Schattenreich der Offshorefirmen“ vor allen Dingen eines: Keiner will sich äußern, der namentlich in 11,5 Millionen Dokumenten auftaucht. Egal wo Reporter Christoph Lütgert mit seinen Kollegen hinfuhr: Anfragen in Panama wurden abgelehnt, Fragenkataloge in Russland nicht beantwortet, Interviews in Island abgebrochen.

Jürgen Mossack etwa versteckte sich in seinem Haus hinter hohen Mauern mit Stacheldraht und schickte an einem Tag einen Sicherheitsmann zur Absage vor die Tür, an einem anderen Tag seinen Pressesprecher. Er ist der Gründer der Kanzlei, die im Zentrum der Veröffentlichungen steht.

Der überreichte den etwa 25 wartenden Journalisten aus aller Welt lediglich eine schriftliche Erklärung, in der die Kanzlei verlauten ließ, sie habe keine illegalen Geschäfte gemacht, betreibe keine Geldwäsche und würde sich von Klienten trennen, sofern sich herausstelle, dass diese an krummen Dingen beteiligt seien. Soweit, so bekannt.

Allerdings betreute die Kanzlei den geleakten Unterlagen zufolge wissentlich neben Politikern, Sportlern, Prominenten und Banken auch zwielichtige Klienten von der italienischen Mafia und  lateinamerikanische Drogenbarone wie Rafael Caro Quintero aus Mexiko, der inzwischen zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt wurde: In einer E-Mail schrieb Mossack „Pablo Escobar war ein Baby im Vergleich zu Rafael Caro Quintero. Ich möchte nicht zu denen gehören, die von ihm aufgesucht werden, wenn er aus dem Gefängnis kommt.“

Recht versus Moral

Dass einer seiner Bekannten den Unternehmer Mossack in der Dokumentation als hervorragenden Anwalt bezeichnet, der in Panama legale Geschäfte abwickele wie jeder andere auch, macht es nicht besser und zeigt einmal mehr die Problematik: Denn auch wenn die Konstruktion, der Verkauf und die Betreuung von über 214.000 Briefkastenfirmen durch die Kanzlei Mossack Fonseca vielleicht nicht illegal war, so war sie wie sich mehr und mehr andeutet, in vielen Fällen zumindest sehr unmoralisch.

Wie etwa auch im Fall des israelischen Milliadärs Benjamin Steinmetz, der sich zunächst über einen Strohmann an die vierte Frau des Diktators von Guinea wandte und ihr anschließend über zwei Briefkastenfirmen einige Millionen zukommen ließ, damit sie ihren Gatten überredete, Steinmetz die Abbaurechte für das weltweit größte noch unerschlossene Eisenerzgebiet zu schenken. Wenige Monate später verkaufte Steinmetz die Rechte nach Brasilien: Für 2,5 Milliarden Euro. Guinea, eines der ärmsten Länder der Welt, verlor somit wertvolle Bodenschätze und erhielt im Gegenzug dafür nichts. Inzwischen hat die Regierung die Abbaurechte entzogen, ein internationales Gericht verhandelt die Sache. Und Steinmetz? Der macht, was alle anderen auch machen: Er äußert sich nicht und leugnet ein Fehlverhalten.

Was der Dokumentation gut gelingt, ist es, den zahlreichen Meldungen und Berichten seit dem vergangenen Wochenende, einen Überblick mit passenden Bildern und Beispielen zu liefern. Durch den Selbstversuch Lüttgers, mit wenigen Klicks eine Briefkastenfirma in Panama anzulegen und diese sogar anschließend zu besuchen, kann sich der Zuschauer besser vorstellen, was die Firmen eigentlich sind: Konstrukte in leeren Räumen, häufig nicht mal mehr mit einem Briefkasten. Ebenfalls wird deutlich, von welchen Leuten sie genutzt werden und welche Motive dahinterstecken können.

Und so scheint der einem Medienunternehmen bisher größte anonym zugespielte Datensatz bisher zwar viele Dinge aufzudecken, die sonst vermutlich nicht ans Licht gekommen wären. Was der Film dem interessierten Zuschauer hingegen nicht liefern kann, sind neue Antworten. Dafür müssten entweder noch weit umfassendere Informationen und Beweise offengelegt werden oder aber, die Profiteure der Dienstleistungen von Mossack Fonseca sprechen.

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