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„Nidals Liste – Gotteskrieger in Europa“, Arte Filmische Nebelbombe

Arte zeigt einen Syrer, der offenbar eigenmächtig sogenannte „Gefährder“ in Deutschland aufspürt.

Nidals Liste
Nidal Kouba auf Recherchefahrt. Foto: (BR)

Ist er ein Jäger oder ein Gejagter? So lautet die Eingangsfrage der Arte-Sendung Nidals Liste – Gotteskrieger in Europa, die weder richtig Reportage noch wirklich Dokumentarfilm ist. Für eine Reportage ist der Beitrag nicht informativ und sachlich genug, für einen Dokumentarfilm zu journalistisch. Auch fehlt, was das Genre ausmacht, dass er an seinem Subjekt Wirklichkeit (nicht Wahrheit) aufzeigt. Ihre Eingangsfrage werden die Regisseure Ahmet Senyurt und Ulrich Hagmann in den 90 Minuten des Films nicht beantworten, es geht ausschließlich um Nidal als Jäger. Zwar wird hier und da erwähnt, dass er Bodyguards hat, man sieht sie auch kurz im Bild. Was dahinter steckt, findet keinerlei Erwähnung.

Nidals Jagd wird durch endlose Autofahrten dargestellt, während derer genügend Zeit und Ruhe ist, die Geschichte mal vom Beifahrersitz, mal von der Rückbank aus zu erzählen: Nidal Kouba kam 1985 als Kind mit seinen Eltern als Asylbewerber aus Syrien nach Deutschland und ist heute deutscher Staatsbürger. Der 40-jährige Vater von fünf Kindern betrieb ein erfolgreiches Geschäft, bevor er 2011, als der Aufstand in Syrien begann, in sein Geburtsland ging, um zu helfen.

Als die bewaffnete Revolution anfing, griff er zum Gewehr, obwohl er es friedlich besser gefunden hätte. Es schloss sich der Freien Syrischen Armee (FSA) an, so die Erzählstimme aus dem Off, wo er Führungspositionen übernahm und Presseoffizier wurde. Es werden zur Illustration Videoausschnitte eingeblendet, die Nidal Kouba als Journalisten im Feld zeigen sowie Bilder, die er von Kämpfern aufgenommen hat. All das ist gewissermaßen egal, denn wie auf den meisten Videos von Milizen aus dem syrischen Bürgerkrieg sieht man letztendlich nichts.

Der Informationsgehalt ist, wohlwollend ausgedrückt, gering, und in Nidals Videos ist noch nicht einmal, wie sonst üblich, das Logo der Miliz eingeblendet oder die Adressen ihrer Social Media Seiten. Man hat keine Chance herauszufinden, wer da kämpft. Die FSA ist eine schwammige Sache, im besten Falle ist sie ein Dachverband von Milizen, ohne dass dieser eine Struktur hätte oder es einen verbindlichen Ansprechpartner gäbe. Aron Lund, Herausgeber von Syria in Crisis des Carnegie Middle East Center, zeigt in seinem Text The Free Syrian Army Doesn’t Exist, der im März 2013, also der Zeit als Nidal sich zur FSA zählte, auf Syria Comment erschien, dass von der Freien Syrischen Armee zu sprechen inhaltsleer ist. Lund fordert von der Presse den Begriff FSA nicht mehr zu benutzen, nur um einen Durchblick zu suggerieren, den niemand hat.

Zurück zu Nidal’s Liste: Als 2014 der Islamische Staat und andere islamistische Fronten aufkamen, so Nidal, habe er vorsichtig sein müssen und Syrien erstmal verlassen. Aus dem Off-Kommentar erfährt man, dass viele seiner Kämpfer zum IS oder zur syrischen al-Qaida gewechselt seien, weil die bessere Ausrüstung und mehr Sold versprochen hätten. Nidal führt eine Liste mit mehr als 800 Namen dieser übergelaufenen Kämpfer seiner Brigade, die nun teilweise als Flüchtlinge nach Europa kommen. Sie hätten Blut an den Händen, und er, Nidal, fordere Gerechtigkeit.

In einem Auftrag, der zu keiner Zeit in dem Film definiert und im Pressematerial von Arte als selbsternannt beschrieben wird, spürt er die Männer europaweit auf. In Deutschland, Schweden, Griechenland und Belgien sind wir dabei, wie seine dortigen Verbindungsleute Nidals informelle Verhöre in Cafés, Imbissbuden und Privatwohnungen mit versteckter Kamera aufnehmen, um Indizien zu finden, dass die Männer den Ländern, die ihnen Schutz gewähren, gefährlich werden könnten.

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