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„New Blood - Tod in London“ im ZDF Frisches Blut? Jugendliches Feuer!

Im ZDF startet die BBC-Serie „New Blood“, in der zwei unerfahrene Ermittler vieles falsch – und zuletzt immer alles richtig machen.

New Blood – Tod in London (1)
Ermittler-Frischlinge: Stefan Kowolski (Mark Strepan, l.) und Arash Sayyad (Ben Tavassoli). Foto: ZDF/Des Willie

Wer es an den Haaren herbeigezogen findet, was „Tatort“-Kommissare im Job so alles mitmachen und idealerweise überleben müssen, der wird an der jetzt im ZDF startenden, bei der britischen BBC eingekauften Krimiserie „New Blood – Tod in London“ eher keine Freude haben: Die beiden Ermittler-Frischlinge haben hübsche Köpfchen (einer blond, einer schwarz) und manchmal zerbrechen sie sich diese auch, doch stolpern sie voll Naivität und jugendlichen Feuers von einer brenzligen und beinah tödlichen Situation in die nächste. Nach drei Folgen, spätestens, hat sich das ein wenig abgenutzt. 

Der Krimi um Krimi und Drehbuch um Drehbuch liefernde Anthony Horowitz hat sich das Gespann ausgedacht: Stefan Kowolski, blond, ist polnischer Abstammung, Arash „Rash“ Sayyads wohlhabende Familie musste aus dem Iran fliehen. Der eine, gespielt von Mark Strepan, ist Junior-Ermittler im Serious Fraud Office (SFO, Betrugsdezernat), und untersucht also vor allem Wirtschaftskriminalität. Der andere, im wahren Leben heißt er Ben Tavassoli, ist Trainee-Detective im Criminal Investigation Department (CID). 

Das sind völlig unterschiedliche polizeiliche Abteilungen; in der ersten Folge muss also eine Verbindung hergestellt werden zwischen Rash und Stefan.

Letzterer ist undercover in einer Pharmafirma eingeschleust worden; ersterem fällt auf, dass ein angeblicher Selbstmörder Spuren von Klebeband an den Handgelenken hat.

Außerdem hat dieser vor Jahren als britischer Rucksack-Tourist in Indien an einem Medikamententest teilgenommen. Außerdem haben weitere dubios ums Leben Gekommene damals auch als 600-Pfund-Versuchskaninchen gedient. Spätestens da trapst die Nachtigall mit Siebenmeilenstiefeln durch den Film. 

Die beiden Ermittlerfrischlinge konkurrieren bei einem Triathlon, laufen sich natürlich gleich wieder über den Weg, zuerst noch quasi inkognito, mischen halblegal bis illegal überall mit, werden jeweils aus ihrem Job geschmissen, recherchieren trotzdem weiter, was sonst. (Und Rash hat, was für ein Zufall, eine äußerst attraktive Schwester. Stefan verliebt sich binnen gefühlten drei Zehntelsekunden.)

Es schweißt die zwei zusammen, dass sie um ein Haar gemeinsam in die Luft fliegen, dass man auf sie schießt (allerdings zielen die bösen Buben schlecht), dass sie aus dem x-ten Stock in einen Hotelpool springen müssen, um ihr Leben zu retten. Glücklicherweise sind sie ja jung und sportlich. 

Und glücklicherweise haben sie verständnisvolle Chefs, die sie seufzend feuern, wieder einstellen, wieder feuern, wieder einstellen, suspendieren usw. Anna Chancellor spielt mit exquisiter britischer Coolness Stefans Vorgesetzte, Ariyon Bakare ihren fast ebenso coolen Senior Case Officer. Mark Addy ist der robuste Profi Derek Sands, der mit dem unerfahrenen Trainee Rash zusammengespannt wird. Und Dorian Lough gibt den markant zerknitterten, ziemlich geduldigen Morddezernatsleiter. 

Verglichen mit den Jungspunden sind sie die interessanteren Schauspieler. Allerdings müssen sie auch nicht dauernd rennen und ihre Haut knapp retten.

Gern wird rasant geschnitten wie im Popvideo oder der Zeitraffer bemüht (Regie: Anthony Philipson). Das ZDF hat aber offenbar sieben kurze zu drei langen, je zweistündigen Folgen zusammengefasst. So dass der leicht irritierende Eindruck entsteht, die Serienmacher nehmen es mit Auslassungen einerseits leicht, ziehen immer wieder das Tempo an, nehmen sich andererseits alle Zeit der Welt, diverse Handlungsstränge zu verknüpfen. 

Britische Kritiker waren ein wenig genervt davon, dass alle Viertelstunde oder so die Wohnungssituation der beiden Ermittler und damit auch die katastrophale (Miet-)Lage in London thematisiert wird. Allerdings ist es das dann schon fast, was vom Privatleben der jungen Männer zur Sprache kommt. Da ist der deutsche „Tatort“-Gucker doch anderes gewöhnt. 
 
 

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