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„Neben der Spur“, ZDF Komplizierter morden

Der neue ZDF-Krimi aus der Reihe „Neben der Spur“ lebt davon, dass Ulrich Noethen im Wirrwarr seine Integrität wahrt.

Ronald Zehrfeld spielt den geistig und seelisch deutlich mitgenommenen Bundeswehrveteranen Friesner. Foto: ZDF und Christine Schroeder

Kriminalautoren und ihre Helfershelfer in den Fernsehanstalten dürfen Bibelzitate unnütz gebrauchen, ohne dass der Herr sie straft. Darum trägt der jüngste Beitrag der losen ZDF-Reihe „Neben der Spur“ den Titel „Dein Wille geschehe“, obwohl keinem hier besonders nach Religion zumute ist.

Mathias Klaschkas Drehbuch, locker angelehnt an das gleichnamige Buch des Australiers Michael Robotham, beginnt flott und schaurig – nämlich auch ganz und gar rätselhaft – und endet in etwas herkömmlichen Perverslings-Komplikationen. Dass „Dein Wille geschehe“ dazwischen über weite Strecken funktioniert, liegt an der trefflichen Besetzung, von Regisseur Anno Saul in einem hypermodernen Hamburg in Szene gesetzt. Ulrich Noethen als Psychiater ist wie immer gleich in mehrfacher Hinsicht gefordert – er ist immer noch unheilbar krank, seine Frau ist immer noch zu schön für ihn; auch kann er einen Selbstmord nicht verhindern, obwohl er genau vor ihm stattfindet; auch kann er den Missetäter nicht erkennen, obwohl er genau vor ihm steht; auch wird er wie immer aufs Übelste selbst in die Geschichte hineingezogen.

Er blamiert sich von Herzen

Tatsächlich bleibt Noethen aber auch diesmal ein vernünftiger Mensch in unmöglicher Lage. Selbst die hinreißende Szene, in der er den potenziellen Liebhaber seiner Frau blamiert bis auf die Knochen – nur er selbst blamiert sich noch mehr, aber Noethen lässt uns sehen, dass es manchmal die Sache wert ist –, ist mit jener Beiläufigkeit inszeniert, die umso mehr Präzision verlangt.

Luise Wolfram, die die gestörte, aber effizient einsetzbare Computerspezialistin im Bremer Tatort spielt, hat eine Art Cameo-Auftritt, der leider (oder coolerweise) folgenlos bleibt. Psychiater Joe, durchaus geeignet, einem mit seinen Überlegungen zur Seele im Allgemeinen erheblich auf die Nerven zu fallen, führt hier lehrbuchmäßig vor, wie man seine Integrität bewahrt, ohne in der Zuschauergunst zu verlieren. Anderthalb Stunden für Ulrich Noethen, fürwahr, zumal der Kollege fürs Grobe, Ruiz, Juergen Maurer, diesmal nur einmal ernsthaft jemandem hinterherwetzen muss. Beinahe ist zu hören, wie Noethen ruft: Fass, Ruiz, fass.

Die kriminalistische Handlung, die verliert, wenn man sie zu durchschauen anfängt, bringt Ronald Zehrfeld als geistig und seelisch deutlich mitgenommenen Bundeswehrveteranen ins Rennen. Er macht das Beste draus, ebenso wie die Figur, ebenso wie der Film. Ein kaum fassbarer verbrecherischer Aufwand, der auch diesmal bemüht werden muss, um die Handlung irgendwie voranzutreiben, endet gleichwohl bescheiden. Die allerschlimmsten Gesellen wollen manchmal einfach nur kurz mit ihrer Tochter telefonieren.

„Neben der Spur: Dein Wille geschehe“, ZDF, Mo., 20.15 Uhr.

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