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„Nachtschicht: Es lebe der Tod“, ZDF Man stirbt nur zweimal

„Es lebe der Tod“ ist eine makabre Komödie mit großartiger Besetzung aus Lars Beckers stets sehenswerter ZDF-Krimireihe „Nachtschicht“.

Nachtschicht - Es lebe der Tod
Anita (r.) glaubt, dass ihr Mann tot ist: Mimi Hu (Minh-Khai Phan Thi), Lisa (Barbara Auer) in der „Nachtschicht“-Folge „Es lebe der Tod“ Foto: Marion von der Mehden/ZDF

Seit 15 Jahren erfreuen Lars Becker und das ZDF nun schon zuverlässig einmal pro Jahr mit einem „Nachtschicht“-Krimi. Die Vorzeichen wandeln sich, doch die Qualität bleibt stets weit über dem Fernsehdurchschnitt. Mal konzipiert der Autor und Regisseur die Geschichten als Komödie, mal als knallharten Neo-Noir-Thriller, aber erzählerisch unterscheiden sich die Filme regelmäßig von der sonstigen Krimikost.

In „Es lebe der Tod“, dem 15. Film der Reihe, gibt vor allem die Musik den Ton vor: Gerade für den ersten Akt haben Stefan Wulff und Hinrich Dageför einen sehr lässigen Lounge-Stil gewählt, der an „Heist-Movies“ wie „Ocean’s Eleven“ erinnert. Filme dieses Genres sind im weitesten Sinn Krimikomödien und handeln von spektakulären Raubüberfällen; Identifikationsfiguren sind die Räuber. Die beiden Antihelden, die die ersten Szenen von „Es lebe der Tod“ dominieren, sind allerdings nur bedingt Sympathieträger, und sie wollen zunächst auch nichts klauen, sondern im Gegenteil etwas loswerden: Möbelhauskönig Johnny de Groot (Roland Koch) ist in den Armen seiner Lieblingshure Zora (Almila Bagriacik) jenen Tod gestorben, von dem angeblich die meisten Männer träumen.

Angelo und Claude (Frederick Lau, Murathan Muslu), die Betreiber des kurz und bündig „Sex House“ genannten Etablissements, wollen jeden Ärger vermeiden und den Toten so schnell wie möglich loswerden. Dummerweise hat Zora in ihrer Panik einen Alarm ausgelöst, sodass umgehend die Beamten vom Kriminaldauerdienst im „Sex House“ auftauchen. Kurzerhand arrangieren die beiden Kumpane den toten Johnny als betrunkenen Gast an der Theke, anschließend dann bringen sie ihn in den Wald. 

Damit fangen die Probleme allerdings erst richtig an: Zunächst wirkt es wie ein Besetzungsgag, dass sich Roland Koch für die Rolle als Leiche hergegeben hat, doch während die beiden Halbweltganoven noch miteinander diskutieren, ist Johnny unversehens wieder putzmunter und stellt sich erst mal zum Pinkeln an einen Baum; aber das ist nur eine Gnadenfrist. Angelo demonstriert seinem Partner ein Schießkunststück, wie es das in dieser Form in deutschem Fernsehen vermutlich noch nicht gegeben hat; in einer Ballsportart würde man von einer „no look“-Aktion sprechen. Die beiden haben keine Ahnung, dass ein Vogelstimmensammler (Philipp Hochmair) im benachbarten Hochstand die ganze Aktion aufgenommen hat.

Der Auftakt erinnert an Alfred Hitchcocks makabren Komödienklassiker „Immer Ärger mit Harry“ (1955), aber dann wandelt sich der Film doch noch zum Krimi, ohne diese schwarzhumorige Attitüde zu verlieren. Nach und nach bringt Becker weitere Mitwirkende ins Spiel, die letztlich alle das gleiche Ziel haben: Sie sind überzeugt, dass Johnny irgendwo viel Geld gebunkert hat.

Gleichzeitig gehen die KDD-Mitarbeiter der Vermisstenanzeige der Witwe nach: Anita de Groot (Natalia Wörner) wusste nicht nur von den regelmäßigen Besuchen Johnnys bei sexy Zora, sondern auch, dass der Gatte die junge Frau aus dem Milieu befreien wollte; genauso, wie er es einst mit ihr gemacht hat. Und so finden sich sämtliche Beteiligte nach und nach auf dem Revier ein: Anita und Zora, die beiden Puffbesitzer, der Vogelkundler, zwei Kreditverleiher (Kida Khodr Ramadan, Prince Kuhlmann), denen Johnny eine große Summe schuldet, und natürlich der Anwalt (Gustav Peter Wöhler) von Angelo und Claude. Weil sich die Männer und Frauen auch außerhalb der Dienststelle immer wieder über den Weg laufen, kommt es zu weiteren Verwicklungen, die für einige Personen ziemlich tödlich enden.

Neben dem famosen Ensemble, zu dem natürlich auch die KDD-Mitglieder zählen (Barbara Auer, Armin Rohde sowie als neues Team-Mitglied Tedros Teclebrhan), imponiert „Es lebe der Tod“ in erster Linie durch die Leichtigkeit, mit der Becker die Geschichte erzählt. Während sich Dinge ereignen, die eigentlich unerhört sind, führen die Männer absurde Gespräche im besten „Pulp Fiction“-Stil, wobei der Reiz in der kontrastreichen Konstellation der jeweiligen Paare liegt.

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