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„Mittelmeer in Gefahr“, Arte Rundumschlag

Die Arte-Doku „Mittelmeer in Gefahr“ verrennt sich manchmal bei ihrer Beschreibung eines Problem, das in Dutzende Orte und Ursachen zersplittert ist.

Mittelmeer in Gefahr
Das Mittelmeer zieht jährlich 300 Millionen Besucher an. Foto: Capa Presse TV/Arte

Das Mittelmeer mit seiner ungewöhnlich hohen Artenvielfalt und dem ebenso überproportionalen Frachtschiffverkehr ist eine Art Vorreiter und Aushängeschild, wenn um die Verschmutzung der Weltmeere geht. Doch obwohl das Mittelmeer im Gegensatz zu den anderen Ozeanen noch halbwegs überschaubar wirkt, kriegt Alexis Marant seine Fülle an Recherchematerial nie so eindeutig in einen thematischen Griff. Oder ist es vielleicht ein absichtliches Statement, das uns die Komplexität und Vielseitigkeit der Problematik näherbringen will?

Diese dokumentarische Reise durchs Mittelmeer streift die Inflation der Kreuzfahrtschiffe auf Palma, mit den Auswirkungen auf Feinstaub, Schwerölverschmutzung und Krebs in der Bevölkerung; die chaotische und anfällige Frachtschifffahrt in der Ägäis, wo die Küstenwache nicht einmal ansatzweise genug Material und Menschen hat, um die programmierten Umweltkatastrophen auch nur einzudämmen; die Phosphatfabrik in Tunesien, die seit Jahrzehnten ihr giftiges Abwasser ins Meer ableitet und die Fischbestände vernichtet hat; und außerdem Korruption im Libanon, die Vermüllung von Tripolis und Beirut, dubiose Immobiliendeals in Kotor, und vieles mehr. 

Diese Vielfalt gerät manchmal buchstäblich aus dem Ruder: Die Gentrifizierung von Geheimtipp-Stränden in Frankreich, die Vertuschungen der Krankenakten in Tunesien und das Steuersystem und die Mietpreise in Montenegro – all das mag aktuell und böse sein, hat aber mit dem eigentlichen Thema der Mittelmeerverschmutzung eben nur über drei Ecken zu tun. Stattdessen hätte man die nur kurz angerissenen Themen des Bodenschatz-Abbaus im Mittelmeer und von der erwarteten Bevölkerungsexplosion in den umliegenden Städten ausbauen können.

Stilistisch schneidet Marant, immer wenn die Archivaufnahmen von kreuz und quer schwimmenden Tankern langweilig zu werden drohen, zu einer Reihe ungewöhnlich konfrontativer Interviews – manchmal mit Menschen, die diesen Tonfall verdient haben, wie montenegrinische oder griechische Minister; manchmal auch nur mit kleinen Kapitänen der Handelsmarine oder der Küstenwache, die offensichtlich nichts für die von oben bestimmte maritime Politik können. Dazu kommt eine manchmal arg plakative Musikwahl, und fertig ist eine informative, aber seltsam unkonzentrierte und mäandernde Doku über ein eigentlich sehr dringliches Thema. Immerhin hat sie uns gezeigt, wie unendliche viele Facetten und winzige Details mit dranhängen.

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