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„Midnight Sun“, ZDF Sie kann nicht schlafen, für ihn öffnet sich der Berg

„Midnight Sun“, eine alle Register ziehende, französisch-schwedische Thrillerserie im ZDF.

Midnight Sun
Kaffee mit Käse & Schamaninnen-Rat für den Ermittler. Foto: ZDF/Ulrika Malm

Die fremde Polizistin kann hier nicht schlafen. Sie versucht sogar, irgendein Fell (Eisbär? Rentier? Vielfraß?) vors Fenster zu hängen, nachdem die Jalousien nicht zu benutzen sind. Die Polizistin kommt aus Paris, Frankreich, und soll in Kiruna, nördlichste Stadt Schwedens, mitten im Sommer und bei schlafraubender Mitternachtssonne herausfinden, warum ein französischer Staatsbürger grausigst umgebracht wurde, indem man ihn auf einen Hubschrauberrotor band und so enthauptete. 

Natürlich gibt es auch in Schweden Ermittler, doch es sollte wohl ein möglichst gegensätzliches Paar sich mit dieser gespenstischen Mordserie herumschlagen müssen: So kam es zu Kahina Zadi (Leïla Bekhti), cool, kampferprobt sowie natürlich mit einem privaten Geheimnis, und Anders Harnesk (Gustaf Hammarsten), ungeschickt und ein bisschen ängstlich, der außerdem mütterlicherseits Same ist. Denn bald geht es auch um die Kultur der indigenen Sami (die man früher Lappen nannte). 

„Midnight Sun“ ist eine französisch-schwedische Koproduktion nach einer Idee von Patrick Nebout und Henrik Jansson-Schweizer, Regie führten Måns Mårlind und Björn Stein, Macher der erfolgreichen und vielgelobten Krimiserie „Die Brücke“. Sie haben an nichts gespart, was der TV-Thriller von heute braucht – und noch ein bisschen was an Action und Atmosphäre draufgelegt. 
Da ist der Schauplatz, Nordschweden, mit gewaltiger Landschaft, menschenfressenden Wölfen (aber die Menschen sind schlimmer) und seltsamen Gebräuchen wie Käse im Kaffee. Sami-Schamanen singen, verbrennen Knochen und prophezeien interessante Dinge wie: „Der Berg öffnet sich für dich, Anders Harnesk.“ Junge Sami protestieren in der Stadt gegen Diskriminierung, ihr Büro wird verwüstet. Rassisten gibt es hier reichlich. 

Und irgendwas stimmt nicht mit der Verlegung des Stadtzentrums von Kiruna, die in der Realität wegen eines riesigen Erzbergwerks stattfindet und 2033 abgeschlossen sein soll, die aber in der Fiktion von „Midnight Sun“ wenigstens zum Teil eine Lüge aus Profitsucht ist. Eine junge, hochschwangere Geologin möchte, dass die Wahrheit herauskommt. Ihr Mann scheint aber verwickelt zu sein. Ein mehr als dubioser französischer Geheimdienstler taucht auf und versucht, Kommissarin Zadi zu erpressen – offenbar mit Rückendeckung ihres Pariser Chefs. Ein hübscher Hubschrauberpilot bietet beiden Ermittlern Ablenkungen anderer Art. Blätter einer „Todesliste“ beginnen öffentlich auszuhängen. Die Menschen von Kiruna sind dennoch erstaunlich unvorsichtig. 

Vier Folgen zu je knapp zwei Stunden strahlt das ZDF von Sonntag an aus, dann fliegt Kommissarin Zadi wieder nach Hause. Es sind aufwendig-spektakuläre Filme, auch wenn es mittlerweile ziemlich nervt, dass TV-Morde immer ausgefallener und blutiger sind. Ein Trend, der möglicherweise mit dem einfallsreichen Henning Mankell begann. Man kann „Midnight Sun“ allerdings wirklich nicht vorwerfen, langweilig zu sein. 

 

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