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"Menschen bei Maischberger" (ARD) Maischberger bremst, wenn's spannend wird

Christa Müller, Ex-Frau von Oskar Lafontaine, spricht bei Maischberger über Trennungen. Dessen Affäre mit Sahra Wagenknecht bleibt dabei unerwähnt.

10.12.2014 09:25
Thilo Streubel
Zu Gast bei Maischberger (von links nach rechts): Anna Peters (zahlt gewalttätigem Ex-Ehemann Unterhalt), Dr. Clifford W. Heindl (Rechtsanwalt), Christa Müller (Ex-Frau von Oskar Lafontaine), Rosalie van Breemen (Autorin und Ex-Lebensgefährtin von Alain Delon) und Detlef Bräuning (Mehrfach geschieden, verweigert Unterhalt). Foto: ARD

„Menschen bei Maischberger“ dreht sich um Liebe, Trennung, Rollenbilder und das Recht. Aufhänger: der Rosenkrieg zwischen Schauspielerin Christine Neubauer und ihrem Ex-Mann.

Neubauer muss Unterhalt zahlen. Den Fakt nimmt Sandra Maischberger als Anlass für die Frage: „Teure Trennung - Geht Scheidung auch ohne Rosenkrieg?“

Scheidungsanwalt Clifford W. Heindl bringt den ersten Schwung in die Sendung: Laut Statistik liegt die Zahl der Frauen, die Unterhalt leisten müssen, bei unter einem Prozent. Der Experte sagt das beiläufig, stellt aber damit eine wichtige Frage: Warum zahlen meist die Männer nach einer Scheidung?

Die Antwort liegt auf der Hand (weil sie meist mehr verdienen), ist aber kein Thema bei Maischberger. Auch nicht der Fall Neubauer.

Stattdessen erzählt die Ex-Gattin Oskar Lafontaines, wie sie ihre Karriere für ihren Mann aufgab. Christa Müller wurde Hausfrau. 2011 folgte die Trennung, die laut Müller ganz geräuschlos abging, und 2013 schließlich die Scheidung.

Müller lässt die Affäre ihres Ex-Mannes mit Sahra Wagenknecht unerwähnt. Wichtig sei, dass die Scheidung ohne Streit über die Bühne gegangen sei. Man mag ihr nicht wirklich glauben. Auch Maischberger traut sich scheinbar nicht, die sicher spannende Causa Wagenknecht anzusprechen.

Vielmehr repräsentiert Müller die Hausfrau in der recht vorhersehbar ausgewählten Talkrunde. Sie bleibt am Ende eine Randfigur. Wie auch Model Rosalie van Breemen. Die Niederländerin hat zwei Scheidungen hinter sich gebracht, eine davon vom französischen Schauspieler Alain Delon. Van Breemen hat ein Buch darüber geschrieben, wie man eine Scheidung am besten übersteht. Ihre Tipps: öfters auf das Laufband gehen, sich eine neue Frisur geben und die Ruhe bewahren.

Maischberger schwenkt lieber über zum Unsympathen der Runde: Detlef Bräunig. Der Unterhaltspreller war schon einmal in der Sendung. Der gebürtige Magdeburger provoziert mit seiner Haltung. Bräunig wurde von seinen drei Ehefrauen verlassen, was ihn ziemlich unbeeindruckt lässt. Er gibt den Macho, der nicht einmal das Alter seiner Kinder weiß. Anwalt Heindl entgleisen bei Bräunigs Aussagen zum Unterhaltsrecht die Gesichtszüge.

Haarsträubend wirkt, mit welcher Selbstverständlichkeit Bräunig geltendes Recht missachtet. Leichtes Spiel für Maischberger: Sie lässt Bräunig einfach sprechen und erreicht maximale Aufregung. Der Preller sagt Dinge wie: „Mit Geld trifft man Frauen ganz wunderbar!“ Die drei Frauen in der Runde sind wenig angriffslustig. Van Breemen traut sich dann und bietet Bräunig einen linken Kinnhaken an.

Was hatte der Abend mit Neubauer zu tun?

Ein Anflug von belebter Diskussion liegt in der Luft. Dann aber bremst Maischberger den in Fahrt gekommenen Bräunig aus, bevor es spannend werden kann.

Im emotionalen Teil des Abends berichtet ein Opfer: Frau Peters, die eigentlich anders heißt, aber aus Angst vor ihrem Mann ihren wahren Namen nicht im Fernsehen sehen will. Peters zahlt Unterhalt an ihren Ex-Mann. Sie muss zwei Drittel ihrer Rente an den alkoholkranken Mann geben, der sie jahrelang misshandelt hat. 

Das Einzelschicksal zum Ende der Sendung ist beeindruckend und zeigt, wie das Unterhaltsrecht in Deutschland ausgelegt werden kann. Heindl verweist noch einmal auf den großen Einfluss der Richter. Ins Detail geht er nicht.

Und so lässt die Sendung viele Fragen zurück. Was hatte der Abend mit Christine Neubauer zu tun? Ist das Unterhaltsrecht in einer modernen Lebenswelt mit alternativen Lebensgemeinschaften noch zeitgemäß?

Maischberger setzt auf klare Rollenverteilung und den emotionalen Moment am Schluss. So kann man nicht verlieren, aber eben auch nicht gewinnen.

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