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"Menschen bei Maischberger" Angst vor den Gotteskriegern

Eigentlich soll es bei Sandra Maischberger nach der Sommerpause um das Thema "Angst vor den Gotteskriegern: Bedroht der Islam auch uns?" gehen. Doch erst einmal kommt Alice Schwarzer ausführlich zu Wort. Als es später ums eigentliche Thema geht, wird die Frag auch nicht beantwortet.

27.08.2014 07:58
Kai Agthe
Sandra Maischberger ist aus der Sommerpause zurück. Foto: dpa

Wer sich am vergangenen Dienstag etwas später in die Sendung „Menschen bei Maischberger“ zuschaltete, hätte glauben können, dass das Thema der Talkrunde kurzfristig geändert worden sei. „Angst vor den Gotteskriegern: Bedroht der Islam auch uns?“ lautete der Titel der ersten Ausgabe nach der Sommerpause. Sandra Maischberger war zwar ins Gespräch vertieft, widmete sich in den ersten 15 Minuten nur einem ihrer sechs Gäste: Alice Schwarzer. Weil die Herausgeberin der Zeitschrift „Emma“ seit den gegen sie erhobenen Vorwürfen der Steuerhinterziehung erstmals wieder im Fernsehen auftrat, kam die Redaktion auf die Idee, erst ihr einige Fragen zu stellen.

Man merkte der Frauenrechtlerin ihre seit Anfang Februar anhaltende TV-Abstinenz an. Schwarzer schwadronierte mit entwaffnender Offenheit über ihr Vergehen, über Jahre viel Geld in der Schweiz geparkt und das Finanzamt darüber nicht informiert zu haben. „Ich habe mich einfach treiben lassen“, versuchte sie, die noch nie um Worte verlegen war, ihr Tun im Nachhinein zu erklären. Auch, dass ihr Unrechtsbewusstsein heute größer sei. Immerhin habe sie sich im November 2013 selbst bei der Steuerbehörde angezeigt. Eine Parallele zwischen dem wegen Steuerbetrug in Millionenhöhe rechtskräftig verurteilten früheren Bayern-Boss Uli Hoeneß, der ihr „irgendwie leid tut“, und sich wollte Schwarzer aber nicht ziehen. Nach Schwarzers Ausruf „Ich bereue inständig!“ wandte sich Sandra Maischberger dann ihren anderen vier Studiogästen und dem eigentlichen Thema zu: „Angst vor den Gotteskriegern: Bedroht der Islam auch uns?“

Frage nicht beantwortet

Auch um 0.07 Uhr, als die Sendung endlich zu Ende war, war die Frage, welche Gefahr vom „Islamischen Staat“ (kurz: IS) im Irak für uns ausgehe, nicht beantwortet. Das lag weniger an der Fragestellung selbst, sondern eher an den Gesprächspartnern. Denn mit schöner Regelmäßigkeit redeten alle Diskutanten durcheinander. Was auch heißt: Maischberger entglitt die Leitung ihrer Sendung immer wieder. Das zeigte sich spätestens, wenn die Moderatorin beide Arme hob als habe sie vor, die Berliner Philharmoniker zu dirigieren. Mit dieser Geste wollte sie aber Ruhe in der Runde stiften. Das gelang nur bedingt.

Christoph Reuter, „Spiegel“-Reporter im Nahen Osten, ordnete das Phänomen „Islamischer Staat“ klug ein: Demnach ginge es den IS-Kriegern darum, einen archaisch geprägten islamischen Staat mit militärischen und medialen Mitteln zu errichten: „Sie sind auf Twitter aktiv und drehen Videos, die technisch brillant sind.“ Dagegen sei Al Qaida nur eine „Jugendgang“, so der Nahost-Experte.

Alice Schwarzer hatte nicht nur in eigener Sache etwas beizutragen, sondern auch zum Thema. Sie definierte den Islamismus als politischen Missbrauch des Islams und forderte die Trennung von Staat und Glaube in der islamischen Welt ebenso wie ein Verzicht darauf, den Islam in der westlichen Welt unter Generalverdacht islamistischer Bestrebungen zu stellen.

Der Journalist Oliver Jeges, Sohn eines österreichischen Mutter und eines ägyptischen Vaters, nannte es absurd zu glauben, dass die islamistisch motivierte Gewalt im Irak nichts mit dem Islam, wie er im Koran steht, zu tun habe. Khola Maryam Hübsch, Muslima und Journalistin, versuchte in der ihr gegebenen Redezeit immer wieder – etwa durch einen Kurzabriss zur frühen islamischen Geschichte – alle Beteiligten vom Gegenteil zu überzeugen. Dass sie nicht oft zu Wort kam, kompensierte sie mit einer Sprechgeschwindigkeit, der um diese Uhrzeit kaum mehr zu folgen war.

Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, der sich von der Runde oft missverstanden fühlte, pflichtete Hübsch bei: Die Taten der IS seien eine Schande. Deren Kriegszug im Irak habe nichts mit dem Islam und dem Koran nichts zu tun. Dem versuchte abermals Oliver Jeges mit dem Hinweis zu entgegnen, dass es keine Lösung des Problems islamistischer Gewalt geben könne, so lange immer wieder behauptet werde, dass Islamismus und Islam zwei ganz unterschiedliche Dinge seien. In diesem Punkt drehte sich die Diskussion immer wieder im Kreis.

Aiman Mazyek war auch der Überzeugung, dass die IS-Terroristen in den 2000 muslimischen Gemeinden in Deutschland keine Sympathisanten hätten. Dem stand das Beispiel von Beatrix Reinders aus Berlin entgegen. Ihr Sohn Danny trat vor sechs Jahren zum Islam über, radikalisierte sich durch den Einfluss von Hasspredigern und Salafisten zunehmend und ging 2009 als Religionskrieger nach Pakistan. Dort kam er bei einem Feuergefecht mit der pakistanischen Miliz ums Leben. Als dessen Geschichte erzählt wurde, schwieg die Runde: erkennbar betroffen vom sinnlosen Tod des verblendeten jungen Mannes.

„Menschen bei Maischberger“, Dienstag, 26. August, 22.45 Uhr, ARD

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