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„Mensch und Mond“, Arte Acht Meter bis zum Tennisball

Arte zeigt eine sehenswerte Dokumentar-Reihe über unsere komplizierten Beziehungen zum Erdtrabanten.

Mensch und Mond
Das genaueste 3D-Modell des Mondes. Foto: ZDF/Dany Hunger

Der äußere Anlass dieser drei überaus gelungenen Dokumentarfilme ist das Mondlande-Jubiläum, das wir im Jahre 2019 feiern können: Ein halbes Jahrhundert ist seit diesem „großen Schritt für die Menschheit“ (Mondbetreter Armstrong) vergangen. Darum ist hier auch viel von „Raumfahrt“ die Rede, und das ist sehr anthropozentrisch gedacht.

Es war die weiteste Reise, die Menschen bis dato je unternommen hatten, die im Jahre 1969 zum Erdmond führte. Dessen mittlerer Abstand vom Heimatplaneten beträgt etwa 30 Erddurchmesser. Wäre die Erde ein Fußball, dann hätte ihr Mond knapp Tennisball-Größe und wäre ungefähr acht Meter von ihr entfernt. Weiter sind wir im Weltraum noch nicht gekommen. Übrigens ist vor kurzem erstmals ein unbemanntes Raumfahrzeug auf der Rückseite des Tennisballs gelandet.

Der Mond übt eine besondere Faszination aus

Das alles ändert natürlich nichts an der Faszination, die der Mond seit je für die Menschheit ausstrahlt. Seit je war er es – und nicht die Sonne –, der die wichtigsten Anreize zur Berechnung astronomischer Verläufe und irdischer Zeiteinteilungen geliefert hat, und seine religiöse, spirituelle und physiologische Bedeutung gilt für uns alle, ganz gleich, ob wir im Orient oder Okzident, im Norden oder Süden des Planeten leben.

Der Mond ist die Göttin der Nacht, er ist leichter zu betrachten und betrachtend zu erforschen als die Sonne, und mittlerweile befindet sich auch schon 382 Kilo Original-Mondgestein auf der Erde, das verschiedene Apollo-Missionen angeschleppt haben. Dafür haben diverse Apollo-Raumfähren an die 180 Tonnen Ausrüstung da oben liegen lassen. So gehen wir seit je mit unserem Müll um.  

Eva Schötteldreiers Dokumentar-Reihe nähert sich dem Mond in einer wunderbar altmodischen Weise. Sie erklärt nicht einfach die Parameter des technischen Zeitalters zu den einzig relevanten und widmet sich darum nicht nur den Tatsachen und Erfolgen der Gegenwart, sondern geht auch sehr intensiv, voller Empathie und mit historischem Forschergeist auf all die spirituellen Facetten des Mondes ein, der schließlich seit Menschengedenken besungen, verehrt, mystifiziert wird. Der auf Lebenszyklen und – durch seine Schwerkraft – Meeresbewegungen und damit die Gestalt der Erde Einfluss nimmt und nach Meinung vieler Menschen ein Gesicht hat, also selbst eine Art Erdenbewohner sein könnte.

Die Geschichte der Raumfahrt zum Mond beginnt nicht erst mit den US-amerikanischen Apollo-Missionen, sondern in Paris zur Zeit Ludwigs XIV., der „Sonnenkönig“ genannt wurde. Er ließ in Paris das erste Observatorium der westlichen Welt bauen, von dem aus Astronomen von 1667 an, mit den modernsten optischen Geräten ihrer Zeit ausgestattet, mit einer Kartografie des Mondes begannen. Übrigens war der leitende Astronom dieses Observatoriums Giovanni Domenico Cassini, nach dem inzwischen immerhin ein prominenter Mondkrater, ein Marskrater sowie das gemeinsame Saturn-Forschungsprojekt von Nasa und Esa benannt wurden.

Älteste Mond-Forschung liegt weit zurück

Die älteste Mond-Forschung aber liegt weit zurück und fand wohl im Nahen Osten oder in China statt. In Zentraleuropa kündet die bronzezeitliche so genannte Himmelsscheibe von Nebra, deren Fertigungszeit etwa 3600 Jahre zurück liegt, von einer recht präzisen Bekanntschaft unserer keltischen Vorfahren mit dem Sternenhimmel, mit Mondphasen und mit nah- und fernöstlicher Astronomie. Auch in der Kunst spielt der Mond eine große Rolle, in der Literatur sowieso und natürlich auch in der Musik. Und im Jahre 1992 hat die Katholische Kirche endlich den großen Galileo Galilei rehabilitiert; die Astronomen des Vatikan hätten schon früher zu diesem Schritt geraten, hört man.

Der dritte Teil der Dokumentarreihe beschäftigt sich übrigens mit einer neuen Motivation der menschlichen Mondreise: Man wird möglicherweise nicht mehr nur hinfliegen, seinen Müll dort lassen und ein paar Proben mitnehmen. Man wird versuchen zu bleiben, der Mond wird möglicherweise ein neuer Kontinent. Ob man ihm und uns das wünschen soll?

„Mensch und Mond“, drei Dokumentarfilme,  Arte, 12. Januar,  20.15 Uhr, „Kind der Erde“, „Göttin der Nacht“, „Der achte Kontinent“ (verfügbar bis 10.2.2019)

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