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„Maybrit Illner“, ZDF „Wir sind als Deutschland nicht glaubwürdig“

Maybrit Illner wählte den Super-Sommer als Thema und fragte nach den Folgen für Mensch und Umwelt: "Der heiße Planet – sind wir zum Verzicht bereit?"

Maybrit Illner
Maybrit Illner Foto: Carmen Sauerbrei

Ende August und über 30 Grad: dicke Luft in der Stadt. Die große Hitze und die Dürre der vergangenen Wochen schufen einen denkbar passenden Anlass für die Beschäftigung mit dem Klima, dachte sich wohl die Redaktion von Maybrit Illner und fragte: „Der heiße Planet – sind wir zum Verzicht bereit?“ Folgte man der Debatte, konnte es kaum Zweifel an der Einsicht der Gäste in die Notwendigkeit der Veränderung geben, aber dann kam das große Aber: Das Dilemma ist eben die Umsetzung dieser Einsicht in die Praxis. Und da gingen die Meinungen in der Runde doch auseinander, obwohl man keinen von den umweltpolitischen rechten Blockierern aus der CSU geladen hatte. 

Mensch als Hauptverursacher des Klimawandels

Wie also wäre das Klima zu retten? National sowieso nicht, darauf hob gleich mal Wolfgang Kubicki ab, Stellvertretender Parteivorsitzender der FDP. Durch Appelle an Verzicht  sowieso nicht, da waren sich Kubickis Gesprächspartner einig. „Der Mensch funktioniert nicht über Verzicht“ wusste Max Moor, Moderator („ttt“), Autor, Schauspieler und bis 2017 Bio-Landwirt. Wie haben eben Probleme damit, abstrakte Daten, die den Klimawandel und dessen verheerende Folgen belegen, auf uns zu beziehen, antwortete Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, auf Maybrit Illners Frage, ob denn die Menschen nicht schon genug litten.

Doch wir kommen nicht um die Tatsache herum, dass der Mensch der Hauptverursacher ist,  hielt Mojib Latif fest, Diplom-Meteorologe und Vorstandsvorsitzender des Deutschen Klima-Konsortiums. Jeder Einzelne müsse etwas beitragen. So wie es die Familie der Journalistin

Petra Pinzler getan hat. Sie hat mit Mann und Kindern versucht, ein Jahr lang möglichst klimafreundlich zu leben, und nachdem sich das zuerst angefühlt habe wie bei einer Diät, ist als Erkenntnis geblieben, dass Veränderung des Verhaltens eben Zeit brauche: Die vierköpfige Familie hat nun zum Beispiel kein Auto mehr. 

Jährlich zehn Tonnen CO2

Der fahrbare Untersatz ist umweltpolitisch ja das Streitthema schlechthin und kam auch hier zu Ehren: „Warum werden SUV überhaupt gebaut, und wer verdient daran?“ schnaubte Max Moor und war damit beim Verursacher-Prinzip, das auch Latif einforderte. Jeder Deutsche produziere jährlich zehn Tonnen CO2, jeder Inder nur zwei Tonnen, seit 20 Jahren nähmen die Treibhausgase zu, und wir seien als Deutschland international nicht mehr glaubwürdig. Unter Angela Merkel werde das Problem nur ausgesessen, das sei umso schlimmer vor dem Hintergrund, dass in den USA ein „Vollidiot regiert“.

Womit der Experte den rußschwarzen Peter der Politik zugeschoben hatte. Robert Habeck wies zurecht darauf hin, dass Deutschland stets gebremst und „nichts auf die Kette gekriegt“ habe.  Was seine Nachbarin so nicht stehen lassen wollte, denn Svenja Schulze, (SPD), Bundesministerin für Umwelt, hob hervor, dass „wir ganz viele kleine Sachen schaffen“ und führte zudem den Ausstieg aus der Kohle an. Den Habeck vehement bestritt, so werde gerade wieder ein Wald abgeholzt für den Tagebau. Man könnte direkt 20 Kohlekraftwerke aus dem Verkehr ziehen, behauptete der Grüne. Und Wolfgang Kubicki wies darauf hin, dass die großen Energie-Erzeuger alle in staatlicher Hand seien.

Die SPD-Politikerin argumentierte mit der Erhaltung von Arbeitsplätzen. Umwelt gegen Arbeitsplätze auszuspielen, das machte das aktuelle Dilemma ihrer Partei ebenso deutlich wie ihr  notwendiges Lavieren in einer Koalition, die weder mit dem einen noch mit dem anderen Thema besonders viel anfangen kann – siehe die Autoindustrie, wo die CSU allemal lieber die Betrüger schützt als die Verbraucher.

Entlastungsversprechen der Politik

Die konkreten Beispiele ließen denn auch die Stichhaltigkeit der Kritik an der Bundesregierung erkennen. „Warum ist die Bahn nicht so attraktiv, dass kein Mensch mehr fliegen will?“ fragte Latif. Stattdessen erhöht das Unternehmen wieder die Preise.  Immerhin habe Deutschland, lobte Latif,  die Erneuerbare Energie bezahlbar gemacht. Über den Preis würde auch Kubicki vieles regeln, etwa den Bereich Verkehr in den Emissionshandel einbeziehen oder Steuern auf den Treibstoff für Flugzeuge erheben, damit das Fliegen teurer und die Umwelt entlastet würde.

Das Dasein würde teurer werden, wenn wir umweltgerechter  leben würden. Und es wäre die Aufgabe der Politik dafür zu sorgen, dass nicht nur die Bessergestellten angemessen ökologisch handeln können. Robert Habeck sieht da sogar eine „frohe Botschaft“, nämlich das Entlastungsversprechen der Politik: Es müssen nicht 80 Millionen überzeugt werden, sondern die Entscheider in den Parlamenten: „Wir könnten bessere Regeln machen. “

Aber dafür müsste man die wählen, die das wollen.

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